Falkensteiner Höhle

Demutsschluf bei höherem Wasserstand; Foto: A. Schober

Haben Sie Fragen zum Höhlendienst an der Falkensteiner Höhle?

Haben Sie Fragen zum aktuellen Wetter bzw. Wasserstand in der Falkensteiner Höhle? Dazu haben wir eine eigene Infoseite eingerichtet, die Falkensteiner Wetterseite.

Die Falkensteiner Höhle ist eine aktive Wasserhöhle, das heißt sie wird in ihrer vollen Länge das ganze Jahr hindurch von der Elsach durchflossen. Bei starken Regenfällen oder Schneeschmelze kann das Wasser innerhalb der Höhle so stark ansteigen, daß der Bach aus dem Eingang austritt, über die Felsbänke in schäumenden Kaskaden hinunterstürzt und dabei manchmal auch den zur Höhle führenden Weg teilweise zerstört und wegschwemmt (Hochwasser im Januar 2011, Film von J. Fodor). Bei derart starkem Hochwasser kann auch der niedrige Eingangsteil auf über 20 Meter Länge vollständig unter Wasser stehen, und eine Begehung der Höhle ist unter diesen Umständen nur sehr erfahrenen Höhlentauchern möglich. Bei normaler Wetterlage ist jedoch ein Besuch der Höhle bis auf etwa 150 Meter Länge gefahrlos und, zieht man Gummistiefel an, sogar trockenen Fußes möglich. Prinzipiell sollten bei einer Befahrung immer zwei getrennte gute Beleuchtungssysteme (zwei lichtstarke Taschenlampen) pro Person mitgeführt werden. Ohne Licht ist ein Entkommen aus der Höhle, selbst nur 100 Meter vom Eingang entfernt, nicht möglich! Fackeln oder Petroleumlampen als Beleuchtung sind aus Gründen des Höhlenschutzes verboten: Ihr Qualm erschwert die Atmung, zerstört das empfindliche Biotop der Höhle, verrußt das Gestein, und ihr schwaches Licht eignet sich allenfalls als Beleuchtung einer romantischen Gartenfete und nicht einer Höhle.

Nach dem niedrigen Eingangsteil, in welchem manchmal noch einige Pfützen Zeugnis vom letzten Hochwasser ablegen, vergrößert sich der Gang wieder, und man findet rechter Hand das zweite Schluckloch, wo der Bach bei erhöhtem Wasserstand verschwindet und teilweise am Hang und im Quelltopf wieder austritt. Nach einer lehmigen Passage trifft man auf das erste Schluckloch, das im Gegensatz zum zweiten immer aktiv ist. Bei Hochwasser ist die Aufnahmefähigkeit der beiden Schlucklöcher zu gering und die Elsach tritt dann aus dem Höhleneingang wieder zu Tage. Über glitschige Steine führt der Gang bald zum „Regentörle“, einer Stelle, bei der auch bei größter Trockenheit etliche Wasserfäden von der Decke plätschern. Bis hierher ist eine Begehung der Höhle für den normalen Touristen ohne größere Probleme möglich.

Großer Wasserfall; Foto: A. Schober

Das weitere Vordringen wird durch teilweise brusttiefes Wasser erschwert und zwingt zu Kälteschutzmaßnahmen (Taucheranzug). Man könnte zwar versuchen, die tiefsten Stellen zu überklettern, aber ein plötzliches Ausrutschen an den glitschigen Wänden mit nachfolgendem Sturz in das nur sieben Grad warme Wasser könnte bei schwächer konstituierten Personen zu einem Kreislaufkollaps führen! Auch von der Verwendung von Luftmatratzen ist abzuraten: Das Gestein ist scharfkantig, und eine zerrissene Matratze wird meist achtlos liegen gelassen und muß später von verantwortungsbewußten Höhlenforschern wieder mühsam ans Tageslicht geschleppt werden.

Bei längeren Begehungen ist also ein Taucheranzug erforderlich, die Lichtversorgung muß wasserdicht sein sowie über einen langen Zeitraum funktionieren. Außerdem ist Ersatzbeleuchtung mitzuführen! Dermaßen ausgerüstet kann man bei normalem Wasserstand circa 480 Meter in die Höhle eindringen. Dann stößt man auf den ersten Siphon.

Der Gang ist durchweg großräumig, kluftartig, von alten, teilweise übersinterten Verstürzen durchsetzt, ohne nennenswerte Seitenteile und auf ganzer Strecke von der Elsach durchflossen. Die in der älteren Literatur manchmal erwähnten Seen existieren nicht wirklich: Damit sind nur die etwas tieferen Stellen im klammartigen Bachbett gemeint, und es ist vollkommen unsinnig, mit irgendwelchen Booten die Höhle befahren zu wollen.

Ein Siphon ist ein Gangteil einer wasserdurchflossenen Höhle, in dem die Höhlendecke unter der Wasseroberfläche verschwindet. Der erste Siphon der Falkensteiner Höhle ist heute nur noch bei erhöhtem Wasserstand ganz geschlossen, und es bleibt normalerweise ein Luftspalt von etwa fünf bis zehn Zentimetern zum Atmen. Zu Platzangst und Panik neigenden Personen ist das Passieren dieser Stelle abzuraten und eine Begehung über den ersten Siphon hinaus ist nur sehr erfahrenen Höhlenforschern möglich! Die Ausrüstung muß entsprechend ergänzt werden, man sollte eventuell Verpflegung mitführen, Verbandszeug für mögliche Notfälle haben, und die Beleuchtung ist für einen längeren Aufenthalt auszulegen!

Großräumig setzt sich der Gang hinter dem ersten Siphon fort, und nach wenigen Metern steht man vor einem mächtigen Versturz, welcher den Boden der „Reutlinger Halle“ bildet. Hier muß man einige Meter nach oben klettern, die Halle durchqueren und dann wieder zum Bachbett absteigen. In den sechziger Jahren erleichterten Eisenleitern den Auf- und Abstieg, jedoch setzte der Rost im Laufe der Jahre den Leitern so stark zu, daß sie ein Sicherheitsrisiko darstellten und von Vereinsmitgliedern abgebaut wurden.

Hinter der „Reutlinger Halle“ beginnt einer der schönsten Höhlenteile, die „Wasserfallstrecke“. Durchweg großräumig zieht der Gang weiter in den Berg. Vorbei an Sinterkaskaden und über kleine Wasserfallstufen erreicht man nach etwa einem halben Kilometer erneut eine Versturzzone, deren Blöcke von einer schmierseifen-ähnlichen, glitschigen und teilweise meterdicken Lehmschicht überzogen sind (daher der Name: „Lehmwände“) und das Vorankommen erschweren. Kurz vor den „Lehmwänden“ trifft man auf das „Krokodil“, ein von der Decke gestürzter meter-langer Tropfstein und Wahrzeichen am Ende der „Wasserfallstrecke“. Leider wurde das „Krokodil“ vor wenigen Jahren von dümmlichen Höhlenbegehern mutwillig in zwei Teile zerbrochen!

Am Ende der durchweg trockenen Lehmstrecke gelangt man in eine größere Versturzhalle, an deren Rand ein sehr enger Durchschlupf („Fuchsbau“) wieder zum Bachbett hinunterführt. Hier ist man etwa 1200 Meter vom Eingang entfernt, und der folgende Gang weist jetzt ein kastenförmiges Profil auf: Kurze trockene Teile wechseln ab mit Strecken, in denen man im knie- oder hüfttiefen Wasser waten muß.

Das Reibeisen kurz vor der Bänischhalle; Foto: A. Schober

Kurz nach Beginn dieses Höhlenteils ist das „Waschbrett“ zu passieren, eine breite, aber niedrige Spalte nur wenige Zentimeter über dem Bachniveau. Bei erhöhtem Wasserstand staut sich hier ein mehrere Meter langer Siphon. Nach knapp einem weiteren Kilometer folgt eine weitere Versturzzone, und wenn man sich zwischen den Blöcken hindurchgezwängt hat, stößt man schließlich auf die „Bänischhalle“ mit dem zweiten oder „Großen Siphon“.

Dieser ist ein echter Siphon, das heißt es gibt keine Luftspalte zum Atemholen. Direkt hinter dem zweiten Siphon folgt ein dritter („Schiefer Siphon“) und in der anschließenden Strecke existiert je nach Wasserstand zwischen Höhlendecke und Wasseroberfläche nur ein Luftspalt von wenigen Zentimetern. Sinnigerweise nennt sich dieser Teil „Letzte Ölung“! Der Gang wird dann wieder größer und vorbei an Tropfsteinsäulen, Sinterkaskaden und schneeweißen Stalagtiten erreicht man nach weiteren 600 Metern den „Eiseleversturz“, einen relativ jungen Deckenbruch, der den Gang vollständig blockierte und bis Silvester 1977 das Höhlenende gebildet hat, 2750 Meter vom Eingang entfernt.

Die nach dem Eiseleversturz beginnende „Riffstrecke“ ist der schönste Teil der Höhle. Weder ein weiterer Versturz noch sonst ein größeres Hindernis erschweren das Fortkommen bis zur „Hohen Kluft“, an deren Fuße die Höhle in einen weiteren und langen Siphon („Tiefer Siphon“) abtaucht. Dieser neue Höhlenteil unterscheidet sich wesentlich von den schon länger bekannten: Die Gesteinsformation ist Schwammkalk, ein massiges, ungegliedertes und teilweise sehr scharfkantiges Gesteinspaket, gänzlich anders geartet als die eingangsnahen Bereiche, in denen geschichtete Bankkalke dominieren. Besonders bemerkenswert ist eine leichte Blaufärbung mancher Tropfsteine, möglicherweise hervorgerufen durch einen geringen Kupferanteil im Gestein.

Die Falkensteiner Höhle zieht in einer relativ einfachen räumlichen Strukur durch den Berg: Ein großräumiger und meist klamm- oder kastenförmiger, selten elliptischen Querschnitt aufweisender Gang ohne nennenswerte Seitenteile oder gar Nebenlabyrinthe. Die wenigen Seitengänge erreichen nicht einmal eine Länge von hundert Metern, sind im Vergleich zum Hauptgang sehr eng und führen kaum Wasser, so daß sie niemals über einen längeren Zeitraum eine große Rolle als Wasserzubringer gespielt haben. Die Hauptwasserzufuhr erfolgt aus dem „Tiefen Siphon“. Außerdem besitzt die Höhle keine höherliegenden Etagen, jedenfalls sind bis heute trotz intensiver Suche keine solchen entdeckt worden. Der Hauptgang verläuft bis zur „Reutlinger Halle“ ziemlich genau nach Norden, schlägt dann eine östliche Richtung ein und biegt beim „Fuchsbau“ wieder in nördliche Richtung ab. Im Bereich der „Bänischhalle“ unterquert die Höhle Grabenstetten, und unter dem Grabenstettener Sportplatz dürfte sich wohl der „Eiseleversturz“ befinden. Die Überdeckung, das heißt die vertikale Strecke von der Höhlendecke bis zur Erdoberfläche, beträgt am Eingang circa 100 Meter. Da die Höhle ein recht geringes Gefälle hat (etwa 50 Meter zwischen „Eiseleversturz“ und Eingang, das heißt eine mittlere Steigung von 1,8 Prozent) und die Erdoberfläche über der Höhle keine nennenswerten Erhebungen oder Einsenkungen aufweist, dürfte die Überdeckung am Versturz etwa 50 Meter betragen.

[Stand: 4/2015]