Mammutfigur wird der Öffentlichkeit präsentiert

HEIDENHEIM Einer der bedeutendsten Funde aus der Steinzeit – ein im vergangenen Jahr entdeckte Mammutfigur – wird am 20. und 21. Oktober in Niederstotzingen (Kreis Heidenheim) erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Das meldet die Deutsche Presseagentur (dpa).

Gemütlich hatten es die Steinzeitmenschen in ihren Höhlen am Vogelherd vor 35.000 Jahren wohl nicht. Draußen wehte ein eisiger Wind. Klima und Landschaft haben vermutlich eher an das heutige Sibirien erinnert. Und dennoch, mitten in dieser unwirtlichen Gegend, schafften die ersten modernen Menschen Kunstwerke, die selbst aus heutiger Sicht keineswegs primitiv sind, heißt es in der Meldung von dpa. Die oft nur wenige Zentimeter großen Figuren aus Mammutelfenbein, die hier in den vergangenen Jahrzehnten entdeckt worden waren, zählen zu den ältesten Kunstwerken der Menschheit.

Die nur knapp vier Zentimeter lange und 7,5 Gramm leichte Figur gilt als das älteste vollständig erhaltene plastische Kunstwerk der Menschheitsgeschichte, berichtet dpa. An anderen, ähnlich alten Funden wie einem Wildpferdchen oder einem Löwenmenschen, die ebenfalls in der Region gefunden worden waren, sind etwa die Beinchen abgebrochen. Auch andere Kunstwerke seien meist entlang der konzentrischen Ringe des Elfenbeins gebrochen, wie die Tübinger Archäologen um Nicholas Conard berichten, die das Mammut fanden. „Das Mammut ist einzigartig in seiner schlanken Gestalt, mit dem spitzen Schwanz, den kräftigen Beinen und dem dynamisch geschwungenen Rüssel“, schwärmen laut dpa die Forscher von ihrem Fund.

Diese geschnitzte Mammutfigur aus Elfenstein, gefunden im Grabungsschutt der Vogelherd-Höhle, wird jetzt der Öffentlichkeit präsentiert. FOTO: UNI TÜBINGEN

Auch im Kreis Heidenheim und im Alb-Donau-Kreis, wo viele prähistorische Elfenbein-Miniaturen entdeckt worden sind, sind die Menschen mächtig stolz auf die Funde. „In unseren Höhlen entwickelte sich eine erste Kultur“, sagt nach dem dpa-Bericht der Landrat des Kreises Heidenheim, Hermann Mader. Man könne sogar sagen, dass hier ein „kultureller Urknall der Menschheitsgeschichte“ stattgefunden habe. Zu sehen sind die Kunstwerke bisher allerdings hauptsächlich in größeren Museen gewesen – in Niederstotzingen selbst nie. Jetzt wollen Kreis und Stadt allerdings auch etwas von dem Kuchen abhaben. Zwar sei kein eigenes Museum geplant, aber regelmäßigere Führungen an den Grabungsstätten könne man sich schon vorstellen, sagt Mader.

Die Schnitzereien vom Vogelherd gelten neben anderen aus dem benachbarten Hohlenstein-Stadel im Lonetal (Alb-Donau-Kreis) zu den ältesten der Menschheit. Schon im Herbst 1931 wurden am Vogelherd elf kleine Kunstwerke aus Elfenbein entdeckt, darunter das Wildpferdchen und Mammute. Das Team um Conard hatte 2005 mit erneuten Grabungen begonnen, sie sollen bis 2009 fortgesetzt werden. Ihren spektakulären neuen Fund haben sie eher zufällig im Geröll der Grabungen von 1931 gefunden.

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