In der Alb und in den Alpen

Robert Winkler. Foto: Michael Rahnefeld

Robert Winkler stellt sein neues Höhlenbuch beim Gästeabend vor. Foto: ra

Grabenstetten (ra) Nicht nur auf der Alb sind die Forscher der Arge Grabenstetten aktiv, sondern auch in den Alpen. Rund 200 Höhleninteressierte ließen sich am Samstagabend in der Falkensteinhalle informieren.Vorsitzender Fritz Mammel freute sich einmal mehr über eine gut gefüllte Halle in Grabenstetten. Weil diesmal auch viel Neues an Höhlenliteratur angeboten werden konnte, hatte die Arbeitsgemeinschaft Höhle- und Karst Grabenstetten eine kleine Bücherecke in der Halle eingerichtet. Dort wurde vor allem der neue Höhlenkalender 2013 mit prächtigen Aufnahmen von Andreas Schober nachgefragt, aber auch das aktuelle Jahresheft der Arge und das neue Buch „Die Höhlen des Toten Gebirges“ von Robert Winkler fanden großes Interesse. Letzteres wohl schon deshalb, weil es ein Teil des Vortragsabends war.

Bereits seit 20 Jahren sind Mitglieder der Arge Grabenstetten im Toten Gebirge hinter Salzburg, einem der größten Karstgebiete der Nördlichen Kalkalpen und gleichzeitig eines der bedeutendsten Höhlengebiete weltweit, unterwegs. Bei den jährlichen 14-tägigen Sommercamps hoch oben auf der Loser Alm entdecken die zumeist zwölf bis 15 Teilnehmer zählenden Expeditionsgruppen fast immer „Neuland“ im Karst. Das Schönbergsystem ist nicht umsonst mit derzeit über 130 Kilometern Ganglänge aktuell längste Höhlensystem in Österreich.

Maßgeblich daran beteiligt waren die Forscher der Arge Grabenstetten, die bei ihren Exkursionen in dieses Gebiet maßgebliche Verbindungsteile fanden. Im neuen Buch von Robert Winkler, beschreiben er und ein Dutzend weiterer Autoren – etliche davon von der Alb – in Text, Bildern und Plänen alle wichtigen Höhlensysteme des „durchlöcherten“ Gebirgsstocks. Gleichzeitig werden den Lesern die aktuellsten Forschungsergebnisse vorgestellt. Die Autoren waren nach Angaben des Herausgebers alle selbst in den jeweiligen Forschungsgebieten aktiv. Und bei den jüngsten Befahrungen im Sommer 2012, so machte Winkler in seinem Vortrag deutlich, waren durchaus auch deutliche Klimaveränderungen in dieser Höhlenwelt zu verspüren. Spektakuläre Eisformationen, auf die sonst die Forscher trafen, waren abgeschmolzen. Winkler sprach von „enormen Schmelzvorgängen“, die von den Forschern mit Datenloggern aufgezeichnet werden.  Klimawandel auch in der Höhle?

Funde von Höhlenbären, Fragmente von Saurierknochen, aber auch Relikte vergangener Forschergenerationen sind immer wieder Überraschungen, auf die Mitglieder dieser Forschungscamps im rund 500 Kilometer von der Alb entfernten Forschungsgebiet stoßen. In einer gelungenen Bilderschau vermittelte Robert Winkler den Gästen im Saal einen Eindruck davon, mit welchem Aufwand die alpine Bergwelt in ihrem Inneren erforscht wird und welch wunderschöne Landschaft mit Karren- und Latschenfeldern, mit schroffen Berggipfeln und klaren Bergseen dafür den Zutritt gewährt.

Ähnlich aber doch ganz anders dann der schwäbische  Karst und die „Forschungsreise“ durch die Hessenhauhöhle, deren Eingang eine etwa zwei Kilometer südlich von Berghülen gelegene Doline bildet. Nach Entdeckung eines auffälligen Luftzuges im Mai 2005 gruben hier seit Januar 2006 Höhlenforscher der Arbeitsgemeinschaft Blaukarst einen 130 Meter tiefen Schacht aus, um schließlich Ende März 2011 den Zustieg zu einem bis dahin unbekannten Höhlenfluss freizulegen. Mittlerweile dürfen die Forscher der Arge Blaukarst eine Gesamtlänge von 3832 Meter und eine Tiefe von 144 Meter verbuchen,  berichteten Roland Konopac und Wieland Scheuerle in einem Bildervortrag vor den Gästen in der Falkensteinhalle. Die Höhlenlänge wurde damit quasi in Jahresfrist verdoppelt, die Hessenhauhöhle ist nun tiefste Höhle der Alb. Färbversuche haben zudem ergeben, das die Hessenhauhöhle mit dem Blauhöhlensystem verbunden ist. Die Wasser aus Zainingen und Laichingen erreichen dabei auf unterschiedlichen Wegen ihr Ziel – den Blautopf. Eine „begehbare“ Verbindung zwischen Hessenhauhöhle und Blauhöhlensystem zu finden, ist eine der großen Aufgaben der Blaukarst-Forscher.

Die Arbeitsgemeinschaft Blaukarst ist ein Verbund von etwa 60 Mitgliedern aus vier Höhlenvereinen, nämlich Arge Grabenstetten, Freunde der Aachöhle, Höhlenforschungsgruppe Ostalb-Kirchheim sowie Höhlen- und Heimatverein Laichingen

Info

www.arge-grabenstetten.de

www.hoehlenfoto.de

www.leykamverlag.at

www.blauhoehle.de

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