Schnellzughöhle

Zweistromland; Foto: T. Müller

Die Schnellzughöhle wurde 1980 von Mitgliedern des CUCC entdeckt. Der Eingang (1.488 m) führt den Höhlenforscher in einen schönen Horizontalgang, der sich aber schon nach 30 m zu einem Schluf mit heftigster Bewetterung verengt. Dahinter kann man einige Meter über Geröll absteigen. Ein Loch in der Decke (nicht frei erkletterbar!) führt durch einen Krabbelgang zum 30 m tiefen Bell pitch.
Eine Reihe von Schrägabstiegen und Querungen führen schließlich in senkrecht abfallendes Gelände.

Über einige Schachtstufen erreicht man die Not so big chamber (1.265 m) und damit den eigentlichen Collecteur des Höhlensystems. Direkt gegenüber befindet sich der Zustieg der im Jahr 2003 gefundenen Verbindung vom p87 zur Schnellzughöhle. Vom Boden der Halle führen 3 große Gangfortsetzungen weiter, jeweils mit bis zu 10×10 m großen Querschnitten. Nach Süden gelangt man in die Nutzlosigkeit. Hier endet der Gang nach 150 m an einem sehr stark bewetterten Schluf, der noch etwa 100 m vom Hang entfernt ist, also Verbindung nach außen haben dürfte. Nach NO erreicht man über einen kleinen Zustieg das mit großen Dimensionen aufwartende Zweistromland, welches erst 1999 entdeckt wurde. Etwa 250 m ONO der Not so big chamber kann man über eine Stufe in einen SO führenden Seitenarm aufsteigen. Dieser führt in Rampen steil nach oben und wird immer kleinräumiger. An dessen Ende führt ein 30 m langer, sehr stark bewetterter Schluf ans Tageslicht. Dieser neue Eingang wird bisher noch selten genutzt, da er wegen seiner Nässe sehr unangenehm zu befahren ist.
Von der Not so big chamber nach NNW gehend, gelangt man einen tiefen Canyon seitlich querend nach 100 m an den Beginn eines wasserführenden Canyons (Pete’s Purgatory). Dieses 800 m lange äußerst mühevoll zu befahrende und bei den Engländern berüchtigte Gangstück blieb bis heute unvermessen. Eine Umgehung führt durch einen etwa 20 m langen Schluf über beachtlichen Sedimenten an der Decke entlang und mit sehr starkem Luftzug. Ein größerer Seitengang führt dahinter nach unten. Der Hauptgang steigt leicht an, bis man 150 m NO des Abzweiges zu Pete’s Purgatory unvermittelt an einem 15 m tiefen Abbruch steht. Eine riesige Querkluft schneidet dan Gang ab. An diesem Kluftkreuz mündet die Examenskluft von oben in die Schnellzughöhle ein. Vom Hauptgang kann man über einen unscheinbare Krabbel- und Kriechstrecke in einen unterlagernden Canyongang absteigen, über den man dann schnell den Boden der Verbindungshalle erreicht.

Sedimentablagerungen im Deckenbereich des Zeistromlands; Foto: T. Müller

Weiter nach unten sind Mitglieder der Arge Grabenstetten noch nicht vorgestoßen. Die Vermessung und Beschreibung der nun folgenden Teile geht noch auf Mitglieder des CUCC zurück.
Von der Verbindungshalle führt der geräumige Dartford Tunnel zunächst NW, dann SW weiter und trifft wieder mit dem Ende des Canyons Pete’s Purgatory zusammen (The Confluence). Eine fossile Passage führt nach Norden zum sogenannten Kölner Dom. Der aktive Hauptweg abwärts zieht auch zunächst nach Norden, biegt dann aber wieder nach Südwesten ab. An dieser Stelle ist ein Siphon, den man aber leicht umgehen kann. Der Weiterweg führt über kleine Schächte und Wasserfallstufen stetig weiter in die Tiefe bis zu einer kurzen Horizontalpassage. Hier muss man einen Halbsiphon mit nur 10 cm Luft zwischen Wasser und Decke überwinden und erreicht noch einmal einen großen 90 m tiefen Schacht (Orgasm Chasm). Mehrere kleine Schächte führen zum Endsiphon dieser Höhle, der mit 762 m nur noch 50 m über dem Seeniveau des Altausseer Sees liegt.

Zur Höhlenanlage
Die Schnellzughöhle bildet den tiefer liegenden Teil des SMK-Systems. Abgesehen von den Eingangsschächten, die wie die Examenskluft und der Zustieg vom p87 nahezu direkt nach unten führen, dominieren in der Schnellzughöhle große phreatisch gebildete trockengefallene Röhren (10 m Durchmesser) in der Höhenlage zwischen 1.350 m und 1.200 m.

Die tiefer liegenden Bereiche (1.200 m bis 900 m) sind heute noch aktive Canyons, die erst in den untersten Bereichen wieder in Schächte übergehen. Sowohl die fossilen Gangröhren als auch die Canyongänge bilden kein echtes Horizontalniveau, sondern führen mit geringer Neigung nach unten.

[Robert Winkler, Stand: 04/2005]