Fundlandschaften um Blaubeuren sollen Weltkulturerbe werden

BLAUBEUREN Professor Nicholas Conard, der Leiter der archäologischen Grabungen im Aachtal, wünscht sich politische Unterstützung für die Aufnahme der Fundlandschaft in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes. Das hat er bei einer Höhlentour des Kreistags betont, meldet die Südwest Presse-Publikation „Blaumännle“.

Der Kreistag des Alb-Donau-Kreises hat am Montag bei hochsommerlichen Temperaturen zwei urgeschichtliche Fundstätten im Aachtal besichtigt, heißt es in dem Bericht von Joachim Striebel. Professor Nicholas Conard führte die Politiker ins schattige Geißenklösterle bei Weiler und in den kühlen Hohlen Fels bei Schelklingen.

Die Funde aus dem Geißenklösterle und dem Hohlen Fels haben weltweite Bedeutung. In der Heimat wird dies jedoch oft nicht erkannt. Das war ein Grund für Landrat Heinz Seiffert, den Kreistag zu der Höhlentour zu bitten. Professor Dr. Nicholas Conard von der Uni Tübingen erläuterte den Besuchern „die einmalige Fundlandschaft“ im Aachtal. Es gibt keinen anderen Ort auf der Erde, wo ältere Musikinstrumente gefunden wurden, sagte Conard im Geißenklösterle. Dort wurden 35.000 Jahre alte Flöten ausgegraben. In der Höhle wird derzeit nicht gegraben, die Archäologen sind noch damit beschäftigt, alte Funde auszuwerten. Die bedeutenden Gegenstände werden oft erst lange nach der Ausgrabung entdeckt, wenn sie aus vielen Einzelteilen zur ursprünglichen Form zusammengesetzt werden, heißt es in der Zeitung „Blaumännle“.

Im Hohlen Fels läuft, wie seit Jahren, eine Grabungskampagne. Von Mai/Juni bis September/Oktober ist eine internationale Grabungsmannschaft im Einsatz. Conard zeigte den Kreisräten eine eben erst ausgegrabene Spitze aus Mammut-Knochen. Momentan graben die Archäologen in einer 60.000 bis 70.000 Jahre alten Schicht. Aus dem Hohlen Fels stammt die älteste Vogeldarstellung der Welt, die rund 35.000 Jahre alt ist, und der ebenso alte „kleine Löwenmensch“.

In den Höhlen im Alb-Donau-Kreis gebe es „gute Erhaltungsbedingungen“ für die Überreste der Vorfahren. Dem Aach- und Lonetal komme eine besondere Bedeutung zu, da dort die weltweit ältesten Belege für Musik und Kunstgegenstände gefunden wurden, so der Wissenschaftler laut „Blaumännle“.

Conard warb um Unterstützung für die Aufnahme der Fundlandschaften des Alb-Donau-Kreises in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes. Er könne die wissenschaftlichen Fakten liefern, die politische Unterstützung müsse aber aus der Region kommen. Nur in Zusammenarbeit sei es möglich, etwas zu erreichen.

Momentan ist der Alb-Donau-Kreis laut Zeitungsbericht bei der Unesco in der Warteschleife. Conard hofft, dass die Fundlandschaft einmal so bekannt wird, „dass Leute aus aller Welt hinreisen“. Nicholas Conard hat die Vision, in Blaubeuren ein großes zentrales Museum für die Region zu bauen und „Zwergmuseen“ als Außenstellen im Aachtal und im Lonetal einzurichten.

Bisher werden noch kleinere Brötchen gebacken. Für die Grabungen im Aachtal gibt der Alb-Donau-Kreis jährlich 35.000 Euro aus den Kulturmitteln der Oberschwäbischen Elektrizitätswerke (OEW). Der gleiche Betrag kommt vom Landesdenkmalamt. Die Grabung im Hohlen Fels wird zusätzlich mit 15.000 Euro jährlich von Heidelberg Cement gefördert. Nun läuft nach fünf Jahren die Unterstützung der OEW aus. Und die Komplementärförderung des Denkmalamts fließt nur dann weiter, wenn auch die Mittel des Kreises bestehen bleiben, heißt es in dem Zeitungsbeitrag.

Wie Landrat Heinz Seiffert am Rande der Besichtigung sagte, will der Alb-Donau-Kreis die Mittel erneut bei der OEW beantragen. Er ist guter Dinge. „Wir haben Kunst und Kultur, die es in anderen Landkreisen nicht gibt“, sagte Seiffert. Conard meinte: „Mit bescheidenen Mitteln wird hier sehr viel bewegt.“

Zum Schluss besichtigte der Kreistag das Urgeschichtliche Museum in Blaubeuren mit seiner Galerie „40tausend Jahre Kunst“. Stefanie Kölbl erklärte, dass das Blaubeurer Museum bis zu 25.000 Besucher jährlich zähle. Zum Vergleich: 80 Prozent der Museen in Deutschland haben unter 20.000 Besucher.

Blaubeurens Bürgermeister Jörg Seibold berichtete von der Gründung der Stiftung fürs Museum. Die Stadt Blaubeuren schieße pro Jahr 220.000 Euro zu. „Ein gut investiertes Geld“, meinte Seibold. Er dankte dem Kreistag für das Interesse an den Fundstätten und am Museum. Die Archäologie mit ihren bedeutenden Funden sei nicht nur für Blaubeuren wichtig, sie habe Bedeutung für die ganze Region.

Autor: Joachim Striebel

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