Faszinierende Bilder aus der Vetterhöhle

BLAUBEUREN (ra) Die Arbeitsgemeinschaft Höhle und Karst Grabenstetten hat am Freitagabend auf der Sommerbühne in Blaubeuren gut 400 Gäste begeistert. Gezeigt wurden faszinierende Aufnahmen aus der Vetterhöhle bei Blaubeuren,  die möglicherweise zum „trockenen Weg“ in die Blauhöhle werden könnte. Beim Vortrag von Markus Boldt, der  die Grabungsgeschichte und dann erstmals öffentlich Bilder aus der „Herbert-Griesinger-Halle“ und aus dem „Palast der  Winde“ vorstellte, brandete spontan Beifall auf.

Es war ein langer und harter Weg zu dem Erfolg, den sich jetzt das Grabungsteam um Markus und Petra Boldt, Fritz Mammel und  Robert Eckart ans Revers heften dürfen. Die vierjährige Grabungsgeschichte erlebten rund 400 Zuschauer auf der Sommerbühne in Blaubeuren am Freitagabend mit. Dass dabei ein Gewitterguss nach den anderen über die Gäste hereinprasselte tat der Veranstaltung keinerlei Abbruch, es vermittelte eher das Gefühl „live“ in den mächtigen Höhlenhallen der Vetterhöhle dabei zu sein.

Zunächst demonstrierten die Arge-Mitglieder den tapfer in Regenkleidung ausharrenden Gästen auf der Tribüne, was es bedeutet, teilweise dolomitisierten Kalkstein mit Bohrer und Keilen zu zerkleinern. Danach stellte Markus Boldt die vierjährige Forschungsgeschichte der Vetterhöhle vor, wobei deutlich zum Ausdruck kam, mit welchen Unwegsamkeiten das engagierte Grabungsteam zu kämpfen hatte und welcher Aufwand betrieben werden musste, um schließlich an das Ziel zu gelangen, was erhofft worden war. Immer wieder waren es starke Luftströmungen und so genannter Knöpchensinter, die den Forschern den Weg ins Reich der „schönen Lau“ wiesen.

Eine Tropfsteinformation, die bei ein klein wenig Fantasie dann tatsächlich ein Abbild der „schönen Lau“ bilden könnte, steht dann tatsächlich in 37 Meter Tiefe über dem schmalen Eingangschluf zur so genannten „Herbert Griesinger- Halle“. die erst am 1. Mai dieses Jahres entdeckt wurde und mit  fast 20 Metern Länge, einer durchschnittlichen Breite von 15 Metern und einer Höhe von bis zu 15 Metern schon ein mächtiger Hohlraum ist, der laut Markus Boldt eigentlich in dieser Tiefe noch nicht erwartet wurde. Ein kurzer Film, in dem die Mächtigkeit und Schönheiten dieser Halle – mit entsprechender Musik untermalt gelungen – vermittelt wurden, veranlassten das Blaubeurer Publikum zu spontanem Beifall.

Der Höhepunkt des Abends dann bei den Bildern aus dem „Palast der Winde“: Markus Boldt hatte zuvor detailliert in Wort und Bild die Entdeckung des Zugungs zu dieser noch dreimal größeren Halle erläutert, um dann mit seinen Fotos das zu belegen, was seit rund zwei Wochen nicht nur die Blaubeurer Bevölkerung, sondern auch die Medien im Lande  beeindruckt hat.  Unglaubliche Ausmaße: Der „Palast der Winde“  hat teilweise schöne Sinterformationen an Wänden und Boden, ist aber ähnlich wie die „Herbert-Griesinger-Halle“  sehr stark verstürzt. Allein ein Versturzblock hat die Maße fünf mal sechs mal acht Meter. „Wirklich gigantisch was sich hier vor rund 10.000 Jahren abgespielt haben muss“, ist Markus Boldt beeindruckt. Durch diesen starken Verbruch liegt die Halle auch sozusagen schräg im umgebenen Gestein. Vom Eingang bis zum Ende bewegt man sich fast 16 Meter hoch. Wenn man das in Relation zum Eingangsschacht setzt liegt der oberste Punkt des „Palast der Winde“ nur 17 Meter tief, erklärte er seinen Zuhörern. Da aber der Hang am Eingangsschacht zur Vetterhöhle ziemlich steil nach oben führe, sei die Überdeckung doch relativ hoch.

Die Arge Grabenstetten hofft nun, nachdem die  neuentdeckte Halle, die vermutlich zusammen mit der „Herbert-Griesinger-Halle“ einst eine einzige Halle gebildet hat, den weiteren Weg in die Blauhöhle zu finden, zumal die Kluftrichtungen in der Vetterhöhle und in der Blauhöhle übereinstimmen.  Die an der Höhlenforschung interessierten Besucher der Sommerbühne in Blaubeuren dürfte also in den kommenden Wochen und Monaten weiterhin Spannendes erwarten.

Autor: Michael Rahnefeld

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