Info-Zentrum zum Lonetal bei Lindenau

LINDENAU Zur „Höhle des Löwenmenschen“ soll bis Ende April 2006 die Mönchsklause beim Ausflugslokal „Lindenau“ bei Rammingen (Kreis Heidenheim) umgestaltet werden. Touristen können sich dann dort über das frühe Kunstwerk informieren und zu einem Ausflug zum nahe gelegenen Fundort angeregt werden. Dies berichtet die Südwest Presse Ulm in ihrer Freitagsausgabe.

Kaum beachtet wird der kleine holzverkleidete Anbau an der Ausflugsgaststätte in Lindenau bei Rammingen, die „Mönchsklause“. Das wird sich bald ändern, denn sie wird zu einem Informationszentrum umgestaltet, das Touristen über die Bedeutung der nur wenige hundert Meter entfernten Höhle, den Hohlenstein mit dem Hohlensteinstadel, informiert. Dort wurde der legendäre und in der ganzen Welt bekannte Löwenmensch gefunden. Er ist wie die Tierfiguren, die in weiteren Lonetal-Höhlen entdeckt wurden, etwa 35.000 Jahre alt und bildet mit ihnen die älteste Skulpturenkunst in Europa.

Blick aus dem Hohensteinstadel. FOTO: MICHAEL RAHNEFELD

Die Mönchsklause soll wie eine Höhle ausgekleidet werden. In eingelassenen Vitrinen werden Schaustücke und Informationen ausgestellt sein. Der Hingucker soll ein nachgebildeter Mammut-Stoßzahn sein, aus diesem Material besteht der Löwenmensch. Die Ideen für das Informationszentrum stammen vor allem von Jürgen Werner, einem Studienrat, der in Asselfingen wohnte und sich seit Jahren intensiv mit den Funden im Lonetal beschäftigt. Mit im Boot sind Kurt Wehrberger vom Ulmer Museum und Hannes Wiedmann von der Museumspädagogik sowie der Lonetal-Museumsverein mit seinem Vorsitzenden Albrecht Braun. Der Verein zählt 70 Mitglieder, darunter zahlreiche Kommunen der Region. Das Projekt wird gefördert und ausgearbeitet als EU-Leader plus-Projekt der Aktionsgruppe Brenzregion unter Schirmherrschaft des Heidenheimer Landrats Hermann Mader.

Nach dem Info-Center, das in Giengen-Hürben entstanden ist, wird Lindenau das zweite Projekt dieser Art sein, das auf die Bedeutung der Funde im Lonetal hinweist. „Ziel ist, das Thema mit dem Ulmer Museum seriös anzugehen, es nicht nach rein touristisch-kommerziellen Gesichtspunkten auszuschlachten“, erklärt Albrecht Braun beim Treffen der Aktionsgruppe Brenzregion in Lindenau. Mit Wissenschaftlern vom Ulmer Museum und Vertretern von Leader plus setzen sich die Bürgermeister der Mitgliedsgemeinden regelmäßig an einen Tisch, um ein Gesamtkonzept zur Aufbereitung des Lonetals für den Tourismus zu finden. Hintergrund für den Kreis Heidenheim ist die Landesgartenschau 2006. „Dort erwarten wir eine Million Menschen; denen möchten wir etwas mitgeben, damit sie wieder kommen“, erklärt Landrat Mader.

Auch dass das gut 50.000 Euro teure Projekt in Lindenau finanziell von den Gemeinden Rammingen, Asselfingen, vom Museumsverein und einem Zuschuss von Leader plus getragen wird – mit einem Sponsor wird noch verhandelt -, zeugt von Gemeinsinn. „Wir müssen uns neben der Aufbereitung für den Tourismus vor allem darum bemühen, den Menschen vor Ort zu verdeutlichen, welche enormen historischen Werte sie vor der Haustür haben“, sagt Asselfingens Bürgermeister Armin Bollinger. Dass unlängst in einer Veröffentlichung der Zeitschrift „Stern“ unter den 13 wichtigsten Funden der Geschichte der Löwenmensch aus Asselfingen genannt war, habe auch ihm erst die Bedeutung bewusst gemacht.

Ebenso bedeutend und alt wie der Löwenmensch sind ein Dutzend kleiner Tierfiguren, die in der Vogelherdhöhle bei Stetten ob Lontal gefunden wurden. Landrat Mader informierte, dass die Ausgrabungen dort fortgesetzt werden sollen. Die Auswertung des Materials, das vor wenigen Monaten unter Federführung des archäologischen Instituts der Universität Tübingen abgetragen wurde, lasse interessante Ergebnisse erwarten. Der Landkreis Heidenheim plant, bei der Höhle ein Freilichtmuseum zu errichten, das als drittes Informationszentrum unter dem Titel „Die Mammutjäger vom Lonetal“ ein touristischer Anziehungspunkt werden soll. Bis zur Landesausstellung in Stuttgart 2009 über die Eiszeitkunst in Baden-Württemberg soll das Projekt stehen. Auf die Höhle an sich soll schon bald ein Schild an der A 7-Ausfahrt Niederstotzingen aufmerksam machen.

Auftritt bei der CMT

Der Alb-Donau-Kreis habe sich vor allem um das lückenlose Radwegenetz von Lonsee bis Niederstotzingen bemüht, erinnerte Theodor Nusser, Geschäftsführer des Verwaltungsverbands Langenau. Und er ist stolz auf das Internetportal Lonetal, auf das 2005 rund 100.000 Nutzer zugegriffen hatten. Neue Lonetal-Broschüren und Karten, die Radwege, Themen- und Erlebnispfade ausweisen, sind fertig oder noch im Druck. Sowohl Langenau als auch Heidenheim werden auf der Stuttgarter Urlaubsmesse CMT vom 14. bis 22. Januar vertreten sein.

Die kreisübergreifende Vernetzung hat eine Fortsetzung in einem länderübergreifenden Projekt, erklärt Josefine Bauer, Leiterin der Leader plus-Geschäftsstelle der Aktionsgruppe Brenzregion in Heidenheim. Die älteste Skulpturkunst im Lonetal und die älteste Gemäldekunst in Höhlen in den französischen Pyrenäen haben unter dem Begriff „Das Aurignacien und die Anfänge der Kunst in Europa“ zusammen gefunden. Hierzu sind Broschüren und Veröffentlichungen geplant. Bei der Landesgartenschau 2006 in Heidenheim soll das Projekt präsentiert werden.

INFO

Weitere Informationen rund um das Lonetal mit seinen historischen Funden, Radwegen und Attraktionen gibt es im Lonetal-Internetportal unter www.lonetal.net

Autorin: Heike Schneider

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