Film über Neuland in der Falkensteiner Höhle begeistert

Neuigkeiten und spektakuläre Bilder ziehen immer, vor allem, wenn sie die Falkensteiner Höhle betreffen. Die Forscher aus Grabenstetten hatten ein volles Haus.

Die Falkensteinhalle in Grabenstetten füllt sich. Rund 350 Besucher sind zum Gästeabend gekommen. Fotos: Michael Rahnefeld

Grabenstetten. Es dürften gut 350 Gäste gewesen sein, die sich am Samstagabend in der Falkensteinhalle zu Grabenstetten eingefunden hatten. Und sie wurden beim Infoabend der Arbeitsgemeinschaft Höhle und Karst Grabenstetten nicht enttäuscht. Gleich zwei spannende Vorträge erwartete die Gäste, zu denen sehr viele Forscher aus befreundeten höhlenkundlichen Vereinigungen der Schwäbischen Alb zählten. So zeigten die Grabenstettener Höhlenkundler erstmals öffentlich Bilder vom erst jüngst entdeckten Neuland in der Falkensteiner Höhle (wir berichteten). Und das mit einem knapp 30-minütigen Film, den Udo Wieczorek parallel zu den Forschungsarbeiten im Spätsommer gedreht hat.

Ingo Dorsten von der Speläologischen Arbeitsgemeinschaft Hessen beschrieb in Wort und Bild die Forschungsarbeiten im „Herbstlabyrinth“, einem ganz besonderen Höhlensystem bei Breitscheid. Es ist mit über zwölf Kilometer vermessener Länge das größte in Hessen, das momentan viertgrößte Deutschlands und liegt im Geopark Westerwald – Taunus – Lahn. Das „Herbstlabyrinth“ wurde erst dieser Tage ob seiner großen Bedeutung für die Wissenschaft vom Land Hessen komplett unter Schutz gestellt. Dorsten stellte in seiner Bilderschau detailliert die wissenschaftliche Bereiche vor, aus denen die interdisziplinäre Forschung laufend neue Erkenntnisse schöpft. Insbesondere als Klimaarchiv hat die Höhle sehr großen Wert. „Sie ist wie ein Buch, man muss nur verstehen, darin zu lesen“, sagte der Forscher aus Hessen.

Zuvor jedoch begeisterten sich die Gäste in der Halle an den spannenden Szenen aus der Falkensteiner Höhle. Nach 30 Jahren erstmals wieder neue Gangteile entdeckt, und dies gleich in so großer Dimension, das ließ aufhorchen. Wieczorek machte mit den Filmbildern deutlich, dass dieser extrem heiße und lange Sommer auch das Innenleben der Falkensteiner Höhle verändert hat. Quasi durch einen Glückfall entdeckte ein kleiner Forschungstrupp 1200 Meter tief im Berg eine Stelle, wo der Lehm an den Wänden wegen langer Trockenheit abgesackt ist. So tat sich plötzlich ein Spalt zwischen Lehm und der Felsdecke auf. Der Film erzählt, wie mühevoll Meter um Meter gekämpft werden muss, bevor die Forscher plötzlich wieder auf großräumige Gangprofile mit prächtigen Einlagerungen wie versinterten Muscheln oder Fossilien stoßen, dann aber wieder durch Verstürze oder Siphons – an diesen senkt sich die Höhlendecke bis ins Wasser – ausgebremst werden.
Rund 200 Meter dieser entdeckten Passagen sind bereits vermessen und dokumentiert. Bei Oberflächenbegehungen auf der Alb suchten die Höhlenkundler bislang erfolglos nach Stellen, die möglicherweise einen Außenzugang zu diesen neuen Gangteilen ermöglichen, zumal in den neuendeckten Bereichen immer wieder ein Luftzug registriert wurde.

Die Forscher wiesen darauf hin, dass diese neuen Höhlenteile sehr gefährlich sind und sehr schwierig zu befahren, wie es in der Bergmannssprache heißt. Die neuen Teile wurden deshalb aus Sicherheitsgründen verschlossen, die Falkensteiner Höhle darf insgesamt nur mit Genehmigung betreten werden. Wegen des dieser Tage eingetretenen Winterschutzes für Fledermäuse ruhen die Forschungsarbeiten, im nächsten Sommer soll es aber weitergehen, kündigte Wieczorek an.

Dicht umlagert war in der Halle häufig der Stand mit einem höhlenkundlichen Literaturangebot sowie der eines Anbieters für Höhlenforscherausrüstung aller Art. Große Neugier weckte auch ein 3D-Bilderschau von Andreas Schober über eine Exkursion in Rumänien.

Die Falkensteinhalle in Grabenstetten füllt sich. Rund 350 Besucher sind zum Gästeabend gekommen. Fotos: Michael Rahnefeld

Jahreshefte und Kalender, viel speläologisches Papier. Fotos: Michael Rahnefeld

Dicht umlagert war bisweilen der Stand des Ausrüsters für Höhlenforscher. Fotos: Michael Rahnefeld

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