Grabungsteam in der Vetterhöhle stößt auf eine Halle

BLAUBEUREN Die Grabungsmannschaft der Vetterhöhle bei Blaubeuren (Alb-Donau-Kreis) ist in 30 Metern Tiefe auf eine größere Halle gestoßen. Sie ist gefüllt mit einem Schuttkegel, durch den kalte Luft nach unten zieht. „Da muss was Größeres sein“, sind die Forscher überzeugt. Die Spur zur Blauhöhle wird immer heißer, schreibt die Südwest Presse Ulm (SWP) in ihrer Ausgabe vom Mittwoch, 15. März.

Unter den Füßen der Höhlenforscher, die sich wie die Maulwürfe 30 Meter in die Tiefe gegraben hatten, öffnete sich plötzlich eine 50 auf 10 Zentimeter große Ritze. „Wir blickten mehrere Meter weit ins Schwarze“, berichtet Grabungsleiter Markus Boldt. Die Forscher seilten sich an und erweiterten den Spalt, bis Andreas Scheurer als erster durch das enge Loch nach unten gelassen wurde. Er fand Halt auf einem Schuttkegel und konnte auf der Schräge noch rund sieben Meter weiter ins Neuland vordringen. Doch dann endete die Kammer an unberührten Tropfsteinwänden. Der bisher tiefste Punkt der Blaubeurer Vetterhöhle, in der die Arbeitsgemeinschaft Höhle und Karst Grabenstetten seit drei Jahren gräbt, liegt 33 Meter unter der Erdoberfläche, heißt es in dem SWP-Beitrag von Joachim Striebel.

Dass es noch weiter nach unten geht, ist sicher. Versuche mit Rauchpatronen zeigten, dass der lockere Schutt die von oben kommende kalte Winterluft verschluckt. Die Forscher maßen eine enorme Windgeschwindigkeit von 2,2 Metern pro Sekunde. „Der Luftzug ist dort unten deutlich zu spüren“, sagt Udo Wieczorek, ein Mitglied des Grabungsteams. „Diese Luftbewegung ist für die Schwäbische Alb unnormal“, meint sein Kollege Fritz Mammel. Nicht einmal in Durchgangshöhlen ziehe es so stark. Der Schluss ist für die Forscher klar: Es muss eine Verbindung zu tiefer liegenden, lufterfüllten Hallen geben. Vielleicht nicht unbedingt zum Hauptgang der Blauhöhle mit den bisher bekannten Räumen Wolkenhalle, Mörikedom, Mittelschiff, Äonendom und Otrivienhalle, aber zu anderen Hallen.
Sicher ist, dass es jetzt höhenmäßig bis zum Karstwasserspiegel des Blautopfs nicht mehr weit ist. Zwischen dem bisher tiefsten Punkt der Vetterhöhle und dem Wasserspiegel liegen nur noch 30 Meter. Nicht ausgeschlossen, dass eines Tages Taucher durch die Vetterhöhle ins System der Blauhöhle einsteigen werden. Die Forscher rechnen aber auch damit, dass oberhalb des Wasserspiegels Gänge von der neuen Halle abgehen werden.

Die Entdeckung der glockenförmigen Höhlenhalle, deren Größe wegen der Verfüllung mit Kalkschutt noch nicht abgeschätzt werden kann, hat das Forscherteam um Markus und Petra Boldt beflügelt. „Die Motivation ist größer denn je“, sagt Petra Boldt, die stellvertretende Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Höhle und Karst Grabenstetten. So haben am Samstag zehn Personen geholfen. Die Grabung geht jetzt langsamer voran, denn der mächtige Schuttkegel muss Eimer für Eimer entfernt werden. Teils mit Seilwinde, teils mit Muskelkraft werden die gefüllten Behälter durch den bergmännisch gesicherten Schacht nach oben gezogen, wo am Eingang schon gut 40 Kubikmeter Kalkschutt lagern.

Das Vetterhöhlen-Team hofft auf weitere Überraschungen in Form von Hohlräumen, die nicht erst von Schutt befreit werden müssen. In der jetzt entdeckten Halle gab es wenigstens im oberen Bereich leere Kammern. Markus Boldt: „Wir bekamen einige Meter geschenkt.“

Autor des Beitrags: Joachim Striebel, Südwest Presse Ulm

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