Sardinien

Nachdem wir normalerweise die Pfingstferien dazu nutzen, die ersten warmen Tage im Jahr zwischen Neuschnee und Höhleneis im Toten Gebirge zu verbringen, haben wir uns dieses Mal für die entgegengesetzte Variante entschieden. Entgegengesetzt bedeutet, dass wir die dieses Jahr extrem heißen Junitage gegen noch heißere auf Sardinien getauscht haben. Wo es gerade um „wir“ geht. Die Gruppe bestand aus Saskia Bartmann, Chris Fischer, Jutta Sebald, Andreas Jakob, Tobias Tränkle, Florian Renz, Max Wisshak und mir. Und damit waren insgesamt folgende Höhlenvereine vertreten:
HFGOK – Arge Albstadt – Arge Speleo Nürnberg – Arge Grabenstetten – Höhlen- und Heimatverein Laichingen und der Höhlenverein Sontheim.

Vor Ort haben wir auch Winnie, Brigitte und Peter Otto mit ihren 4 Töchtern angetroffen.
In der zweiten Woche kam noch eine große Ladung der Chiemgauer Höhlenbären, so dass die süddeutsche Höhlenszene wirklich bestens vertreten war.
Auf die Idee für diese Tour bin ich nicht selber gekommen. Günther Blancke (ein deutscher Rentner und Hobbyhöhlenforscher, der sich dort mit seiner Frau Veronika zur Ruhe gesetzt hat) hat sich in einem Aufruf an den deutschen Höhlenforscherverband gewandt. Wie sich bald herausgestellt hat, hat er auch schon die HFGOK bei der Erforschung der sardischen Unterwasserhöhlen unterstützt. Also wollte ich der Sache nachgehen und habe eine kleine Gruppe zusammengestellt. Da niemand von uns vor Ort war, war das natürlich ein großes Experiment, für das nur eine kleine Gruppe in Frage kommt. Herbert Jantschke hat freundlicherweise das Vortreffen ausgerichtet und uns mit den Katasterinformationen und Kartenmaterial versorgt. Günther Blancke hat eine Forschungsgenehmigung besorgt und uns Ferienwohnungen vermittelt. Der Katasterführer der sardischen Höhlenforscher war informiert. Hinter der „Utopia“, der von der HFGOK auf einer Länge von über 4km erforschten Tauchhöhle wartet ein Horizontalsystem mit Blautopfausdehnungen. Ein vergleichbares zusammenhängendes System ist weiter nördlich auch bereits bekannt.
Die Vorraussetzungen waren also ideal.

Es gab nur ein Problem: Neue Höhlen. Sie wollten sich einfach nicht finden lassen. Auch wenn in dieser Gegend bester Kalk mit den tollsten Karren ansteht, zum Teil sogar mit einer Schichtgrenze zum Grundgestein, so konnten wir nur klitzekleinste Löcher finden.
Eigentlich wollten wir ja mit den Hirten vor Ort gemeinsam losziehen, was sich aber als unmöglich erwies ohne die Landessprache zu beherrschen. In diesem Punkt konnte auch Günther nicht weiterhelfen.
So haben wir viele Suchtouren ins Gelände unternommen, einmal in hydrographisch exponierter Lage, dann entlang von Schichtgrenzen und schließlich noch gezielt an Störungslinien. Der letzte Ansatz hat immerhin ein paar kleinere Höhlen erbracht – keine echten Neuentdeckungen, da sie mit Sicherheit schon bei den Hirten bekannt sind, aber immerhin noch nicht dokumentierte Objekte.

Zwischen diesen erfolglosen Open-Air-Sauna-Veranstaltungen haben wir uns mit normalem Touriprogramm bei Laune gehalten, also Strand, Meer, Sonne satt und obendrauf paßte auch immer noch ein Latte Macchiato.

Auch ein Fischessen und ein Hirtenessen gehören auf Sardinien dazu. Diese zwei denkwürdigen Abende hat Günther für alle deutschen Besucher gemeinsam organisiert. Dadurch wurden sie einerseits zu eventverdächtigen Großveranstaltungen, allerdings mußte man zuweilen sehr geschickte Plätze haben, um die guten Stücke abzubekommen.

Und dann gab es eben doch noch ein paar Höhlen, allerdings waren diese schon länger bekannt. Besondere Highlights waren der Besuch der Grotta del Fico, die gerade zur Schauhöhle ausgebaut wird (Anfahrt mit geliehenem Boot und anschließend Aufenthalt in einer Lagune mit Privatsphäre) und die Tour in die Su Palu mit einem Halbsiphonschluf und vielen Tropfsteinen, Excentriques und Makkaronis.

Fazit: Eine tolle Insel, die ich im nächsten Jahr gerne wieder besuchen würde. Ohne Ortskundige (Hirten, einheimische Höfos) braucht man aber nicht ernsthaft nach Höhlen zu suchen.
Die zwei Wochen waren jedenfalls superklasse und legen es nahe, noch öfter vereinsübergreifend einen Höhlenurlaub zu planen.

[Robert Winkler, Stand: 10/2003]

Zu diesem Thema gibt es in unseren Publikationen folgende Beiträge:
Jahresheft 2009, Udo Wieczorek: Sardinien Drüber und drunter
Jahresheft 2002/2003, Robert Winkler: Die Sardinienexpedition 2003