Höhlenretter übten am Wochenende in der Falkensteiner Höhle

GRABENSTETTEN / BAD URACH Die Höhlenrettung Baden-Württemberg hat am Wochenende mit einem über 24-stündigen Szenario in und um die Falkensteiner Höhle bei Grabenstetten (Kreis Reutlingen) ihre angekündigte Rettungsübung durchgezogen. Der in Metzingen erscheinende Ermstalbote berichtete am Montag über die Übung.

Ein verunglückter Höhlengänger, eine Höhle, die nicht ohne weiteres  zugänglich ist: Eine Vorstellung, die bei vielen Rettungsorganisationen nicht nur eine gewisse Hilflosigkeit auslöst, sondern gleichzeitig dieSpezialisten der Höhlenrettung Baden-Württemberg auf den Plan ruft, schreibt Jan Zawadil im Ermstalboten.

Die Helfer trafen sich deshalb am Samstag unterhalb der Falkensteiner Höhle, um hier ihr Übungsszenario anlaufen zu lassen. Und das sah vor allem eines vor. Ein Höhlengänger hatte sich im Inneren verletzt und kam allein nicht mehr vorwärts.

Die zunächst geplante Bergung des imaginären Verletzten aus einer Tiefe von 2100 Meter musste am Wochenende allerdings reduziert werden. Zu viel Regen war in den Tagen zuvor vom Himmel gefallen, so dass der ursprüngliche Plan nicht eingehalten werden konnte, heißt es im Ermstalboten.

Trotzdem: Auch die Bergung aus 1200 Meter aus dem Innern der Höhle hatte es für die 35 übenden Mitglieder der Höhlenrettung Baden-Württemberg in sich. Ging es doch darum, den Verletzten möglichst schnell und sicher zu bergen.

Dass in einer Höhle jedoch ganz andere Voraussetzungen gegeben sind, als in anderem Terrain, bestätigte Einsatzleiter Alexander Maier. Denn: „Die Retter benötigen rund anderthalb Stunden bis sie beim Verletzten angekommen sind.“ Wobei das für die Gegebenheiten noch relativ schnell sei.

Insgesamt dauerte die Übung trotzdem gut 24 Stunden. Konnte das Übungsopfer vor Ort doch nicht einfach geschultert und aus der Höhle getragen werden, sondern musste zunächst medizinisch versorgt und transportbereit gemacht werden. Wie schwer die Bergung deshalb sein kann, bestätigte nochmals Maier. Gibt es doch gerade in der Falkensteinerhöhle gefährliche Stellen.

Weitere Herausforderung bei einer derartigen Rettung, bei der gekrochen, getaucht, geschwommen und geklettert werden muss, ist die Versorgung des Opfers und der Helfer beispielsweise mit warmen Getränken. Sind es in der Höhle doch gerade mal frische acht Grad Celsius, die bei einem Verletzten, der sich nicht bewegen kann, schnell zur Unterkühlung führen können.

Mit dem Ausgang der Übung, zu deren Unterstützung auch eine spezielle Telefonanlage für den notwendigen Kontakt der Retter zur Außenwelt verlegt worden war. zeigte sich  Einsatzleiter Alexander Maier laut Ermstalbote letztlich zufrieden. Insgesamt ist der Geschäftsführer der Höhlenrettung Baden-Württemberg außerdem darüber glücklich, dass die Helfer mit Blick auf die Vergangenheit nicht im Dauereinsatz sind. Passiere doch beispielsweise trotz des freien Zugangs zur Falkensteiner Höhle glücklicherweise recht wenig.

Dennoch sind die engagierten Helfer immer wieder gefragt. Und das auch für teils außergewöhnliche Einsätze. So fragte nämlich schon mal die Polizei an, ob die Höhlenretter nicht nach der Beute aus einem Überfall in einem alten Stollen suchen könnten oder ob sie für eine Firma teure und in einem Bohrloch verloren gegangene Bohrköpfe bergen könnten. Trotzdem: „Alles ist nicht leistbar“, sagt Maier. Und so hart das auch klingt: Das könne auch für die Bergung von Menschen gelten, wenn sie beispielsweise derart lebensgefährliche Verletzungen erlitten haben, dass ein Transport aus einer Höhle nicht möglich ist.

Einer, der sich das Spektakel trotz aller Gefahren und Unwegbarkeiten letztlich nicht entgehen lassen wollte, war am Samstag aber auch Grabenstettens Bürgermeister Harald Steidl. Zunächst noch mit Vesperbeutele samt Digitalkamera bewaffnet, wagte sich das Gemeindeoberhaupt ebenfalls im hautengen Neoprenanzug in die Höhle. Manch einer der Höhlenretter scherzte da zwar, dass etwas schief gelaufen sein müsse, wenn es nach der Übung hieße, dass in den nächsten Wochen in Grabenstetten Bürgermeisterwahlen seien. Doch letztlich kam auch Steidl wieder heil aus der Unterwelt, schreibt der Ermstalbote.

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