Höhlen, die man sonst nicht zu sehen bekommt

Vortragsabend in Böhringen; Foto: T. Müller

ZAININGEN.  Unbekanntes Zainingen: Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Höhle und Karst Grabenstetten nahmen rund 70 Zuhörer mit in den Untergrund und zeigten Höhlen, die man sonst nicht zu sehen bekommt. Die Südwest Presse (Ermstalbote) berichtete jüngst über die Veranstaltung.

Matthias Lopéz Correa ist seit seiner Jugendzeit fasziniert von Höhlen, als Erwachsener widmet er sich in seiner Freizeit deren Erforschung. Besonders angetan hatte es ihm stets ein Höhlensystem im Zaininger Steinbruch, das 1956 entdeckt wurde und von dem er im ersten Heimatbuch las: „Ich wusste, dass es von dieser Höhle eine Fortsetzung geben könnte und sie beim Abbau wieder angeschnitten werden muss“, erklärte er im Römersteinsaal in Böhringen rund 70 interessierten Zuhörern.

So war es letztlich kein Zufall, als er mit seinem Partner im Winter 1998 in der 100 Meter hohen Steinbruchwand tatsächlich einen Einstieg fand: „Es war fantastisch, wenn man so lange darauf wartet“, beschrieb er sein damaliges Glücksgefühl, das sich beim Eintreten in die so genannte Zaininger Höhle noch steigerte. „Wir seilten uns 15 Meter auf einen Sturzberg ab“, erinnert sich der Höhlenforscher, der kaum glauben konnte, was er sah: Eine trockene Tropfsteinhöhle, etwa 30 Meter lang und 20 Meter breit und vor allem „randvoll mit wunderschönen Tropfsteinen, perfekt, rein und durchsichtig“. Matthias Lopéz Correa: „Wenn man so etwas entdeckt, schlägt das Höhlerforscherherz höher. Wir hatten eine lange ehemalige Flusshöhle gefunden. Sie war das schönste, was damals in der Gegend gefunden wurde.“ Mit dabei im Römersteinsaal hatte er faszinierende Fotos der Höhle, die bis zu diesem Zeitpunkt noch kein Mensch betreten hatte: „Die meisten Höhlen sind nicht wirklich prickelnd“, gab der Referent zu. „Es ist oft eng, extrem lehmig und man muss durch die Höhle kriechen.“ Anders in Zainingen: Auch nach der ersten Halle gings wider Erwarten in geräumigen Gängen und in großen Versturzhallen weiter – auch wenn es keine Tropfsteine mehr gab.

„Am ersten Tag sind wir 400 Meter gelaufen. Nach jeder Ecke hatten wir eigentlich damit gerechnet, dass es aufhört“, erinnert sich der Höhlenforscher. 700 Meter ist die Höhle insgesamt lang, aber „sie geht sicherlich noch weiter“.

Bis vor etwa sechs Jahren konnten die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Höhle und Karst regelmäßig in die Höhle gehen, sie wurde akribisch vermessen und jedes Detail dokumentiert. Entgegen der üblichen Gepflogenheit wurden auch Tropfsteine für Forschungszwecke mit aus der Höhle genommen – deren Alter liegen bei 10 000 Jahren. Matthias Lopéz Correa: „Normalerweise geht der Schutz vor. Hier wussten wird aber, dass der Abbau weitergeht.“

Der Fund hatte viele Diskussionen für und gegen einen weiteren Abbau entfacht, er wurde letztlich fortgesetzt – die Tropfsteinhalle existiert nun nicht mehr in ihrer ursprünglichen Form und Größe. „Rückwirkend ist das sehr schade und ich hätte mich anders entschieden“, gab der Höhlenforscher und Geologe zu. „Der Abbau des Steinbruchs ging danach ja nicht mehr so sehr in die Tiefe.“

Mit seinem Vortrag hatte Matthias Lopéz Correa eindrucksvoll dargestellt, was es auch unter der Erde Römersteins Unentdecktes gibt. Dazu gehört auch der Auenschacht bei Zainingen, den Thilo Müller vorstellte. Der ist 773 Meter lang, hat eine Höhendifferenz von 37 Metern und ist vor allem aus einem Grund für die Höhlenforscher so interessant: „Wir hoffen, dass er noch weiter geht und möglicherweise ein Teil des Blaubeurener Höhlensystems ist“, erklärte Thilo Müller. Seit 2005 sind die Forscher dort nicht mehr aktiv, es soll aber wieder eine Grabungsgenehmigung beantragt werden. Den Vortragsabend komplettierte der Arge-Vorsitzende Fritz Mammel, der die Arbeit des Vereins mit seinen 140 Mitgliedern vorstellte.

Autor: Kirsten Oechsner (Ermstalbote)

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