Noch kein Durchbruch in die Blauhöhle

BLAUBEUREN. Unter der Überschrift „Auf dem Weg in die Tiefe“ berichtet Joachim Striebel von der Südwest Presse Ulm (SWP) heute über die Versuche der forschenden Vereine, weitere Zugänge zum Blauhöhlensystem zu finden.

In der Blaubeurer Vetterhöhle und in der Seligengrundhöhle bei Seißen wurde in den vergangenen Monaten nicht gearbeitet, um die Fledermäuse nicht aus dem Winterschlaf zu wecken, schreibt Striebel in der SWP. Hier sein Beitrag:

Der Höhlenverein Blaubeuren konzentrierte sich auf den Steeb-Schacht bei Wennenden, die „Arge Blaukarst“ auf die Hessenhauhöhle bei Berghülen. Beide sind keine Fledermausquartiere. Jede der Forschergruppen stieß auf natürliche Hohlräume, die auf Fortsetzungen hoffen lassen.

Die Mitglieder des Höhlenvereins Blaubeuren (HVB) betätigten sich im Steeb-Schacht zunächst als Bauarbeiter. Vor Jahrzehnten war die einst natürliche Doline mit quadratischen Betonringen zur Ableitung von Oberflächenwasser ausgebaut worden. Wie die Forscher feststellten, war das damals betonierte Fundament in 16 Metern  Tiefe unterspült worden. „Die Betonplatte, auf der der Schacht aufgesetzt war, konnte von unten besichtigt werden“, berichtet Markus Boldt, der Vorsitzende des HVB. In Abstimmung mit dem Bürgermeister und dem für die Stadt Blaubeuren tätigen Geobüro räumten die Forscher große Mengen Schutt aus und bauten aus alten Leitplanken eine Schalung, um unter dem alten Fundament einen sechs Meter hohen Schacht aus Beton gießen zu können, der bis auf tragfähigen Grund reicht.

In drei Aktionen wurden anfangs Eimer für Eimer und dann per Betonpumpe insgesamt 35 Tonnen Beton verarbeitet. Erst dann konnten die Forscher im unteren Teil arbeiten ohne Gefahr zu laufen, dass die Betonringe herabrutschen. Sie seilten sich ab in größer werdende Spalten bis auf eine  Tiefe von knapp 50 Metern unter der Erdoberfläche. In einem Raum, der etwa acht Meter lang ist, vier Meter breit und 20 Meter hoch, ist vorerst Schluss. Es sei kein Ansatz zu erkennen, wo es weitergehen könnte. Mit empfindlichen Messgeräten will der Höhlenverein Blaubeuren nun feststellen, wo ein Luftzug herrscht. Denn schon oft hat der Höhlenwind den richtigen Weg in die  Tiefe gewiesen. Die Hoffnung ist begründet: Der Steeb-Schacht liegt in der Hauptrichtung der Blautopfhöhle.

Ebenfalls über eine Doline wollen die Mitglieder der aus mehreren Vereinen bestehenden „Arge Blaukarst“ einen trockenen Einstieg ins Blauhöhlensystem finden. Seit 2006 graben sie in der Hessenhaudoline bei Berghülen. Das Objekt hat längst den Namen „Höhle“ verdient, denn nach der Ende 2006 in 30 Metern  Tiefe entdeckten „I-Punkt-Halle“ stießen die Forscher jetzt weiter unten auf geräumige Schächte und seilten sich an Ostern im so genannten „Sinterkarrenschacht“ bis auf eine  Tiefe von 85 Metern ab. Weil die Höhle auch dort unten auf Luftdruckschwankungen an der Oberfläche reagiert und ein Höhlenwind bläst, rechnet Arge-Sprecher Jürgen Bohnert mit weiteren Hohlräumen.

Während Hessenhauhöhle und Steeb-Schacht noch nicht den direkten Weg ins große Höhlensystem freigegeben haben, wird bald schon ein künstlicher Forschungsschacht den Zugang ermöglichen. An der B 28 sind Vorbereitungen für eine Bohrung angelaufen.

Autor: Joachim Striebel, SWP

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