Höhlenbärenfunde aus dem Sibyllenloch 40.000 Jahre alt

Dieser gewaltige Bärenschädel, der in der Sonderausstellung 2002 gezeigt wurde, lässt auf die Größe des Höhlebären schließen. Foto: Michael Rahnefeld

KIRCHHEIM/Teck (ra) Jetzt steht es fest: Die Knochen der Höhlenbären aus dem Sibyllenloch sind 40.000 Jahre alt. Der Wissenschaftler Wilfried Rosendahl berichtete am Freitag in Kirchheim erstmals öffentlich über seine Datierungsergebnisse.

Nicht wie bisher von Wissenschaftlern diskutiert älter als 130.000 Jahre, sondern nur 40.000 Jahre alt sind die Knochenfunde vom Höhlenbären aus der Sibyllenhöhle unter der Teck. Der Höhlenforscher und Geoarchäologe Wilfried Rosendahl von den Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen, gleichzeitig Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Höhle und Karst Grabenstetten, hatte eine Probe des Knochenmaterials nach der Radio-Karbon-Methode (C-14-Methode) analysieren lassen und aus den Halbwertzeiten des Zerfalls von Kohlenstoff 14 errechnet, dass die Bären in der letzten Eiszeit gelebt haben müssen. Jetzt nannte er diese Erkenntnisse erstmals öffentlich.

Die Idee zur Datierung der Knochenfunde, die Großteils im Städtischen Museum Kirchheim/Teck zu sehen sind, war im Herbst 2002 nach dem 8. Internationalen Höhlenbären-Symposium in Kirchheim geboren worden. Damals gab’s im Museum auch eine vielbeachtete Sonderausstellung „Im Reich der Dunkelheit“ zu Höhlen und Höhlenforschung.

Rosendahl hatte damals versprochen, über die Datierungsergebnisse in Kirchheim zu berichten. Jetzt machte er dies wahr. Rund 70 Besucher waren am Freitagabend ins Städtische Museum ins Kornhaus gekommen, wo sie von Museumsleiter Rainer Laskowski zum Vortrag „Bärige Geschichten aus der Eiszeit – Forschungen in den Höhlenfundstellen der Kirchheimer Alb“ begrüßt wurden.

Mit aufschlussreichen Dias führte Rosendahl, der dieser Tage erst mit neuen Erkenntnissen zum Höhlenlöwen international Aufmerksamkeit erregt hatte (wir berichteten), seine Zuhörer zunächst zu den Ursprüngen der schwäbischen Höhlenforschung mit ihrem Begründer Pfarrer Karl Gussmann zurück. Gleich darauf ging er auf die weltweit bedeutenden Funde in den Gutenberger Höhlen und im Sibyllenloch ein. Sie beweisen, dass in früher Vorzeit Affen, Wollnashörner, Löwen, Mammut und Rothunde über die Alb streiften. Schon in der Wende zum 20. Jahrhundert sind diese Funde geborgen worden, ein Teil davon war lange Zeit in einem kleinen Höhlenmuseum in Gutenberg gezeigt worden. Von diesem Museum sucht Wissenschaftler Rosendahl noch dringend ein Foto. Nach Auflösung des Schwäbischen Höhlenvereins im Jahre 1909 kamen die Funde nach Kirchheim, hier sind sie im Städtischen Museum zu sehen.

Rosendahl erzählte in seinen „bärigen Geschichten“ den Zuhörern, was den Höhlenbär vom Braunbär unterscheidet, wo und wie er in Europa gelebt hat, wo man heute noch seine Spuren findet und welche Ausmaße dieser Pflanzenfresser hatte. Eben weil er sich nur von Pflanzen ernährte, ist er im Gegensatz zum Braubären in der Endphase der letzten Eiszeit ausgestorben, erklärte Rosendahl in seinem für jeden Laien verständlichen Vortrag.

Museumsleiter Rainer Laskowski hofft nun, dass Wilfried Rosendahl und die Arge Grabenstetten dem Museum weiterhin behilflich sind, mit weiteren Forschungen auch der Museumsarbeit dienen und an einer Umgestaltung der höhlenkundliche Abteilung mitwirken.

Autor: Michael Rahnefeld

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