Neuseeland

Das Grabi-Team bei den Kiwis.

Anlässlich eines gemeinsamen Neuseelandurlaubes wurden in der Zeit vom 20.-30.12.2001 auf der neuseeländischen Nordinsel insgesamt 5 Höhlen auf der Puketiti-Station bearbeitet. Drei dieser Höhlen waren Neuentdeckungen, in einer weiteren bekannten Höhle konnten neue Teile bearbeitet werden. 8 Mitglieder der Arge Grabenstetten sowie ein Mitglied der Auckland Speleo Group (ASG) nahmen an den Forschungen teil. Insgesamt wurden 2.450m vermessen, davon waren 500m Neuland.

Forschungsgebiet, Geologie
Das Gebiet der Puketiti Station liegt 180 Kilometer südlich von Auckland und 40 Kilometer südwestlich des bekannten Höhlengebiets von Waitomo. Die Farm ist über das Dorf Piopio über gut ausgebaute Straßen zu erreichen, die letzten 10 Kilometer sind Schotterpiste; die Straße endet an der Farm.

Die hügelige Farmlandschaft (Meereshöhe von 180 – 380 m) wird von vielen abflusslosen Tälern durchzogen. Das Karstgebiet Puketiti Station wird im Westen vom Mangaorongo Stream und im Norden sowie im Osten vom Mangaotaki River begrenzt. Alle 5 von uns bearbeiteten Wasserhöhlen entwässern alle zum Mangaotaki River hin.
Die Pompeii Cave

Typische Farmlandschaft auf der Puketiti Station

Diese Höhle wurde von uns lediglich am 30.12. in 2 Gruppen befahren, leider zu spät für weitergehende Arbeiten. Wir konnten an diesem Tag nur 2 Seitengänge erstbearbeiten (240 m Neuland) und durch eine Teil-Vermessung (920 m) des Hauptgangs diese zusammenhängen.
Bereits bei dieser einen Befahrung war klar geworden, dass die Höhle noch ein beträchtliches Potential unerforschter und vor allem unvermessener (Seiten-) Gänge aufweist. Bisher bekannt waren ca. 1.800m Gänge, mit unseren beiden Seitengängen ist die Höhlen nunmehr 2.000m lang.

Die Pompeii Cave ist eine aktive Wasserhöhle, mit mindestens 2 Eingängen, dem Ponor- und dem Quelleingang. Bei unserer Befahrung war der Bach aufgrund der regelmäßigen Regenfälle auf sicher 100 l/s angeschwollen. Der Eingangsbereich (des Ponors, über den wir einstiegen) ist eher labyrinthisch geprägt und kleinräumig, wobei man nirgends krabbeln oder gar schlufen muss. Nach etwa 100m wird der Gang schnell größer und bleibt dann auf die gesamte Länge des Hauptgangs etwa 3-6 m breit und 5-15 m hoch. Wenige Versturzblöcke müssen überklettert werden, ansonsten ist der lehmige und sandige Höhlenbach sehr einfach zu befahren. Vor allem im mittleren Bereich des Hauptganges tauchen im Deckenbereich des öfteren Verstürze auf, die den Gang niedriger machen; diese Deckenbereiche sollten noch auf mögliche Fortsetzungen untersucht werden. Aber auch rechts und links auf Bachniveau setzten einige Seitengänge an, teilweise mit kleinen Wasserzuflüssen und Bewetterung, die auf dem alten Plan fehlen (Crossley 1970).
Die neuen Seitengänge führen beide nach Norden und stellen Wasserzuflüsse dar. Der Seitengang in der Mitte der Höhle ist meist 2m breit und 3-4m hoch, jedoch oft durch Versturz geprägt. Zahlreiche Kletter- und Krabbelstellen machen die Befahrung mühsam, das derzeitige Ende liegt in solch einem Versturzberg.
Der Seitengang in der Nähe des Ponoreingangs ist meist 3 – 7 m hoch und 2 bis 5 m breit. Große Bereiche des Ganges sind teilweise mit bis zu 2 m hohen Lehmablagerungen, in dem der Wasserlauf einen 0,5 – 1 m breiten meandrierenden Lehm-Canyon geschaffen hat, verfüllt. Am Ende verengt sich der Gang so, dass er nicht mehr befahren werden kann. Eingeschwemmte Holzreste und Rinder- und Schafsknochen deuten auf einen weiteren Ponoreingang hin.

Die Grand Canyon Cave
Diese sehr großräumige Höhle liegt nur knapp einen Kilometer östlich der Puketiti Station und wurde von uns, gewissermaßen zum „warm werden“, zu Beginn der Zeit auf der Station vermessen. Die Höhle ist 420m lang, in der nachfolgenden Schlucht gibt es noch 3 weitere Felstore, von denen 2 anlässlich der Außenvermessung (360m) ebenfalls mit in den Plan einbezogen wurden. Der Versuch, auch die Little Grand Canyon Cave zu vermessen scheiterte an der Tatsache, dass die Messgruppe an dem Tag nur ein Kompass für die Nordhalbkugel dabei hatte, der sich jedoch, wie alle diese Geräte, als völlig untauglich für die Richtungsmessung herausstellte.

Im Hauptgang der Grand Canyon Cave.

Durch die Verlagerung des Nadel-Schwerpunktes wird eine Inklination (auf der Nordhalbkugel wird das Nordende, auf der Südhalbkugel das Südende einer magnetisierten Nadel nach unten gezogen) ausgeglichen. Außer bei manchen Suunto und Recta-Modellen sind die angebotenen Kompasse (auch unser SILVA-Peilkompass) ausschließlich für den Einsatz auf der Nordhalbkugel nivelliert! Auch beim Schräghalten des Kompasses blieb die Nadel am Gehäuse hängen!

Bemerkenswert ist an der Grand Canyon Cave vor allem der durchgängig große Hauptgang, der sich ohne Verzweigungen oder Seitengänge durch einen Bergrücken zieht.



Früher wurde er offenbar sogar als Straße genutzt, Fahrspuren sind noch zu sehen. Wichtig ist die Höhle, die von der Puketiti Station dem Staat Neuseeland geschenkt wurde und vom Department of Conservation als Naturdenkmal betreut wird, vor allem aufgrund der Fledermauskolonie (long tailed bats), die hier ihr Quartier hat. Höhlenbesuche sind deshalb nur mit Genehmigung möglich, die uns vom Area Manager am 24.12. (!) ausgestellt wurde (siehe Abb.).

[Thilo Müller und Fritz Mammel, Stand: 10/2003]

 

 

 

Zu diesem Thema gibt es in unseren Publikationen folgende Beiträge:
Jahresheft 2007, Florian Renz: Neuseeland 2006 Auf Tour mit der Auckland Speleo Group
Jahresheft 2001, Thilo Müller & Fritz Mammel: Puketiti Station – Höhlenforschung in Neuseeland
Jahresheft 2001, Tobias Tränkle: New Zealand – powered by emotions
Jahresheft 2000, Andreas Schober: New Zealand 2000
Jahresheft 1993, Thilo Müller: Höhlen in Neuseeland