Den Brunnenschnecken auf der Spur

BLAUBEUREN Ein Team aus Tauchern der Arge Blautopf, Wissenschaftlern der Uni Stuttgart und des Naturkundemuseums in Stuttgart darf sich über große Erfolge bei der Erforschung der Brunnenschnecken freuen.

Das Forschungsteam ist den nur wenige Millimeter großen Süßwasserschnecken in der Wulfbachquellhöhle bei Mühlheim an der Donau und im Blautopf bei Blaubeuren auf der Spur. Jetzt stellen die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Datz (Die Aquarien- und Terrarienzeitschrift, Heft 04/05) ihre Ergebnisse vor. Der siebenseitige, farbig bebilderte Beitrag ist gleichzeitig Titelgeschichte des Blattes. Autoren des wissenschaftlichen Beitrags sind Franz Brümmer, Gerhard Falkner, Hans-Jörg Niederhöfer, Michael Schopper und Rainer Straub.

Wie seriöse Höhlenforschung – auch im Blautopf – eigentlich aussehen sollte, das beweisen jetzt die Forscher der Arge Blautopf, der Uni Stuttgart und des Stuttgarter Naturkundemuseums. Mit gemeinsam formulierten Forschungszielen und je nach Kompetenzbereich abgesteckten Aufgabengebieten gehen sie nicht nur in der Wulfbachquellhöhle bei Mühlheim an der Donau, sondern auch im Blautopf den Brunnenschnecken „auf den Grund“. Brunnenschnecken, so ist dem Beitrag zu entnehmen, gibt es in Mitteleuropa und in den Balkanstaaten. Ihr Lebensraum sind nicht nur Höhlen- und Spaltengewässer, sondern auch das Grundwasser in den Schiotterablagerungen der Flüsse. Da dieser Lebensraum nicht direkt zugänglich ist, würden sie vor allem in Brunnen – daher der Namen – gefunden. Der wissenschaftliche Gattungsname dieser Schnecken ist Bythiospeum und wurde vom Franzosen Jules-René  Bourguignat im Jahre 1882 vergeben.

Der Tübinger Paläontologe Friedrich August Quenstedt hat solche lebenden Schnecken bereits 1864 in der Falkensteiner Höhle bei Urach gefunden. Trotzdem haben Biologen noch nicht all zu viele Kenntnisse über diese Tiere. „Den vagen Kenntnisstand über die tatsächlichen Arten (Biospezies) möchte die Arbeitsgruppe aus Wissenschaftlern und Tauchern nun beheben“, heißt es in dem Fachzeitschriften-Beitrag.

Die Entdeckung von Brunnenschnecken im Blautopf wird gar als kleine Sensation gewertet, weil sie an den Seitenwänden selbst in starken Strömungsbereichen der bis zu 45 Meter tiefen Quellhöhle angetroffen werden. „Das ist ein bisher völlig unbekannter Lebensraum für subterrane Schnecken“, heißt es in dem Artikel, Weiter verweisen die Forscher darauf, dass die aus dem Blautopf stammenden Tiere im Aquarium mehr Schleimfäden produzieren als ihre Artgenossen aus anderen Höhlen. Ob diese Schnecken einen Hinweis darauf geben können, ob zwischen dem Blautopf und der in Luftlinie 80 Kilometer entfernten Wulfbachquellhöhle eine einheitliche Donauform vorliege, könne aber noch nicht gesagt werden, heißt es.

Autor: Michael Rahnefeld

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