Ein Stück Böttinger Marmor in Buchform

BÖTTINGEN / GRABENSTETTEN. Ein Stück Böttinger Marmor in Buchform, das bietet seit wenigen Tagen die Arbeitsgemeinschaft Höhle und Karst Grabenstetten an. Die Höhlenforscher stellten jetzt ihre neueste Publikation vor: ein 56-seitiges Heft mit über 60 Abbildungen, das umfassend über den bunten Fels aus heißen Quellen informiert.

Seit etlichen Jahren ist die Arbeitsgemeinschaft Höhle und Karst Grabenstetten in Böttingen ansässig, ihr Vereinsheim ist das ehemalige Betriebsgebäude des Böttinger Marmorsteinbruchs, der längst als bedeutendes Geotop unter Schutz gestellt ist. Was liegt da für einen höhlenkundlichen Verein näher, als sich nicht mit diesem geologischen Kleinod intensiv auseinanderzusetzen. Bei jährlichen Steinbruchfesten haben die Höhlenforscher immer wieder interessierte Besucher über die Besonderheiten des Böttinger Marmors informiert, jetzt haben sie in Zusammenarbeit mit dem Staatsanzeiger-Verlag Stuttgart das 6. Grabenstetter höhlenkundliche Heft ganz diesem geologischen Phänomen gewidmet.

Übersichtliche Farb-Grafiken und Abbildungen machen die Texte noch verständlicher.

Der Böttinger Marmor – Bunter Fels aus heißen Quellen ist das Büchlein überschrieben, das unter Regie des Geo-Wissenschaftlers Dr. Wilfried Rosendahl von einem fachkundigen Autoren-Team verfasst worden ist. Der Böttinger Marmor ist ein außergewöhnliches Beispiel dafür, dass ein Gestein sowohl naturhistorisch wie kulturhistorisch bis in unsere heutige Zeit von besonderer Bedeutung sein kann, schreibt Dr. Bernhard Stribrny, Präsident des geologischen Landesamtes, in einem Grußwort zu dem Heft. Die Entstehung des rötlich gefärbten Steines vor 14 Millionen Jahren  bedingt durch vulkanische Aktivitäten in der Region zwischen Schopfloch (Randecker Maar) und Böttingen wird in der Broschüre genauso verständlich und ausführlich dargestellt wie seine Erscheinungsformen und die weitere Landschaftsgeschichte des Böttinger Maares. Die Autoren, zumeist Geo-Wissenschaftler, beschreiben erläutern die Fossilfunde an Pflanzen und Tieren sowie ihre Bedeutung für die Forschung. Denn gerade diese Funde haben in Wissenschaftskreisen schon in den 30-er Jahren bekannt gemacht. Ausführlich beschrieben werden zudem die 200-jährige Geschichte des Marmorabbaus und die Verwendung des edlen Gesteins, das beispielsweise zur Ausschmückung des Neuen Schlosses in Stuttgart (Marmorsaal) genutzt wurde, aber auch zur Herstellung von kunstgewerblichen Gegenständen wie beispielsweise Vasen oder Kaminuhren. Dass es sich bei dem rotgebänderten Gestein wissenschaftlich gesehen gar nicht um Marmor handelt, sondern um Quellkalke, wie sie beispielsweise von den Thermalquellen im tschechischen Karlsbad abgeschieden werden, erfährt der Leser genauso wie die Tatsache, dass es im Schwarzwald-Baar-Kreis bei Blumberg vergleichbare Thermalwasserablagerungen gibt. Man spricht dort vom Riedöschinger Travertin.
Das Heft enthält einen Aufsatz von Dr. Andreas Megerle und Walburg Speidel über den Geropark Schwäbische Alb sowie Museums- und Wanderhinweise in engem Zusammenhang mit der Thematik. Zahlreiche Info-Adresse sowie ein ausführliches Schriftenverzeichnis runden das reich bebilderte Heft ab.
Text/Fotos: Michael Rahnefeld

INFO

Der Böttinger Marmor Bunter Fels aus heißen Quellen; Grabenstetter höhlenkundliche Hefte, Nr. 6, 56 Seiten, 64 überwiegend farbige Abbildungen; ISSN 1437-9805; ISBN 3-929981-48-3, Staatsanzeiger-Verlag Stuttgart. Zu beziehen zum Preis von 6 Euro plus Versandkosten über die ARGE Höhle & Karst Grabenstetten e.V., Uracher Straße 30, 72582 Grabenstetten (<info at arge-grabenstetten.de>)

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