Sontheimer Schacht

Eingang des Sontheimer Schachts

Entdeckung, Lage, Beschreibung
Im Jahr 1899 brach im Gewann Herderbühl südöstlich von Sontheim auf einem Feldweg ein Schacht ein. Dieser wurde mit einer Tiefe von 31m angegeben und bald darauf mit einem großen Felsblock verschlossen. Zuvor wurden allerdings noch einige Monate (Jahre?) Lesesteine von den umliegenden Äckern in den Schacht geworfen. Bei der Flurbereinigung 1975 wurde der Zustieg wieder geöffnet und Mitglieder des Höhlenvereins Sontheim stiegen bis auf 16 Meter Tiefe ab, wo sie auf den Boden aus Lesesteinen stießen.

Der Eingang des Sontheimer Schachtes liegt in der Tallängsachse eines kleinen Trockentals westlich des Tiefentals, zwischen diesem und Sontheim. Durch einen direkt daran vorbeiführenden Teerweg ist er leicht zugänglich. Der Einstieg wurde bei der Flurbereinigung gefaßt und ein Betonkasten darübergesetzt, in den an einer fest installierten Leiter 3m abgestiegen werden muß. Am Boden des Kastens beginnt der eigentliche Schacht, den man ohne Umsteigstelle machen könnte, ein paar kleinere Scheuerstellen machen jedoch zumindest eine Zwischenbefestigung in ca. 8m Tiefe sinnvoll. Nach einem engeren Eingangsstück weitet sich der auf nahezu ganzer Länge lotrechte Schacht auf einen Querschnitt von 2 x 4 Meter. Ab einer Tiefe von 15 Meter wird der Schacht abermals größer und erreicht bei einer Tiefe von ca. 25m einen maximalen Querschnitt von 2,5 x 14 Meter. Hier geht im Norden ein kleiner Seitengang ab, der jedoch an übersintertem Lehm endet. Mit zunehmender Tiefe reduziert sich die Größe wieder, der jetzige Boden ist etwa 2 x 3 Meter groß. Diverse Seitenkamine und Nischen untergliedern den gesamten Schacht. Die Gesamtganglänge liegt zur Zeit bei 60 Meter, die Tiefe bei 43 Meter. Der Schacht liegt nach der geologischen Karte nur wenige Meter unterhalb der Schichtgrenze Weißjura delta/epsilon im Massenkalk. Aufgrund der Verlehmung der gesamten Wandpartien im Schacht ist bisher nicht zu erkennen, ob die Glaukonitbank bereits erreicht wurde; auch morphologisch ist dies nicht sicher feststellbar.
Der Schacht ist an einer aufgeweiteten Kluft angelegt und nahezu versturzfrei, der Boden wurde jeweils komplett abgegraben.

Grabung am "SOS", März 1991; Foto: T. Müller

Grabung
Anfängliche Grabungen des Höhlenverein Sontheim nach der Öffnung des Schachtes in den 70er Jahren wurden ohne wesentliche Tiefenerfolge eingestellt, nachdem sich ein hängender Versturz gelöst und auf den damaligen Schachtboden gestürzt war. Glücklicherweise wurde dabei niemand verletzt.

1989 wurden die Grabungen vom Höhlenverein Sontheim und der Arge Grabenstetten wieder aufgenommen und mit erheblichem technischen und personellen Einsatz betrieben. Anfangs wurde alle 4-5 Wochen gemeinsam gegraben, einige Male wurden regelrechte Grabungswochen veranstaltet. Die Zusammenarbeit und das Verständnis der beiden Gruppen untereinander, ein wichtiger Punkt, der Erwähnung verdient, klappte (und klappt) ausgezeichnet.
In den knapp 10 Grabungsjahren konnte der Schacht bis auf eine Tiefe von 43m ausgegraben werden, wobei groben Schätzungen zufolge ca. 300 m3 Grabungsaushub auf die nahe Erddeponie transportiert werden mußten. Nach anfänglich stürmischen Grabungskampagnen ist in den letzten Jahren etwas mehr Ruhe eingekehrt. Seit etwa 1997 wird nicht mehr gegraben, da sich immer öfters Wasser am Schachgrund ansammelte und mühsam ausgepumpt werden musste.

Am Grund des SOS, Grabungsstand April 1993; Foto: T. Müller

Wir verbesserten unsere Grabungstechnik laufend; vor allem, als wir seit 1990 dazu übergegangen waren, 3-4 Transporttonnen gleichzeitig einzusetzen und auch sonst einige Kleinigkeiten optimiert wurden (hier soll vor allem Erich Ruopp erwähnt werden, der zeitweise an jedem Wochenende wieder etwas organisiert oder neu geschweißt hatte), konnten wir erheblich mehr graben, was sich gut anhand der abtransportierten Hänger belegen läßt. Zudem fingen wir schon Freitag nachmittags an, einen oder zwei Hänger zu füllen. Ein weiterer Grund für das unregelmäßige Anwachsen der Schachttiefe liegt in der sich ständig ändernden Geometrie des Schachtbodens. Waren es Anfang 1989 noch kaum 3-4m2, so wuchs die Grundfläche mit der Zeit kontinuierlich, bis sie im Herbst 1990 wohl an die 12-14m2 erreicht hatte. Auf dem Plan ist ersichtlich, daß die Kluft immer länger wurde und so die Vergrößerung der Schachtgrundfläche bewirkte. Da es auf die Dauer zu gefährlich wäre, eingefülltes Material teilweise im Schacht zu belassen, mußten wir jeweils alles, was uns später gefährlich werden könnte, weggraben.

Einige Schwierigkeiten bereitete eine Lehmwand, die wir anfangs standen ließen; sie war ins Rutschen geraten und hatte am tiefsten Punkt ein dort befindliches Schluckloch verstopft. Seit dieser Zeit kämpfen wir des öfteren mit kleineren und größeren Schlammengen und Wassermassen. Mittlerweile ist das Schluckloch wieder freigelegt; die Graberei ist jedoch recht dreckig geblieben. Die Versuche, das Wasser mit Pumptechnik aus dem Schacht zu entfernen, zählen auch zu der mehr oder weniger erfolgreichen, aber auf jeder Fall außergewöhnlichen Forschungsgeschichte dieser Höhle.

Es zeigten auch viele befreundete Höhlenforscher aus Schwaben, dem restlichen Deutschland und der ganzen Welt Interesse, was sich in zahlreichen Besuchen und etlichen Angeboten zur Unterstützung der Grabung ausdrückte. Letztere nahmen wir stets dankend an.

Vielleicht gelingt es einer jüngeren Forschergeneration, an diesem Punkt mit neuem Mut erneut auf die Suche nach der Blauhöhle zu gehen!

[Thilo Müller, Stand: 12/2010]