Der Löwenmensch ist wirklich ein Löwenmensch

Dass vor 40.000 Jahren noch Löwen über die Alb streiften, ist hinlänglich bekannt. Jetzt gelang Forschern aber der Erstnachweis, dass es eine besondere Löwenart war.

RAUM GEISLINGEN Gut 32.000 Jahre alt ist er, der „Löwenmensch“, der 1939 im Hohlenstein-Stadel im Lonetal gefunden wurde und eines der ältesten Kunstwerke der Menschheit ist. Zu bewundern ist er im Ulmer Museum. Sozusagen sein „kleiner Bruder“ wurde im letzten Jahr bei Grabungen im Hohlen Fels in Schelklingen gefunden. Immer wieder zweifelten die Wissenschaftler, ob bei diesen figürlichen Tiernachbildungen tatsächlich ein Löwe die Vorlage war – oder vielleicht doch eher ein Tiger?

Nach Ansicht des Geoarchäologen Wilfried Rosendahl vom Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museum ist diese Frage nun gelöst. Zusammen mit dem Biologen Joachim Burger und dem Zoologen Helmut Hemmer – beide von der Uni Mainz – haben die Wissenschaftler mit einem Team weltweit erstmals Erbmaterial des Höhlenlöwen nachgewiesen. Dazu wurden bis zu 47.000 Jahre alten Löwenknochen, die bei Siegsdorf im Chiemgau und bei Kufstein gefunden wurden, kleine Proben zur DNA-Analyse (Desoxyribonukleinsäure) entnommen. Damit lässt sich Erbmaterial sehr genau bestimmen.

Rosendahl, der auch als Höhlenforscher auf der Alb aktiv ist, und seine Wissenschaftskollegen zeigten zudem auf, dass der europäische Höhlenlöwe, der vor rund 10.000 Jahren zum Ende der letzten Eiszeit ausgestorben ist, nicht mehr viel mit dem heute bekannten Löwen gemein hat. Die Linien der Löwen aus Asien, Afrika und Europa trennten sich vor rund 600.000 Jahren zu eigenständigen Linien. „Bezüglich seiner Stellung zu den heute noch lebenden Löwenarten ist der Höhlenlöwe eine Unterart“, sagt Rosendahl. „Die neueren Forschungen konnten endlich auch zeigen, dass der Höhlenlöwe kein Tiger war, wie einige Wissenschaftler immer wieder vermutet haben“. Der namensgebende Fund des Höhlenlöwen (Panthera leo spelaea), so informiert der Experte weiter, stammt aus der Zoolithenhöhle in der Fränkischen Alb. Die Erstbeschreibung erfolgte 1810, seither gibt es auch die Diskussion um Löwe oder Tiger. Aber die Kunstfigur müsse nun nicht in Tigermensch umbenannt werden, meint Rosendahl. Ihre Ergebnisse haben die Forscher erst dieser Tage in einer internationalen Wissenschaftszeitschrift publiziert.

Auch auf der Alb wurden in der Vergangenheit immer wieder Knochen vom Löwen gefunden, so beispielsweise in der Sybillenhöhle an der Teck, in der Gutenberger Höhle (Lenninger Tal) und in der Aufhausener Höhle. In der mittlerweile nicht mehr zugänglichen Höhle im Geislinger Stadtbezirk wurden sogar überaus bedeutende Knochenfunde gemacht.

Autor: Michael Rahnefeld; GEISLINGER ZEITUNG 22. 03. 2004

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