Neanderthaler länger da als bislang vermutet?

NEW YORK / GIBRALTAR Die Neanderthaler haben wahrscheinlich einige tausend Jahre länger ihren Platz in der Geschichte behauptet als bislang vermutet. Neue Forschungen legen nahe, dass kleine Gruppen des Homo neanderthalensis – wahrscheinlich einer Nebenlinie in der Entwicklung des Homo sapiens – noch vor mindestens 28.000 Jahren in einer großen Höhle an der Südspitze der iberischen Halbinsel ausharrten, die heute in Gibraltar liegt. Dies melden die Nachrichtenagenturen AP und dpa.

Laut dieser Meldungen hat Clive Finlayson vom Gibraltar-Museum diese Ergebnisse am Mittwoch zusammen mit Forschungskollegen in der Internet-Ausgabe der Fachzeitschrift „Nature“ vorgestellt. „Vielleicht sind dies die letzten“, soll Finlayson laut Agenturmeldung zu seinen Forschungsarbeiten über die Neanderthaler-Siedlung gesagt haben. Chemische Untersuchungen der Kohle in Feuerstätten der Gorham-Höhle ergaben ein Alter von 28.000 bis 24.000 Jahren. Bislang wurde angenommen, dass die Neanderthaler vor 30.000 Jahren in Europa verschwunden – so alt sind die bislang jüngsten Funde. Die ältesten europäischen Neandertaler-Funde sind etwa 130.000 Jahre alt.

Seinen Namen erhielt der vorzeitliche Jäger von einer Region bei Mettmann in Nordrhein-Westfalen, die nach dem Kirchenlieddichter Joachim Neander benannt ist. Dort fanden Steinbrucharbeiter im August 1856 die Reste eines Neanderthaler-Skeletts.

Die Wissenschaft ist schon lange faszizinert von der Frage nach den letzten Tagen der Neanderthaler. Der moderne Mensch entwickelte sich in Afrika und gelangte vor etwa 40.000 bis 50.000 Jahren nach Europa. Waren die Neanderthaler der Konkurrenz nicht gewachsen, wurden sie von Krankheiten dezimiert oder machte ihnen ein Klimawandel zu schaffen? Zumindest in der Höhle in Gibraltar gibt es keine Hinweise darauf, dass sich die beiden Gruppen begegnet sein könnten. Die jüngsten Spuren der Neanderthaler seien von den ältesten Spuren des modernen Menschen mehr als 5000 Jahre voneinander getrennt, erklärt Finlayson laut Agenturmeldung.

Weitere Info:

http://www.gib.gi/museum/gorham’s%20cave.htm

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