Familientreffen der Urmenschen in Bonn

METTMANN / BONN Startschuss für das Neandertaler-Jahr: Drei Ausstellungen, viele Bücher und ein wissenschaftlicher Kongress erinnern in den kommenden Wochen an die Entdeckung des Urmenschen vor 150 Jahren östlich von Düsseldorf. Der Skelettfund vom August 1856 im Neandertal zähle „unbestritten zu den wichtigsten Ereignissen der Wissenschaftsgeschichte schlechthin“, sagte laut einer dpa-Meldung der auch für Archäologie zuständige Bauminister Nordrhein-Westfalens, Oliver Wittke (CDU), am Mittwoch zur Eröffnung des Jubiläumsjahrs am historischen Fundplatz nahe Mettmann.

Die christliche Schöpfungsgeschichte war damit „von jetzt auf gleich nichts mehr als eine Parabel“, betonte der Minister, laut dpa. Der Fund des Neandertaler-Fossils habe der Vorgeschichtsforschung, der
Anthropologie und auch der Theologie wesentliche neue Anstöße gegeben, sagte Wittke bei der Präsentation des Bandes „Neandertaler + Co.“, der das Jubiläumsjahr begleiten soll.

Höhepunkt des Ausstellungsprogramms wird nach der Meldung der Deutschen Presseagentur die Präsentation „Roots – Wurzeln der Menschheit“ als bisher größtes „Familientreffen“ der
Urmenschen vom 8. Juli bis 19. November im Bonner Landesmuseum sein. Bisher lägen schon über 40 Leih-Zusagen für Fossilien aus der Entstehung des Menschen vor, sagte Ausstellungsorganisator Michael Schmauder. Ältestes Objekt sei der Kiefernknochen eines 3,7 Millionen
alten Australopithecus afarensis, eines Zeitgenossen von „Lucy“.

Zu den Höhepunkten in Bonn gehöre weiterhin ein 24.500 Jahre altes Kinderskelett aus Portugal, das überraschend anatomische Merkmale des Neandertalers wie auch des heutigen Menschen aufweise. Ein rund 40.000 Jahre altes Stück Schwefelkies, das in Bonn zu sehen sein wird, gehörte nach Angaben des Experten als ältestes bekanntes Feuerzeug der Welt wohl einem Neandertaler. In Bonn werden im Juni rund 200 Wissenschaftler aus aller Welt über den betagten „Jubilar“ und dessen Bedeutung für die Evolution diskutieren.

Das Bild des Neandertalers vom dumpfen Keulenschwingers will vom 4. Mai an eine wissenschaftliche Ausstellung „Hautnah“ im Neanderthal-Museum mit jüngsten Rekonstruktionen des Urmenschen
korrigieren, meldet dpa. Rund 300 Exponate aus den Museen der Welt erwartet die Ausstellung „Klima und Mensch“ in Herne. Das Westfälische Archäologie-Museum dokumentiert vom 30. Mai an in der bisher größten Ausstellung dieser Art den globalen Klimawandel seit Urzeiten.

www.neanderthalerundco.de

Kommentare sind hier nicht möglich