Bahn lässt große Höhle in Thüringen bei Tunnelbau einfach zubetonieren

ERFURT Aufregung in Thüringen: Beim Bau der Neu- und Ausbaustrecke Nürnberg-Erfurt wurde in der Baustelle Blessbergtunnel eine große Höhle angeschnitten. Die Höhle wurde nach Auskunft des Landesverbandes für Höhlen- und Karstforschung Thüringen zubetoniert.

Im Rahmen des Verkehrsprojektes Deutsche Einheit baut die Bahn AG derzeit im Auftrag der Bundesregierung unter der Bezeichnung VDE Nr. 8.1 die Neu- und Ausbaustrecke Nürnberg-Erfurt. Als Fertigstellungsjahr wird 2016/2017 angegeben. Der Blessbergtunnel ist Teil dieses Projekts, teilt der Landesverband für Höhlen- und Karstforschung Thüringen mit.

Rainer Fohlert, Geschäftsführer des Landesverbandes, informierte in einer Pressemitteilung über den Sachverhalt. Demnach stießen die Bautrupps beim Tunnelvortrieb in Richtung Süden auf etwa 170 Meter ungestörten Kalk des Unteren Muschelkalks. Am Sonntag, dem 30. März war in der Vortriebsrichtung das erste Loch zu sehen, das auf einen Karsthohlraum hindeutete. Es zeigte sich ein den Tunnel von West nach Ost querender Hohlraum, der im Tunnel durch die Sprengung eingebrochen war. Die sichtbare Gesamtlänge betrug etwa 60 Meter. Der östliche Abschnitt war etwa 25 Meter lang, führte aber offensichtlich ebenfalls weiter. Der Westabschnitt der Höhle konnte von Höhlenforschern nach der Sicherung des Eingangs ab Donnerstag, 3. April für kurze Zeit erkundet werden. Innerhalb von drei Stunden wurden etwa 500 Meter Höhle begangen. Die Hohlraumhöhe beträgt etwa 15 Meter, die Breite beträgt etwa drei bis sieben Meter. Von Westen führt ein Höhlenbach etwa zehn bis 20 Liter pro Sekunde Wasser zu, berichtet Fohlert.
Bereits während der Planungsphase für die Trasse hätten die Thüringer Höhlenforscher den Planern Unterlagen zur Verfügung gestellt, die erkennen lassen, dass sich im Umkreis der Trasse Höhlen mit einer Gesamtlänge von über drei Kilometern befinden. Diese Informationen wurden offenbar nicht beachtet, meint Fohlert. Im vorliegenden Fall hätte schneller und besser reagiert werden müssen. Wahrscheinlich wäre dies sogar billiger für die Bahn AG geworden. Die ersten 500 Kubikmeter Beton und ein Teil des Zeitverzugs hätten auf jeden Fall eingespart werden können und der Karstwasserweg wäre noch intakt, hätte man die Hinweise beachtet.
Fohlert wörtlich: „Der Thüringer Höhlenverein e.V. und alle Höhlenforscher Deutschlands erwarten, dass zukünftig bei solchen Bauprojekten:
– Der Karst schon während der Planung auch mit seinen Naturschutzaspekten umfassend beachtet wird.
– Die rechtlichen Vorgaben zum Schutz der Karstwasserwege voll beachtet werden und eine umfassende Risikobewertung erfolgt.
– Bei Antreffen von Karsthöhlen durch Baumaßnahmen die Wahl der Mittel nach einer entsprechenden Erkundung erfolgt.
– Entdeckte Hohlräume darüber hinaus – unter Beachtung der Bauerfordernisse – soweit wie möglich und nötig einer allgemeinen Erforschung zugänglich gemacht werden.
– Bei Bauarbeiten im Karst immer eine ökologische Bauüberwachung erfolgt.

Die Höhlenforscher des Verbandes Deutscher Höhlen- und Karstforscher e.V. und des Thüringer Höhlenverein e.V. bieten dazu Ihre Unterstützung an“.

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