Forscher wollen von oben in die Blauhöhle vorstoßen

Die Hessenhauhöhle

BERGHÜLEN  Forscher der „Arge Blaukarst“ berichteten jetzt in einem öffentlichen Vortrag in Berghülen (Alb-Donau-Kreis) über die Grabungen in der Hessenhaudoline. Joachim Striebel von der Südwest Presse Ulm berichtete von dieser Veranstaltung.

Die in Ulm und Laichingen erscheinende Südwest Presse (SWP) schrieb zu dieser Veranstaltung:

„Im Wassereinzugsgebiet des Blautopfs, das bis nach Zainingen reicht, gab es früher schätzungsweise 2000 Dolinen. Von diesen trichterförmigen Vertiefungen im Kalkstein sind heute noch 590 bekannt. Die Hälfte davon wurde aufgefüllt, etwa mit Lesesteinen vom Acker. Schon vor der Entdeckung der großen Hallen in der Blauhöhle und der Blaubeurer Vetterhöhle haben Höhlenforscher immer wieder versucht, über Dolinen in das darunter vermutete Höhlensystem zu gelangen. Zum Beispiel im Sontheimer Schacht, wo mühsam Steine herausgeholt wurden. Doch nach 40 Metern war Schluss.

Besonders interessant sind für die Forscher Dolinen mit ‚Bewetterung‘, also mit einem Luftzug. Unter Leitung von Dr. Jürgen Bohnert wurden im Jahr 2005 Erdfälle und Dolinen im Einzugsgebiet des Blautopfs systematisch kartiert. Im Staatswald ‚Buch‘, zwei Kilometer südlich von Berghülen, fiel ein Loch auf, in dessen Umgebung der Schnee schmolz. Die Forscher zeigten am Freitagabend in der Berghüler Auhalle einen Film von den ersten Messungen der Luftbewegungen an der Hessenhaudoline.

Während die Vetterhöhle im Winter kalte Luft von außen ansaugt und im Sommer kühle Luft nach außen abgibt, ist die Sache bei der Hessenhaudoline komplizierter. Wie Norbert Neuser von der ‚Arge Blaukarst‘ den rund 300 Besuchern in der Auhalle in Berghülen erklärte, dreht sich der Luftzug oft innerhalb weniger Minuten. ‚Diesen pulsierenden Zyklus haben wir auf der Alb noch nirgends beobachtet‘, sagte Neuser. Durch Messungen haben die Forscher festgestellt, dass in der Hessenhaudoline nicht nur die ‚thermische Bewetterung‘ als Folge von Temperaturunterschieden, sondern auch die „barometrische Bewetterung“ eine große Rolle spielt. Das bedeutet, dass die Höhle auf Luftdruckschwankungen reagiert. Beim Sturmtief ‚Kyrill‘ wurde ein extremes Ausströmen von Luft aufgezeichnet. Folgerung der Forscher: Unter der Doline muss sich ein riesiger Hohlraum befinden.

Mit dem Hohlraum ist nicht die ‚I-Punkt-Halle‘ gemeint, in welche sich Mitglieder der ‚Arge Blaukarst‘ am 30. Dezember 2006 zwängten, nachdem der mit Leitplanken gesicherte Schacht bei dreißig Metern Tiefe angelangt war. Es muss darunter größere Hohlräume geben. In der 50 Quadratmeter großen ‚I-Punkt-Halle‘ zeigen sich zwar Fortsetzungen, doch sie enden im Versturz. Der Luftzug weist den Weg nach unten. So werden die Forscher im Hauptschacht weitergraben.

‚Die Entdeckungen in der Blauhöhle und in der Vetterhöhle treiben uns an‘, sagte Richard Frank von der ‚Arge Blaukarst‘ im Vortrag. Klar ist, dass die Forscher nicht direkt auf die von Tauchern der ‚Arge Blautopf‘ entdeckte Riesenhalle ‚Apokalypse‘ stoßen werden, denn die ist rund einen Kilometer von der Doline entfernt. Aber vielleicht erreichen sie einen neuen Gang oder eine neue Halle. Dass zwischen dem Karstwasserniveau des Blautopfs und dem bisher tiefsten Punkt der Hessenhaudoline ein Höhenunterschied von 160 Metern liegt, entmutigt die Experten nicht. Denn diese Höhe kann schnell überwunden sein. Die ‚Apokalypse‘ ist 60 Meter hoch, zudem führen Schlote weiter nach oben.

Der Berghüler Bürgermeister Bernd Mangold hatte bei der Begrüßung die Vision des stellvertretenden Blaubeurer Bürgermeisters Erich Straub aufgegriffen, eines Tages mit dem Aufzug von der Oberfläche aus indie Wunderwelt der Blauhöhle hinabfahren zu können. Angesichts der erfolgreichen Grabung in der Hessehaudoline werde solch ein Aufzug vielleicht nicht auf Blaubeurer, sondern auf Berghüler Gemarkung gebaut.“

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