In den Osterferien mal wieder eine Schauhöhle besuchen

STUTTGART (ra) Wenn jetzt die Schutzzeit für Fledermäuse endet, dann öffnen in Baden-Württemberg auch wieder viele der Schauhöhlen. Insgesamt 14 Ziele locken in die Unterwelt mit Tropfsteinen und Grabungsfunden.

Sie sind geheimnisvoll, von Sagen umwoben und oft auch gefürchtet. Aber seit jeher ziehen sie die Menschen auch an – die Höhlen. Baden-Württemberg mit der Schwäbischen Alb ist das Bundesland mit den meisten Höhlen. Allerdings ist nur ein Bruchteil der bekannten unterirdischen Systeme auch für Besucher zugänglich. Die faszinierenden Welten aus Stein und Wasser zwischen Odenwald und dem Dreiländereck lassen sich in den Schauhöhlen hautnah erkunden. Insgesamt 14 solcher Ausflugsziele, die mit ihrem Tropfsteinschmuck und geologischen Formationen locken, gibt es im Land. Und es müssen nicht immer die bekanntesten sein, deren Besuch sich lohnt. Gerade die kleineren Schauhöhlen haben besonderen Reiz.

Eine Entdeckungstour: Ganz im Norden findet sich die Eberstadter Tropfsteinhöhle. Diese Schauhöhle im Muschelkalk ist zugleich Geopark-Eingangstor für den Odenwald.
Eine der ältesten, längsten und am schönsten ausgebauten Karstobjekte dürfte die Charlottenhöhle bei Hürben sein. Die nach der württembergischen Königin Charlotte benannte Höhle ist bereits seit mehr als 100 Jahren zu besichtigen. Im ihr angeschlossenen Höhlenhaus wird über die viele Millionen Jahre alte Erdgeschichte der Schwäbischen Alb informiert, ergänzt durch die Höhlenerlebniswelt Hürben mit der im vergangenen Jahr eröffneten Ausstellung „Faszination Höhle – Mensch – Natur“.

Auch die Schertelshöhle bei Westerheim kann besichtigt werden. In der Höhle, in der einst der „Schwarze Vere“, ein Räuberhauptmann, gehaust haben soll, führen zwei Gänge in verschiedene Richtungen. Zu sehen gibt es viele Tropfsteinformationen mit fantasievollen Namen. Über das so genannte „Kuhloch“ hat die Höhle eine direkte Verbindung zur Außenwelt.

Die Laichinger Tiefenhöhle gilt nicht nur bei Höhlenexperten als etwas ganz Besonderes – nicht zuletzt auch deshalb, weil sie als „Röntgenbild“ der Schwäbischen Alb bezeichnet wird. Über 30.000 Besucher kommen jährlich in die einzig ausgebaute Schachthöhle Deutschlands. Bis auf eine Tiefe von fast 60 Metern kann man hinuntersteigen. Wer den Aufbau und die Geologie der Alb – hier besonders den Wechsel von Gesteinsschichten – hautnah erleben will, der muss allerdings gut zu Fuß sein, denn die zahlreichen Treppen erfordern doch ein wenig Kondition. Wen Dunkelheit und Höhenunterschiede schrecken, der kann sich im höhlenkundlichen Museum am bewirtschafteten Rasthaus an der Höhle umsehen. Tiefenhöhle und Museum bilden ein Informationszentrum zum Thema Karstlandschaft und Höhle.

Im Jahre 1488 von Felix Fabri erstmals erwähnt, gilt die Sontheimer Höhle bei Heroldstatt als älteste Schauhöhle Deutschlands. Ein erster Höhlenplan wurde vom Blaubeurer Prälat Weißensee um 1753 angefertigt. Menschliche Knochenfunde aus dem 6. bis 7. Jahrhundert vor Christi sowie Bestattungsreste aus der Alemannenzeit (3. bis 4. Jahrhundert n. Chr.) weisen auf eine frühe Besiedlung der Höhle hin. Die Höhle wird vom Höhlenverein Sontheim betreut. Ein Rasthaus wird ebenfalls bewirtschaftet.

Weithin bekannt sind Bären- und Karlshöhle, die miteinander verbunden sind, sowie die Nebelhöhle. Der Freizeitpark lockt vor allem Familien mit kleineren Kindern.

Außergewöhnliche kleinere Schauhöhlen sind beispielsweise die Gutenberger Höhlen im Lenninger Tal. Das dortige Heppenloch ist eine der bedeutendsten mitteleiszeitlichen Höhlenfundstellen Europas geworden. Knochenfunde von Nashorn, Löwe, Bär, Wildpferd, Rothund und – einmalig für die Schwäbische Alb – Gibraltaraffe wurden hier entdeckt. Auch der Hohle Fels bei Schelklingen ist durch seine spektakulären Grabungsfunde bekannt geworden, und die Olgahöhle bei Honau ist ein im Tuffstein angelegter Hohlraum.

Zum ganz besonderen Erlebnis dürfte ein Ausflug in die Wimsener Höhle werden. Die Friedrichshöhle – wie sie auch benannt wird – ist nämlich nur mit einem Kahn zu befahren. Der Bootsausflug auf dem unterirdischen Gewässer dauert gut zehn Minuten.

Wer eher in den südlichen Landesteilen auf Höhlentour gehen will, dem seien die Kolbinger Höhle, die Erdmannshöhle bei Hasel und die Tschamberhöhle bei Karsau-Riedmatt empfohlen. Prächtiger Tropfsteinschmuck bestimmt das Bild in der Kolbinger Höhle, während in Erdmanns- und Tschamberhöhle rauschende Bäche die unterirdischen Klüfte durchziehen.

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