Höhlen in Baden-Württemberg
[von Saskia Bartmann & Robert Winkler]
Dieser Artikel ist 2004 im "Klassenfahrt-Magazin" erschienen. Die Original-Version mit allen Abbildungen und Hinweisen zu den Autoren ist auf dieser Web Seite als PDF verfügbar: Download (478 kB)
In Baden-Württemberg sind 40 Prozent der Landesfläche verkarstet, d.h. die Entwässerung erfolgt hauptsächlich unterirdisch. Daraus ergeben sich typische Geländeformationen wie Trockentäler und Dolinen (Erdfälle). Besonders geheimnisvoll und faszinierend sind aber zweifellos die Höhlen, von denen auch einige als Schauhöhlen erschlossen sind.
Der Untergrund der Karstgebiete in Baden-Württemberg besteht aus Kalkgestein. Dieser wurde schon vor Jahrmillionen am Meeresgrund abgelagert und verfestigt. Bei der Alpenentstehung schoben sich gewaltige Gesteinspakete über den süddeutschen Raum und drückten die Schichten in die Tiefe. Durch die gleiche Bewegung wurde das nördlicher gelegene Land angehoben, welches verstärkt der Erosion ausgesetzt war. Diese gewaltige Kippbewegung ist verantwortlich für das Herauspräparieren des s. g. schwäbischen Schichtstufenlandes. Von Nordwesten nach Südosten durchquert man in Baden-Württemberg fast das komplette Erdmittelalter vom Buntsandstein der Trias (Odenwald)
bis zum Oberjura (Donaugebiet).
Es gibt im Wesentlichen zwei große Karstgebiete in Baden- Württemberg, das Muschelkalkgebiet und die schwäbische Alb. Während der Kalk der schwäbischen Alb aus der Jurazeit stammt, ist der Muschelkalk bereits aus der Trias. Unterschiedliche Ablagerungsbedingungen und Landschaftsentwicklungen führten zu zwei ganz verschiedenen Karstgebieten mit ganz eigenem Charakter.
Ausugsziele
In diesem Abschnitt werden beispielhaft einige Ausflugsziele der schwäbischen Alb beschrieben.
Mit diesen Anregungen lassen sich, mit Hilfe der genannten Literatur, aber eine Vielzahl von Ausflügen - auch im Rahmen von Projekten - gestalten.
Zahlreiche Schauhöhlen auf der schwäbischen Alb laden zu einem Besuch ein. Oft lässt sich der Besuch von Schauhöhlen noch mit anderen Zielen kombinieren. Beispielsweise befindet sich in Laichingen direkt bei der Tiefenhöhle auch ein neu eingerichtetes höhlenkundliches Museum, welches die Tätigkeit eines Höhlenforschers anschaulich nahe bringt. Verbindet man diesen Besuch noch mit dem ebenfalls dort startenden karstkundlichen Wanderweg muss man schon einen ganzen Tag einplanen.
In Blaubeuren befindet sich mit dem Blautopf nicht nur eine der größten Karstquellen Süddeutschlands. Durch die Sage von der schönen Lau ist dieser Quelltopf auch überregional bekannt. In der hinter dem Quelltopf liegenden Unterwasserhöhle erforschen die Höhlentaucher auch heute noch Neuland. In Blaubeuren befindet sich auch das urgeschichtliche Museum, in dem vorwiegend Funde der steinzeitlichen Höhlenbewohner vorgestellt werden.
Es lohnt sich auch, einige dieser Höhlen (Hohler Stein, Sirgensteinhöhle, Brillenhöhle) auf einer kleinen Wanderung von Schelklingen nach Blaubeuren anzuschauen. Hier ist allerdings in der Regel eine Voranmeldung erforderlich. Es gibt aber auch zwei Rundwanderwege (7 und 6 km), die zu wichtigen urgeschichtlichen Fundstellen um Blaubeuren führen.
Der Rulamanweg bei Hohenwittlingen führt auf ganz praktische Weise an das Leben der Steinzeitmenschen heran. Auf dem 500 m langen Lehrpfad findet sich auch eine Steinschmiede, wo man selbst Werkzeuge der damaligen Zeit herstellen kann und eine Truhe (deren Schlüssel in der Jugendherberge Bad Urach erhältlich ist), in der Pyrit, Feuersteine und Zunderschwamm zum steinzeitlichen Feuerschlagen bereitliegen. Folgt man dem Weg weiter, gelangt man zur sagenhaften „Tulkahöhle“ des „Rulaman“ (nach dem Jugendroman von David Friedrich Weinland). Diese Höhle ist frei zugänglich, aber nicht als Schauhöhle ausgebaut. Eine Begehung mit Schülern erfordert daher Erfahrung und die richtige Ausrüstung. Zumindest sollte vorher mit den örtlichen Höhlenvereinen Kontakt aufgenommen werden. In kleinen Gruppen und richtig ausgerüstet - mit Lampe und Helm - ist aber eine Begehung dieser Höhle ein ganz besonderes Erlebnis!
Soll es ausschließlich um das Leben der Steinzeitmenschen gehen, kann das Federseemuseum bei Biberach als Adresse genannt werden, wo es auch verschiedene Aktionen zum Mitmachen und Mitbauen gibt.
Auch nicht weit von Bad Urach entfernt liegt der Uracher Wasserfall. Verknüpft mit einer kleinen Wanderung ist der Uracher Wasserfall auch gut mit Bus und Bahn zu erreichen. Die mächtige Kalktuffbarre über die der Wasserfall zu Tal stürzt geht auf das überaus harte Wasser zurück. Hier lässt sich eine chemische oder biologische Wasseranalyse perfekt mit einem wunderschönen Ausflug kombinieren. Das gefasste Bachbett in der Nähe der Quelle eignet sich auch gut für Fließgeschwindigkeitsmessungen.
Auch das Randecker Maar, ein ehemaliger vulkanischer Sprengtrichter ist ein schönes Ausflugsziel. In der benachbarten Maarstube der Ziegelhütte werden Funde aus den Sedimenten eines Sees, der sich
dort gebildet hatte, gezeigt. Verbunden mit einem Besuch im Naturschutzzentrum Schopfloch kann man viel über den Albvulkanismus und typische Lebensräume der schwäbischen Alb erfahren. Außerdem liegen in unmittelbarer Nachbarschaft die Gutenberger Höhlen (Gutenberger Höhle und Gussmannshöhle).
Weltberühmt sind die Funde aus Holzmaden. Ein Besuch im Urwelt-Museum Hauff lässt sich z.B. verknüpfen mit dem nahe gelegenen Steinbruch Fischer (Voranmeldung erforderlich), in dem man gegen geringes Entgelt selber nach Fossilien suchen kann.
Interessante Infos zu Höhlen und Höhlenbegehungen gibt es ebenfalls unter:
www.lhk-bw.de (Landesverband für Höhlen- und Karstforschung Baden-Württemberg)
www.lhk-jugendgruppe.de (Jugendgruppe des Landesverbandes)
Literaturtipps:
Hans Binder (1995): Höhlen der schwäbischen Alb, DRW-Verlag, Leinfelden-Echterdingen
Thomas Huth (2002): Erlebnis Geologie-Streifzüge über und unter Tage, Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg, Freiburg im Breisgau
[Stand: 12/2004]
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