Hirn vom Umfang einer Grapefruit

DENVER Nur 90 Zentimeter groß, mit einem Hirn vom Umfang einer Grapefruit – das ist der Homo Floresiensis, der vor rund 95.000 bis 12.000 Jahren auf der indonesischen Insel Flores lebte. Forscher entdeckten dort jüngst Knochen von bis zu sieben Vetretern dieses mutmaßlichen Vorläufers des modernen Menschen, wie laut Nachrichtenagentur AP das issenschaftsmagazin „Nature“ berichtet.

Allerdings sei unter Experten ein Streit entbrannt, ob die zwergwüchsigen Kreaturen überhaupt zur menschlichen Gattung gezählt werden sollen, heißt es in der AP-Meldung. In seinem bisherigen Leben sei dies der „bedeutendste Fund hinsichtlich unserer eigenen Gattung“, würdigt der Anthropologe Bernhard Wood von der George-Washington-Universität die Entdeckung seiner Kollegen auf Flores. Ein australisch-indonesisches Team fand die Überreste eines weiblichen Homo Floresiensis vor rund einem Jahr in einer Höhle namens Liang Bua. Die Zwergenfrau lebte ihren
Schätzungen zufolge vor 18.000 Jahren.

Auch Knochen weiterer Flores-Menschen wurden entdeckt, berichtet die Agentur, ihr Alter schätzen die Fachleute auf gut 10.000 bis fast 100.000 Jahre. Demnach könne es sich bei dem 18.000 Jahre alten Skelett nicht nur um eine Art Laune der Natur handeln, sagt Radiokarbon-Experte Richard Roberts von der Universität Wollongong in Australien, ein Mitglied des Forscherteams.

Weitere Funde weisen den Forschern zufolge darauf hin, dass der Flores-Mensch Steinwerkzeuge nutzte, Feuer machte und in Gruppen jagte. Ob sich die Wege des Homo Floresiensis je mit denen der modernen Menschen kreuzten, ist ungewiss. Vermutlich besiegelte ein massiver Vulkanausbruch vor 12.000 Jahren sein Schicksal.

Die Entdeckung des Flores-Menschen erschüttert die Annahme, dass der Homo Sapiens vor rund 160.000 Jahren die anderen aufrecht laufenden Geschöpfe zu verdrängen begann und die Erde seit zehntausenden Jahren allein beherrschte. Einige Wissenschaftler haben jedoch bereits Zweifel angemeldet, ob der Flores-Mensch überhaupt in die Homo-Gattung einzustufen sei. „Es gibt keinen biologischen Grund, ihn Homo zu nennen“, sagt der Anthropologe Jeffery Schwartz von der Universität Pittsburgh. „Wir müssen weiter überlegen.“ Der Flores-Mensch wäre die achte bekannte Spezies in der Gattung Mensch, heißt es in der Meldung.

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