Elsachbröller

Linker Eingang des Elsachbröllers, April 1994; Foto: T. Müller

Imposant das Eingangsportal der Falkensteiner Höhle – klein, eng, wenig vielversprechend das Eingangsloch des Elsachbröllers, unscheinbar im Hangschutt verborgen. Und doch waren einst beide zusammenhängende Teile einer Grabenstetter Großhöhle. Im „Urfalkensteiner Gang“ des Elsachbröllers findet man die Richtung und die großräumige Dimension der Falkensteiner Höhle wieder.

Dies nachzuweisen, lohnte die langwierige, mühsame und schwierige Arbeit der Höhlenforscher. Auch heute noch ringen Unentwegte im Elsachbröller um Neuland. Aber die Höhle weiß sich zu wehren. Sie präsentiert dem Eindringling alle Gefahren einer extremen Höhle: Verstürze, äußerst mühsam zu passierende Engstellen, viel Schlamm und Lehm und lange, gefährliche Unterwasserstrecken. Nur sehr erfahrene Personen sollten dieser Höhle zu trotzen versuchen. Alle anderen könnte sie in ihren grimmigen Griff nehmen. Eine Rettungsaktion aus diesem Loch sollte niemand herausfordern, ihr Gelingen ist ungewiß.

Schon der gesamte Eingangsbereich ist eine stark verbrochene und verschlammte Marterstrecke mit mühseliger Kriecherei. Unerbittlich verlangt die Höhle „Eintrittsgeld“. Die folgende etwa zwanzig Meter lange Schichtfuge ist zwar weit gespannt, aber sehr niedrig. Korpulentere Forscher können den engsten, „Angstschluf“ genannten Teil nur mit ausgeatmeter Lunge passieren. Der Schluf spuckt den Forscher in der „Albeckhalle“ wieder aus. Hier kann man sich wieder aufrichten und es gibt zwei Möglichkeiten, weiter einzudringen: entweder südöstlich durch den „Damoklesschluf“ zum großräumigen „Tunnel“, der nach etwa siebzig Metern am „Gotischen Törle“ endet, oder man steigt wenige Meter in der „Albeckhalle“ ab, um in den „Untergang“ zu gelangen.

Elsachbröller pur, 80er Jahre; Foto: Arge Grabenstetten

Am „Gotischen Törle“ beginnt eine Reihe von gefährlichen und schwierigen Siphons, die auch erfahrenen Höhlentauchern alles abverlangen („Schattensiphon“, „Rechensiphon“ und „Siphon der Einsamkeit“). Danach zweigt der aktive, wasserführende Teil der Höhle nach Nordosten ab, während in südlicher Richtung die „Junge Spalte“ verläuft, ein mehrere Meter über dem Bachbett liegender enger, verlehmter und teilweise trockener Seitenteil. Der Nordostgang fordert mit schwierigen Unterwasserstrecken heraus, darunter die etwa neunzig Meter lange „Blindschleiche“, und mündet in den „Klammgang“. Diese Kluft endet in der „Terrassenhalle“, dem zweitgrößten Raum des Bröllers (20 Meter mal acht Meter mal zwölf Meter). Danach zieht die Höhle noch mehrere hundert Meter in den Berg, wird immer enger und schließlich wird der Hauptgang durch einen unpassierbaren Versturz blockiert.

Der geräumige und südlich verlaufende „Untergang“ taucht nach etwa hundert Metern in den „Ersten Untergangssiphon“ ab. Nach einer kurzen Auftauchstelle folgt der „Zweite Untergangssiphon“, welcher nach einem scharfen Knick nach Norden im „Urfalkensteiner Gang“ auftaucht. Dieser ist stark verlehmt, im letzten Teil trocken und verläuft etwa zweihundert Meter in südlicher und nördlicher Richtung. Das nördliche Ende mündet im Hangschutt neben dem Eingang, während das südliche die „Lehmhalle“ erreicht, der bis jetzt größte bekannte Raum der Höhle. Sie setzt sich noch im „Pattexschluf“ fort, einem Schlammsumpf, der sich bald in unbefahrbarer Enge verliert.

Die Lehmhalle im Urfalkensteiner Gang, die größte Halle des Elsachbröllers; Foto: H. Sibbert

Das Flutverhalten des Bröllers gab zunächst Rätsel auf: Wenn Hochwasser aus der großräumigen Falkensteiner Höhle nach Schneeschmelze oder Regenfällen austritt, bleibt der wesentlich engräumigere Eingangsbereich des Bröllers von diesen Niederschlägen zunächst unberührt. Außerdem erfolgt ein Hochwasserausbruch immer mit einer Zeitverzögerung von mehreren Tagen. Erst die Entdeckung des „Urfalkensteiner Gangs“ brachte die Lösung: Das von Nordosten bergauswärts strömende Wasser fließt von der „Albeckhalle“ in den tieferliegenden „Untergang“ und danach in den als Speicher wirkenden „Urfalkensteiner Gang“. Erst nach dessen Überflutung benutzt das Wasser die höherliegenden Eingangsteile als Notausgang.

Weil selbst für erfahrene Höhlentaucher die engen und verschlammten „Untergangssiphons“ schwierig zu passieren sind, sahen die achziger Jahre mehrmals aufwendige Pumpaktionen. In tagelangen Materialschlachten installierten die Arge und Mitglieder anderer Vereine Tauchpumpen, mehrere hundert Meter Feuerwehrschläuche, Elektrokabel und Telefonleitungen im Bröller. Nach erfolgreichem Absenken des Wasserspiegels erstellten Vermessungsgruppen einen genauen Plan der neuen Höhlenteile und an aussichtsreich erscheinenden Stellen gruben Hartnäckige nach Fortsetzungen. Schlamm, zäher Lehm und extreme Engstellen verhindern jedoch bis heute den großen Erfolg.

[Stand: 07/2004]