In Israel und Algerien älteste Schmuckstücke der Welt gefunden

TEL AVIV Rund 100.000 Jahre alte Schneckenhäuser mit gebohrten Löchern in der Mitte sind die ältesten bislang entdeckten Schmuckstücke der Welt. Sie stammen aus Ausgrabungsstätten in Israel und Algerien, meldet die Deutsche Presseagentur (dpa) mit Berufung auf ein internationales Team das im US-Wissenschaftsjournal „Science“ publiziert hat (Bd. 312, S. 1785).

Menschen in Afrika hätten „modernes Verhalten recht früh entwickelt“, meint demnach Ko-Autor Francesco d’Errico vom Institut für Vorgeschichte und Geologie des Quartärs in Talence (Frankreich) „Diese Menschen waren vermutlich nicht nur biologisch modern, sondern auch kulturell und kognitiv modern, zumindest bis zu einem bestimmten Grad.“ Unklar ist noch die Funktion der Schneckenhäuser. Sie könnten auch als Geschenk gedient haben, um soziale oder wirtschaftliche Beziehungen zu stärken, sagt laut dpa Marian Vanhaeren vom University College London.

Bis vor wenigen Jahren waren Wissenschaftler davon ausgegangen, dass die ersten Anzeichen moderner menschlicher Kultur vor etwa 40.000 Jahren auftauchten, als moderne Menschen nach in Europa wanderten, heißt es in der Agenturmeldung. Die Höhlenmalereien, Musikinstrumente, Schmuck und andere Kunstwerke aus dieser Zeitperiode zeigen, dass Menschen damals zu symbolischem Denken fähig waren.

Dasselbe Forscherteam hatte jedoch bereits 2004 in einer südafrikanischen Höhle die weltweit bis dahin ältesten Schmuckstücke entdeckt. Die 75.000 Jahre alten, mit Resten von Ockerfarbe bedeckten durchbohrten Schneckenhäuser stammten aus der afrikanischen Mittelsteinzeit und waren offensichtlich Teil einer Halskette.

Bei Suchen in Museumsbeständen fanden die Forscher laut dpa dann die drei Schneckenhäuser, die aus Ausgrabungen in Skhul in Israel und aus Oued Dschebbana in Algerien aus den 1930er und 1940er Jahren stammen. Sie ähnelten den in der südafrikanischen Höhle gefundenen Schmuckteilen und seien auf ähnliche Weise durchbohrt worden, schreibt das Team. Da die Fundorte in Israel und Algerien recht weit vom Mittelmeer entfernt liegen, gehen die Forscher davon aus, dass die Menschen die Häuser der Meeresschnecken absichtlich dorthin brachten, um Schmuckstücke daraus zu fertigen.

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