Neue Freizeitaktivitäten bereiten den Höhlenforschern Sorgen

WESTERHEIM / LAICHINGEN Die organisierte Höhlenforschung im Land sorgt sich um das Ökosystem Höhle. Neuartige Freizeitaktivitäten setzen den Biotopen zu, meinen die Höhlenkundler. Der Landesverband schlug jetzt Alarm.

Besorgt registrieren die Höhlenforscher im Land, dass Höhlen auf der Alb und anderswo immer häufiger Ziel neuer Freizeitaktivitäten werden. Die organisierten Höhlenforscher melden sich deshalb zu Wort. Bei einer Vorstandssitzung in Laichingen (Alb-Donau-Kreis) verfassten sie jüngst ein Papier, in dem sie auf die drohenden Gefahren eingehen.

Ein relativ junges Hobby sei das Geocaching, eine moderne Art der Schnitzeljagd, informiert der Landesverband für Höhlen- und Karstforschung Baden-Württemberg (LHK). In den Caches, den Verstecken, werden sogenannte Schätze hinterlegt, die dann von anderen mittels GPS-Ortung gesucht werden müssen (GPS: Global Positioning System). Zur Belohnung darf man etwas aus dem „Schatz“ mitnehmen, vorausgesetzt, man hinterlässt selbst etwas für die Nachfolgenden.

Im Internet sind die Koordinaten der Verstecke aufgelistet, die dann mit Hilfe eines GPS-Empfängers in der Natur aufgesucht werden müssen. Dabei sind Höhlen und Felsen besonders beliebte Verstecke, weiß der Landesvorsitzende der Höhlen- und Karstforscher, Wolfgang Siegel aus Westerheim (Alb-Donau-Kreis). Auf den ersten Blick scheine das nicht schlimm zu sein, aber jeder Besuch einer Höhle bedeute eine Beeinträchtigung des sensiblen Ökosystems, meint Siegel. Besonders schlimm ist, dass Geocaching auch im Winter betrieben wird, wenn viele Höhlen als Aufenthaltsorte und Quartiere von Tierarten genutzt werden, die vom Aussterben bedroht sind. Dazu gehören mehrere Fledermausarten und der Feuersalamander, aber auch Insektenarten, die man ausschließlich in Höhlen vorfindet.

Laut Bundesnaturschutzgesetz ist es verboten, wildlebende Tiere in ihren Quartieren zu stören, informieren die Forscher in einer Pressemitteilung . Werden überwinternde Tiere gestört, sind sie akut bedroht. Denn bei jedem Aufwachen verbrauchen sie einen guten Teil ihrer Energiereserven, es bestehe dann die Gefahr, dass sie die kritische Überwinterungszeit bis zum Frühjahr nicht durchstehen. Von Mitte November bis Mitte April sollten Höhlen deshalb gar nicht betreten werden.

Besorgt zeigen die Höhlenkundler auch über Raubbau in Höhlen. Viele Höhlen haben in ihren Sedimenten wertvolle Zeugnisse erd- und vorgeschichtlicher Art bewahrt, sie sind Archive der Vorzeit. Das Graben in Höhlen und selbst das Durchwühlen von Ablagerungen sei daher verboten, beziehungsweise nach dem Denkmalschutzgesetz strafbar, weil dadurch eventuell vorhandene Kulturschichten oder andere erd- und lebensgeschichtliche Zeugnisse unwiederbringlich zerstört würden.

Zusätzliche Gefahren drohen den Höhlen laut Siegel und seinen Vorstandskollegen von kommerziellen Anbietern, die Motorradtouren einschließlich Höhlenführung und Bereitstellung der Ausrüstung organisieren. Trekkingtouren in Höhlen würden sich zunehmender Beliebtheit erfreuen, manche Anbieter würden sogar einen Winterrabatt gewähren, weil offensichtlich in der kalten Jahreszeit die Geschäfte nicht so einträglich laufen, wissen der Naturschutzreferent des Landesverbandes Frank Schüler (Pfullingen, Kreis Reutlingen) und seine Forscherkollegen. Auch für Kutsch- und Schlittenfahrten sowie für Fackelzüge zu den Höhlen der Schwäbischen Alb wurde nach Informationen des LHK in jüngster Vergangenheit schon fleißig geworben.

Derartige Aktionen seien für funktionierende Ökosysteme, wie es die Höhlen des Landes noch weitgehend sind, nicht förderlich und nicht im Sinne des Naturschutzgedankens. Der Landesverband für Höhlen- und Karstforschung Baden-Württemberg mahnt deshalb alle Höhlenbesucher eindringlich:

„Helfen Sie bitte durch Ihr Verhalten mit, die ‚Welt ohne Licht‘ unversehrt zu erhalten. Sie sind als Gast in ihr willkommen. Erfreuen Sie sich an ihrer Schönheit und Einzigartigkeit, aber schützen Sie die Höhlen und respektieren Sie die Bedürfnisse der Höhlenbewohner. Sprechen Sie bitte auch Leute an, von denen Sie wissen, dass sie den genannten Freizeitvergnügungen nachgehen und fragen Sie sie, ob sie ihr Verhalten nicht überdenken wollen“.

Info

Im Landesverband für Höhlen- und Karstforschung Baden-Württemberg e.V. (LHK) haben sich auf Landesebene die in der Höhlen- und Karstforschung tätigen Vereinigungen zusammengeschlossen, um die Höhlen- und Karstforschung in Verbindung mit dem Natur- und Umweltschutz zu fördern und zu beraten und ihre gemeinsamen Belange in der Öffentlichkeit zu vertreten.

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