Höhlenbefahrungstechniken

Trockene, einfache Horizontalhöhle; Foto: A. Schober

Die folgenden Zeilen sollen einen kurzen Abriss über die in Höhlen notwendigen Befahrungstechniken geben. Wie schon der Begriff zeigt, geht es oft nicht ohne Hilfsmittel (Befahrung kommt vom bergmännischen Wort „Fahrte“ für Leiter“).

Verschiedene Höhlenarten erfordern spezielle Kenntnisse, Fähigkeiten und Ausrüstung. Oft werden jedoch in einer Höhle mehrere Befahrungstechniken benötigt:

Die Befahrung von einfachen Horizontalhöhlen ist am wenigsten aufwändig. Lediglich eine entsprechende Grundausrüstung mit Schutzkleidung (siehe Höhlen sicher befahren) ist von Nöten. Etwas Aufmerksamkeit und Vorsicht reicht zu ihrer Erkundung aus. Bei sehr labyrinthischen Höhlen hilft das einprägen und markieren (Steinmännchen) von Kreuzungen und Abzweigungen.

Schwieriger schon wird die Begehung, wenn sich der Höhlengang zu einer Engstelle, einem sogenannten Schluf verjüngt und man nur auf dem Bauch kriechend weiter kommt. Wichtig ist zuerst eine eingehende Begutachtung der Engstelle. Große Gefahren bergen abschüssige Schlüfe mit nicht einsehbarer Fortsetzung. Diese dürfen nur unter größter Vorsicht begangen werden. Wer in ihnen kopfüber feststeckt, kann in Todesgefahr geraten. Abschüssige Schlüfe sollten daher grundsätzlich mit den Füßen voran versucht werden. Nützlich ist dabei eine Seilsicherung durch einen Begleiter. Vor dem Schlufversuch sollte der Höhlengeher versuchen abzuschätzen, ob sein eigener Körperbau und seine psychische Verfassung eine Passage der Engstelle zulassen. Störende Ausrüstung, die sich im Schluf verkanten könnte, sollte man ablegen. Vorsicht ist auch bei engen, vertikalen Spalten geboten. Dort kann es schnell passieren, dass man mit den Füßen in der Luft hängt und kaum noch Halt findet, um sich abzustoßen. Trotz allen Tricks: Man sollte stets an den Rückzug denken und sich nie über- bzw. die Engstelle unterschätzen.

Schluf; Foto: R. Winkler

Das Klettern in Höhlen unterscheidet sich zwar nicht wesentlich von dem am Fels draußen, ist jedoch selten möglich. Glatte Tropfsteinflächen und der allgegenwärtige Lehmüberzug der Wände lassen ein Felsklettern im klassischen Sinne kaum zu. Auch in der Höhle gilt jedoch an Kletter- oder Spreizstellen die Grundregel „Stets zwei Griffe und einen Tritt, oder zwei Tritte und einen Griff“. Müssen in Höhlen von unten her Kamine oder in die Höhe reichende Schächte erklettert werden, geschieht dies durch Spreiztechniken oder, häufiger noch, durch das technische Setzen von Bohrdübeln und Trittstiften.

Nach unten führende Schächte werden in Höhlen mit der sogenannten Einseiltechnik (SRT-Technik) bewältigt. Dazu befestigt man am Schachtmund ein spezielles, dehnungsarmes Speleo-Seil. Die Ankerpunkte müssen sicher gewählt (dicker Baum, großer Felsblock oder Bohrhaken) und das Seil an mindestens zwei Fixpunkten befestigt werden. Auch mittels Bandschlingen kann ein statisch günstiges Kräftedreieck aufgebaut werden, welches bei Versagen einer Verankerung genug Redundanz bietet. Das Seil muss immer einen Endknoten aufweisen, um, falls das Seil kürzer ist als der Schacht tief, nicht unkontrolliert abzustürzen.

Ein Höhlenforscher seilt sich mit SRT ab; Foto: T. Müller

Der Höhlengeher muss für diese Befahrungstechnik zusätzlich zur Grundausrüstung im Besitz eines Speleo-Sitzgurtes, eines Brustgurtes sowie einer Brust- und einer mit dem Sitzgurt verbundenen Handsteigklemme mit Trittschlaufen sein. Ein Abseilgerät gehört ebenso dazu wie eine kurze und eine lange Longe (Seilstücke mit Karabinern am Ende), die bei Zwischensicherungen und Seiltraversen gute Dienste leisten. Hilfreich sind noch zusätzliche Karabiner zur Verstärkung der Bremswirkung beim Abseilen. Vorheriges Üben der Technik außerhalb der Höhle bis zu deren sicherer Beherrschung ist absolute Pflicht ! Vor einem ersten Test im Innern des Berges sollte man sich auch die Techniken zur Rettung eines verunglückten Kameraden aus dem Seil aneignen.

Zahlreiche Höhlenvereine, Ausrüstungshändler und kommerzielle Tourenanbieter haben SRT-Kurse im Programm.

Etwas altmodisch, aber manchmal bei kurzen Schachtstrecken die Methode der Wahl ist die Nutzung einer Drahtseilleiter. Diese wird am Schachtmund ähnlich wie das Seil bei der SRT-Technik befestigt. Beim Steigen auf der Leiter ist es wichtig, darauf zu achten, dass die Füße abwechselnd von vorne und von hinten (Spitze – Ferse) auf die Sprossen gesetzt werden. Dies verhindert ein abkippen nach hinten. Auch bei kurzen Schachtabstiegen ist es wichtig, dass der Steigende durch einen Speleo-Gurt und ein Seil von oben bzw. über eine Umlenkung von unten gesichert wird. Dies kann mittels HMS-Knoten oder mit Hilfe eines speziellen Sicherungsgerätes geschehen.

Wasserhöhle; Foto: A. Schober

Wasserhöhlen erfordern prinzipiell lediglich eine Neoprenausrüstung und können ansonsten wie Horizontalhöhlen begangen werden. Jedoch ist darauf zu achten, dass oft Schwimmstrecken oder kurze Tauchstrecken (Siphone) die Befahrung erschweren. Ist man kein sehr geübter Schwimmer, ist die Mitnahme einer Schwimmhilfe aus Styropor (keine Luftmatratze !) hilfreich. Auch erfordern besonders kurze Halbsiphone oder Siphone ein stabiles Nervenkostüm, zumal Enge, Dunkelheit und kaltes Wasser in Kombination sehr belastend sein können. Kommt starke Strömung hinzu ist Vorsicht geboten. Bei unsicherer Wetterlage ist von der Befahrung von wasserführenden Höhlen ohnehin abzuraten. Schwimmstrecken oder Siphone können durch gutes Ausleinen sicherer gemacht werden.

Höhlentauchen soll hier nur der Vollständigkeit halber aufgeführt werden. Jahrelange Übung im Freiwasser und zusätzlich eine gehörige Portion Höhlenerfahrung sowie enorme psychische Stabilität sind die Anforderungen für Höhlentaucher. Wer diese Spezialdisziplin der Höhlenforschung betreiben will, wird nicht umhin kommen, einen Höhlentauchkurs zu besuchen und/oder Kontakt zu einem lokalen Höhlenverein aufzunehmen. Auch erfordert das Höhlentauchen eine gesonderte, oft recht kostspielige Zusatzausrüstung (Tauchflaschen, Tauchanzüge, Lungenautomaten, spezielle Lampen, Tauchcomputer, Führungsleinen).

[Alexander Maier, Stand: 1/2011]