Keine Höhle – dennoch dunkel, nass und schmutzig

Höhlenforscher forschen natürlich vor allem in Naturhöhlen. Aber nicht nur.

Gelegentlich wird auch ein Stollen bearbeitet, ein Wassergang in einer Fabrik erkundet oder anderes erforscht, was an uns herangetragen wird. Auch Steinbrüche haben uns schon gerufen, wenn sich dort überraschender Weise Hohlräume öffnen. Oft handelt es sich dabei um von Menschenhand geschaffene Bauwerke, die dokumentiert werden sollen. Nachfolgend sind einige dieser Projekte aufgeführt, die wir in den letzten Jahren bearbeitet haben.

Sollten Sie eine ähnliche Fragestellung haben, bei deren Lösung wir Höhlenforscher helfen können, sprechen Sie uns an <info at arge-grabenstetten.de?subject=Anfrage%20wegen Untersuchung>!

1. Spitalbrunnen in Schelklingen

Im Spätsommer 1989 haben wir im Auftrag der Museumsgesellschaft Schelklingen den mittelalterlichen „Spitalbrunnen“ ausgegraben. Ziel war es, ältere Funde aus dem Brunnen für die Restauration zu sichern. Mehrere Wochenenden wurde mit Dreifuß und Winde unterstützt gegraben, zum Schluss musste das Grundwasser per Tauchpumpe entfernt werden (siehe Jahresheft 1989, S. 35-41).

Schickhardt-Stollen in Seeburg; Foto A. Schober

Schickhardt-Stollen in Seeburg; Foto A. Schober

2. Höhlenuntersuchung bei Bautätigkeiten in Grabenstetten

Im Frühjahr 1997 legte die Gemeinde Grabenstetten bei der Kläranlage ein Retentionsbecken an. Dabei wurde die bis dato nicht bekannte, knapp 100 m lange Mahlberghöhle beim Aushub dieses Beckens angeschnitten. Unser Verein dokumentierte diese Höhle und stand für die weitere Vorgehensweise bei den Bautätigkeiten mit seinem Sachverstand zur Seite.

3. Schickhardt-Stollen in Bad Urach-Seeburg

Die Stadt Bad Urach bat uns 1998, einen Teil des damaligen Fischbachstollens (heute Schickhardt-Stollen) zu vermessen, da keine Unterlagen über diesen Teil vorlagen. Wir nahmen eine entsprechende Vermessung vor. In der Folgezeit erarbeiteten wir eine Broschüre (Bodenloser See und Schickardtstollen) über diesen Stollen und veröffentlichten diese 2005 (Grabenstetter Höhlenkundliches Heft Nr. 10).

4. Kühberghöhle im Steinbruch Schwenck, Allmendingen

Der Steinbruch Schwenck in Allmendingen hat uns 1999 um Hilfe gebeten, weil sich ein Hohlraum in der Abbauzone öffnete und nicht klar war, ob der Boden noch für die schweren Abbaumaschinen tragfähig war. Wir konnten diese „Kühberghöhle“ vermessen und den Plan an den Steinbruch übergeben. Dieses wiederholte 2009 nochmals, diesmal wurde der „Kühbergschacht“ dokumentiert (siehe Jahresheft 1999, S. 25-28)

5. Renaturierung von Dolinen

Nachdem unser Verein den ‚Bund Naturschutz Alb-Neckar e.V.’ bei der Renaturierung einer Doline auf der Sonnenbühler Alb unterstützt hatte, bat das Landratsamt Reutlingen 2003 unseren Verein, eine solche Maßnahme in einer Doline bei Grabenstetten durchzuführen. Mit Unterstützung der Jugendgruppe des Landesverband für Höhlen- und Karstforschung Baden-Württemberg wurde der Müll dieser Doline entsorgt.

Wassergang unter der Eisenlohr´schen Fabrik, Dettingen/Erms; Foto: T. Mehner

Wassergang unter der Eisenlohr´schen Fabrik, Dettingen/Erms; Foto: T. Mehner

6. Publikation zum Böttinger Marmor

Einige Mitglieder nehmen sich dem direkt beim Vereinsheim gelegenen Marmorsteinbruch an und veröffentlichen 2003 eine Broschüre über den „Böttinger Marmor“. Diese Broschüre wird 2013 mit leicht ergänztem Inhalt erneut aufgelegt (Grabenstetter Höhlenkundliche Hefte Nr. 6 und Nr. 24).

7. Architekturarbeit „Höhlenforscherzentrum Höhlenbär“

2004 wurde gemeinsam mit der Uni Stuttgart (Institut für Öffentliche Bauten und Entwerfen) eine studentische Entwurfsaufgabe erstellt und betreut. Ziel war, das derzeitige Vereinsheim in Böttingen durch ein modernes Vereinsheim mit Höhlenmuseum zu ersetzen. Von den Entwürfen wurden die 6 besten im Jahresheft veröffentlicht (siehe Jahresheft 2004, S. 77-91, Volltext).

8. Eisenlohr´sche Fabrik, Dettingen/Erms

Im Herbst 2014 wurden wir von einem Ing.-Büro angesprochen, ob wir einen Wassergang unter der Eisenlohr´schen Fabrik in Dettingen/Erms dokumentieren könnten. Die Fabrik sollte in Wohnungen umgebaut werden und vom Bestand gab es keine ausreichenden Pläne. Aufgrund des Wassers und des Sediments in dem über 100 Meter langen Wassergang wurde dieser von den Vermessern nicht begangen – für uns Höhlenforscher natürlich eine leichte Übung (wird im Jahresheft 2014 veröffentlicht).

[Thilo Müller, Stand 2/2015]