Schwabenschacht

Der Eingangsschacht des Schwabenschachts; Foto: J. Römer

Der Schwabenschacht wurde 1980 von FRED VISCHER entdeckt. Zusammen mit KLAUS GEBHARDT und MANFRED SCHWAIGER erforschte er die Höhle in den folgenden Jahren. Im Jahr 1987 kam JÜRGEN BÖLZLE dazu. Zusammen mit seinem Sohn MARKUS BÖLZLE war er maßgeblich an der ersten systematischen Dokumentation der Höhle beteiligt. Dabei wurde der Schwabenschacht auf eine Länge von 2,5 km bei einer Tiefe von ca. 200 m vermessen.

1992 stießen dann THILO MÜLLER und ROBERT WINKLER von der Arge Grabenstetten dazu. Dies war der Beginn einer rasant fortschreitenden Erforschung und Dokumentation der Höhlen am Vorderen Schwarzmooskogel.
Der Eingang liegt auf 1.665 m. Nach dem 12 m tiefen Eingangsschacht führt eine steile Rampe zur Verzweigungshalle. Von hier führt ein kurzer Horizontalgang in eine Folge von kleinen Schächten und über eine langgestreckte fast senkrechte Felsplatte bis hinunter zur Verlorenen Halle (1.553 m). Eine Rampe führt von dort weiter hinunter zur Jungen Spalte, die man allerdings gewöhnlich vom Hauptmeander aus erreicht. Steigt man in der Verzweigungshalle wieder 2 m hoch in eine hohe Kammer, gelangt man durch ein enges Röhrensystem (Alles-Käse- Gang) in einen von Schächten durchbrochenen Horizontalgang, der durch einen Schluf und den Katakombengang weiter bis zur Stellerweghöhle führt.
Der Hauptweg von der Verzweigungshalle aber ist eine großräumige steile Rampe die in einen 50 m- Schacht abbricht und in die Stuttgarter Halle (1.563 m) mündet. Von hier kann man über Rampen weiter bis in die Seilendhalle (1.510 m) absteigen. Hier hat man nun ein deutliches Horizontalniveau der Höhle erreicht. SSW schließt sich der Hauptmeander und die oben erwähnte Junge Spalte an. Mit ausgeprägtem Schlüssellochprofil führt der Gang sachte nach unten und endet 200 m südlich der Sandhalle im Rundgang auf einer Höhe von 1.480 m . Über enge Schächte kann man hier über mehrere Stufen in den Leopardencanyon (1.400 m) absteigen, in dem ein Rinnsal in einer unschlufbaren Spalte verschwindet. Am Beginn der Jungen Spalte führt ein kleiner Seitengang in die Augsburger Halle, die man auch vom Katakombengang über einen bemerkenswerten 80 m-Direktschacht erreicht. In direkter Nachbarschaft befindet sich der Abstieg in die Nassen Schächte, die zum derzeit tiefsten Punkt des Schwabenschachtes führen (1.354 m).

Im Flohzirkus; Foto: R. Winkler

Von der Seilendhalle gelangt man NNO leicht ansteigend und einige Rampen querend zum fossilen Meander und zu einem Schluf mit starker Bewetterung. Der anschließend wieder geräumige Horizontalgang endet 150 m NNO der Seilendhalle abrupt an einer Sedimentwand. Nach unten zieht hier etwas kleinräumiger der Standardmeander weiter, in dem noch kleinere Fragezeichen offen sind.
Steigt man im besagten Rampengelände NNO der Seilendhalle nach oben, erreicht man den Schwarzen Dom (1.555 m), der sich wieder in der gleichen Höhenlage wie die Stuttgarter Halle befindet und mit ihr auch über einen Horizontalgang verbunden ist.

Eine steile Rampe führt vom Schwarzen Dom weiter nach oben, bis man auf (1.610 m) einen Horizontalgang (Spaziergang) erreicht. Nach Süden setzt sich dieser etwa 150 m weit fort, bis der Gang über kleinräumige Rampen in die Stuttgarter Halle einmündet. Nach Norden kann man den Galaktischen Gang etwa ebensoweit verfolgen, bis er – wahrscheinlich aufgrund der geringen Überdeckung – komplett verstürzt endet. Unweit davon konnte ein neuer Eingangsschacht Tannenzäpfle,(1.670 m) gefunden werden. Eine Schachtfolge (Rausch der Tiefe) führt hier noch einmal auf einen kleinen Horizontalgang (1.460 m) mit beachtlichen Sedimenten und einem kleinen Bachlauf, welcher aber in einer unschlufbaren Spalte versickert.
Spaziergang und Galaktischer Gang sind von einem Schacht (Ygramul) mit 15 m Durchmesser und 25 m Tiefe unterbrochen. Diesen hinuntersteigend gelangt man über weitere Stufen in den 80 m tiefen Grand Canyon, an dem die Erforschung bei 1492 m auf offener Strecke abgebrochen wurde.

Zur Höhlenanlage
Wie bei der Stellerweghöhle zeigt sich dem Betrachter auf den ersten Blick ein undurchdringliches Labyrinth von Gängen. Aber auch dieses System zeigt deutliche Strukturelemente. Es gibt zwei ausgeprägte Horizontalniveaus bei 1.610 m und 1.510 m, die auch hier wieder die Ober- und Untergrenze der Rampen markieren. Diese liegen allerdings alle in ein und derselben Störung, die nahezu parallel zu denen in der Stellerweghöhle verläuft. Es gibt auch hier einige Canyongänge und Schächte, die diese Struktur aufbrechen. Diese werden aber bald unbegehbar eng und sind auch nicht so zahlreich wie in der Stellerweghöhle. Auffällig sind auch die 3 nebeneinanderliegenden Hallen (Verlorene Halle, Stuttgarter Halle und Schwarzer Dom) und die starke 3-dimensionale Vernetzung der Höhle durch Gänge, die in diesem Bereich an die oberen Bereiche der Stellerweghöhle erinnert.

[Robert Winkler, Stand: 03/2005]