Aktuelle Forschung und fantastische Bilder

Titelbild des neuen Buches; Foto: M. Wisshak

Grabenstetten (ra). Volles Haus bei der Arge Grabenstetten! Knapp 400 Besucher sind am Samstag zum Gäste- und Info-Abend in die Falkensteinhalle gekommen. Aktuelles zum Forschungsstand im Seligengrund und eine Multivisionsschau erwartete die Interessierten dort.

Mit so vielen Besuchern hatten die Organisatoren der Arbeitsgemeinschaft Höhle und Karst Grabenstetten dann doch nicht gerechnet. Schnell wurden noch Stühle und Tische beigeschafft, und weil der Braten mit Spätzle schon bald zur Neige gegangen war, wurden halt Saitenwürstle serviert. Trotzdem kamen die knapp 400 Besucher in der gut gefüllten Halle auf ihre Kosten.

Zum einen mit einem Vortrag von Jens Freigang (Bergatreute) zum aktuellen Forschungsverlauf in der Seligengrundhöhle, zum anderen bei einem fantastischen Multivisionsvortrag von Dr. Max Wisshak. Für beide gab es viel Applaus.

Zusammen mit drei weiteren höhlenkundlichen Vereinigungen, den „Freunden der Aachhöhle“, der „Höhlenforschungsgruppe Ostalb-Kirchheim“ (HFGOK) und dem „Höhlen- und Heimatverein Laichingen“ (HHVL), engagieren sich Mitglieder der Arge Grabenstetten in der Arbeitsgemeinschaft Blaukarst bei der Erforschung der Seligengrundhöhle.

Noch vor einem Jahr war nichts als ein „Mauseloch“, ließ Jens Freigang in seinem Bildvortrag die Gäste wissen, doch seit einem Jahr geht es stetig „bergab“, und das im positiven Sinne. An diesem „Mauseloch“, zwei Kilometer westlich von Blaubeuren gelegen – also im engsten Bereich des großen Blauhöhlensystems – hatte einer der Forscher einen starken Luftzug wahrgenommen. Diesem Höhlenwind spürte man nach und grub sich mittlerweile durch Fels und Gestein 100 Meter in die Tiefe. Mit welchem Aufwand und unter welchen Bedingungen, das machten die gezeigten Bilder deutlich. Den Forschern fehlen jetzt noch 20 Meter, dann befinden sie sich auf dem Karstwasserniveau des Blautopfsystems. Und zum Vergleich: Die Laierhöhle bei Geislingen ist mit derzeit 126 vertikal vermessenen Metern momentan die tiefste Albhöhle. Sollten die Forscher der Arge Blaukarst weiterhin erfolgreich sein, dürfte es am Blauhöhlensystem erneut spannend werden.

Äußerst spannend, aber auch Labsal für das Auge, war der Vortrag von Dr. Max Wisshak mit der Überschrift „Inside Mother Earth“, zu deutsch: Im Inneren der Erde. Mittels brillanter Fotos, unterlegt mit passenden sphärischen Klängen, entführte der Geowissenschaftler aus Erlangen – gleichzeitig Mitglied der Höhlenforschungsgruppe Ostalb-Kirchheim – zu den schönsten Karsterscheinungen rund um den Erdball. Zu jeder thematischen Bildfolge gab es kurze Einleitungen des Forschers und begnadeten Fotografen, der eingestand, vor 15 Jahren vom „Höhlenvirus“ erfasst und nicht mehr losgelassen worden zu sein. „Nirgendwo sehe ich mich als Fotograf mehr herausgefordert als in den Höhlen dieser Erde – dort wo es gilt, Dunkelheit, Nässe, Lehm und weiteren fotografen-feindlichen Umständen zu trotzen, um dennoch ausdrucksstarke Bilder zu kreieren“, sagt Wisshak von sich selbst. Betrachte man die Werke später bei einem Glas Wein auf der Leinwand, so werde die Höhle sprichwörtlich noch einmal „in einem ganz anderen Licht“ erlebt.

Die Geehrten erhalten von Fritz Mammel (rechts) ihre Urkunden; FOTO: MICHAEL RAHNEFELD

Zu Beginn der Veranstaltung in Grabenstetten hatte der Vorsitzende des rund 140 Mitglieder zählenden Höhlenvereins, Fritz Mammel, noch zehn Mitglieder für zehnjährige Treue geehrt und mit Urkunde und Nadel  ausgezeichnet. Die Geehrten: Martina Boldt; Martin Bürck; Ole Fahnick; Achim Gulde; Karl Gußmann; Alessa Kunberger; Verena Kunberger; Marian Rahnefeld; Asmus Renfer und Gabriele Roesler (ra)

INFO
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