Höhlenrettungsübung im Himmelsfelsenschacht bei Eybach

GEISLINGEN. Die Höhlenrettung Baden-Württemberg hat am Wochenende im Himmelsfelsenschacht bei Geislingen-Eybach (Kreis Göppingen) eine Rettungsübung durchgeführt. Im Einsatz waren zwölf Höhlenretter, sie bargen ein „Unfallopfer“ aus etwa 40 Meter Tiefe.

„Ein Wanderer hört Hilferufe aus dem Himmelsfelsenschacht bei  Eybach, klettert nach unten, um nachzuschauen und schafft es selbst nicht  mehr zurück ans Tageslicht“. So lautete die Meldung, die Ausbilder Ingo Bauer  für das Übungsszenario der Höhlenrettung Baden-Württemberg e.V. in der Höhle oberhalb Geislingen-Eybach vorbereitet hatte.

So mussten die zwölf Teilnehmer der Übung am vergangenen Sonntag nicht nur dem „Wanderer“ aus der  Höhle helfen. Zwei Schacht-Etagen tiefer, rund 40 Meter unter dem Eingang,  entdeckte der Erkundungstrupp dann auch denjenigen, von dem die Hilferufe  stammten: Ein abgestürzter Höhlenforscher hatte sich in einer Spalte  verklemmt und sollte gerettet werden. Kein leichtes Unterfangen, zumal die  Untertage-Retter vor dem Transport aus dem Schacht erst eine Beinverletzung  medizinisch zu versorgen hatten.

Die Höhlenrettung Baden-Württemberg e.V. ist neben der Malteser Höhlenrettungsgruppe aus Göppingen eine von zwei Gruppen im Land, die sich auf die Rettung aus Höhlen und unterirdischen Hohlräumen  spezialisiert haben. Wenn das Team zum Einsatz gerufen wird, eilen die  nächstgelegenen Helfer zum Unfallort. Das Rettungsmaterial – Seile, Tragen  und Medizinausrüstung – wird aus den Depots Reutlingen oder  Lenningen-Schopfloch von der Feuerwehr oder der Bergwacht angeliefert.

Rund eine Stunde nach der Alarmierung ist in Eybach die Übung in vollem  Gange. Mit Hilfe von Grubentelefonen ist eine Verbindung nach oben zur  Einsatzleitung hergestellt, erste Meldungen dringen durch: „Verletzter  Höhlenforscher aus Spalte gerettet, Verdacht auf Beinfraktur linker  Unterschenkel, Patient wird zum Tragentransport vorbereitet“, meldet  Telefonist Rafael Grimm an die Einsatzleitung am Höhlenausgang.

In aller Eile werden nun Flaschenzugsysteme im den Schächten installiert.  Die Techniker unter den Höhlenrettern setzen noch die eine oder andere  Verankerung, Seile werden verknotet, Karabiner klicken. Wenige Stunden nach  Beginn der Übung sind alle Zug- und Sicherungssysteme aufgebaut, es kann losgehen. Trotz einer sehr flexiblen und schmalen Trage, gestaltet sich der  Transport besonders im sehr engen oberen Schachtteil als recht schwierig.  „Viele lose Steinbrocken, gerade oben im Eingangsbereich, machen die Sache  sehr gefährlich. Die Mannschaften unten sind dem Steinschlag fast schutzlos  ausgeliefert“, warnt Ingo Bauer. Während im oberen Schacht die Teams noch  schuften, können die anderen unten nur warten. Der Weg nach oben ist noch  nicht freigegeben. „Da fängt man schon mal an zu frieren“, weiß Höhlenretter Michael Hottinger. Während draußen die Sonne scheint, ist  es unten „im  Loch“ gerade mal neun Grad „warm“. Bei längeren Einsätzen werden daher alle,  Retter und Opfer, mit warmem Tee und Suppe versorgt.

Am späten Nachmittag, nach rund vier Stunden schwerster Arbeit, haben die Untertage-Retter es dann geschafft. Der  Patient ist geborgen, Material und Personal sind heil aus dem Schacht. Der  „hilfreiche Wanderer“ kann den Schacht mit Unterstützung selbst verlassen.  Und besonders wichtig für die Moral der Gruppe: Ausbilder Ingo Bauer ist im  Großen und Ganzen zufrieden mit der Aktion.

Autor: Alexander Maier

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