Im „Seligengrund“ weist der Höhlenwind den Weg in die Tiefe

SEISSEN. Über die Grabungen der „Arge Blaukarst“ im Gewann „Seligengrund“ bei Seißen (Alb-Donau-Kreis) hat jetzt die Südwest Presse Ulm (SWP) berichtet. Die „Arge Blaukarst“, die zudem in der „Hessenhaudoline“ bei Berghülen und gräbt, ist ein Zusammenschluss von interessierten Höhlenforschern und Mitgliedern verschiedener Höhlenvereine wie „Arbeitsgemeinschaft Höhle und Karst Grabenstetten“, „Freunde der Aachhöhle“, „Höhlenforschungsgruppe Ostalb-Kirchheim“, „Arge Blautopf“, „Höhlen- und Heimatverein Laichingen“ und „Arge Berg Stuttgart“.

Bei einer Geländebegehung an einem warmen Sommertag 2008 fiel Jürgen Bohnert eine Stelle auf neben dem Rad- und Forstweg unterhalb der Kreisstraße 7327, die von der B28 nach Seißen führt. Dort, im Gewann „Seligengrund“, strich ein kühler Wind aus einer Felskluft, schreibt die SWP. „Der Luftzug war deutlich zu spüren“, erinnert sich Bohnert, der auf ähnliche Weise auch auf die Hessenhaudoline bei Berghülen aufmerksam geworden war, wo die „Arge Blaukarst“ schon seit 2006 arbeitet und einen 53 Meter tiefen Schacht gegraben hat, wird Bohnert zitiert. Der Höhlenwind war Grund genug, bei den Behörden auch eine Grabungsgenehmigung für den „Seligengrund“ zu beantragen.

So sind seit November 2008 an Wochenenden häufig mehr als zehn Höhlenforscher mit Grabwerkzeugen im Einsatz, schaffen den Kalkschutt Eimer für Eimer nach oben. Schon vier Bauschuttcontainer wurden gefüllt.
An einer Felswand entlang hatten sich die Forscher in die Tiefe gegraben, schon nach wenigen Metern öffnete sich eine kleine Kammer in Richtung Blaubeuren. Dem Luftzug folgend, wurde aber nicht dort, sondern in Richtung Seißen weitergegraben und der entstehende Schacht mit einem Verbau aus alten Stahl-Leitplanken gesichert, schreibt Joachim Striebel in der SWP. Kürzlich stießen die Forscher, die auch schon etliche Tropfsteine gesehen haben, auf einen natürlichen Schacht, der aber oben so eng ist, dass noch niemand hinabgelassen werden konnte. Weil genau dort der Höhlenwind hinzieht, sind die Forscher guten Mutes, auf dem richtigen Weg zu sein und fiebern der nächsten Grabungsaktion entgegen. Ziel ist, mit Schlagbohrer und Spaltkeilen den Versturz zu beseitigen und tiefer zu kommen, so heißtes in dem SWP-Artikel.

Dass unten etwas Großes sein muss, steht für Bohnert laut SWP allein durch den starken Luftzug fest. Er spricht von einer „thermischen Bewetterung“: Im Winter saugt die Höhle an ihrem niedrigen Eingang kalte Luft an. Diese erwärmt sich innen und verlässt die Höhle an einem höheren Ausgang. Die Grabungsstelle im „Seligengrund“ gilt als „meteotiefer“ Eingang. Obwohl nicht mehr sehr viele Höhenmeter bis zur Albhochfläche fehlen, ist klar, dass es irgendwo weiter oben einen „meteohohen“ Ausgang geben muss. Dieser kann allerdings aus engen Spalten bestehen.

Bohnert und seine Kameraden haben an sehr kalten Tagen eine „ultrastarke Bewetterung“ gemessen, einen einwärts ziehenden Wind mit einer Geschwindigkeit von 1,3 Meter pro Sekunde. Videos über die Windmessungen zeigte Bohnert bereits in einem Video im Vereinsheim der Arge Grabenstetten.

Ob das Loch im „Seligengrund“ einen Weg in das aus Blautopfhöhle und Vetterhöhle bestehende Blauhöhlensystem öffnet, ob es gar einen trockenen Zugang ermöglicht zu den hinteren Abschnitten, die bisher nur für Taucher vom Blautopf aus erreichbar sind, ist offen. „Wir sind relativ weit weg“, meint Bohnert, laut SWP. Ungefähr 600 Meter Luftlinie fehlen zum nächstgelegenen Hohlraum – zumindest nach dem, was bisher bekannt ist, heißt es im Zeitungsbericht.

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