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Totes Gebirge: Eine Zusammenfassung der bisherigen Forschungen [von Robert Winkler]

Das Jahresheft 1997/98 der Arge Grabenstetten
Seite 118-120 / Grabenstetten 1998


Nachdem bereits in mehreren Artikeln über mehrere Begebenheiten ausschweifend berichtet wurde, soll hier einmal in aller Kürze und Knappheit ein Überblick über die bisherigen Erfolgserlebnisse und Forschungsaktivitäten am Schwarzmooskogel gegeben werden:

Entdeckung des Schwabenschachtes: Fred Vischer und Sohn Anfang der 80er Jahre.
Die Weiterforschung wird hauptsächlich von Klaus Gebhard und Manfred Schwaiger betrieben. Bis Pfingsten 1992 wächst unter starker Mitwirkung von Jürgen und Markus Bölzle die vermessene Gesamtlänge des Schwabenschachtes auf ca. 2 km an.

Im Sommer '92 lassen sich Thilo und ich zum ersten Mal von den Lockrufen unserer altaktiven Höhlenforscher ins Tote Gebirge lotsen. Neben spontaner Begeisterung und ekstatischer Befahrungswut werden auch gleich neue Gänge (Predigtstuhlschacht, Wo dr Bartl dr Moscht holt) entdeckt und vermessen. Gesamtlänge ca. 2,3 km.

1993: Nach anfänglich guten Kontakten zu dem Verein für Höhlenkunde in Obersteier kommt es leider zu Mißverständnissen. Unser Wunsch, mit einer möglichst großen internationalen Gruppe dort weiterzuforschen weckt die Befürchtung, wir könnten in mehrere unübersichtliche Einzelgruppen zerfallen ohne systematisch zu arbeiten. Aufgrund dieser Überlegungen wird uns die inoffizielle Erlaubnis, im Freien zu zelten, entzogen. Für die Forschung selber bekommen wir nach einigen klärenden Gesprächen - allerdings erst 2 Wochen vor dem Forschungstermin - grünes Licht.

Nichtsdestotrotz finden sich immerhin 10 Höhlenforscher für eine intensive Woche ein. Als Stützpunkt dient die Loserhütte.
Beteiligt waren: Stefan Allich, Nils Bräunig, Michael Brucklacher, Bernd Feile, Dirk Riemann, Jens Römer, Manfred Schwaiger, Markus Scheuermann, Alexander Wöhrle und Robert Winkler.
Eine kleine Nachtour mit dem Team: Klaus Gebhard, Thilo Müller, Manfred Schwaiger und Robert Winkler im August und vor allem im Regen dient vor allem diversen Materialbergungen.
Gesamtlänge zu diesem Zeitpunkt: ca. 3,3 km. Die neuaufgenommenen Strecken sind im wesentlichen der Highway der Legionäre, der Spaziergang, der Negschd-mol-Meander und der Leopardencanyon.

1994: Um näher am Geschehen zu sein, ohne aber draußen zu zelten, entschließen wir uns zu einem Biwak in der Höhle. Eine Woche lang gilt es, den harten alpinen Höhlenbedingungen bei 2°C zu trotzen (und ohne Fußballweltmeisterschaftsergebnisse auszukommen). Fazit: Die Forschung ist effektiv, Schlafsäcke und andere Dinge in ihrer Entwicklung noch nicht voll ausgereift.
Dabei waren: Nils Bräunig, Florian Gruner, Thilo Müller, Dirk Riemann, Jens Römer, Markus Scheuermann und Robert Winkler
Neue vermessene Gesamtlänge: ca. 4,5 km. Es kommen hinzu: Der Galaktische Gang, weitere Strecken im Highway der Legionäre, die Alles-Käse-Rampe, einige Seitengänge des Spaziergangs und einige Rampen nördlich vom schwarzen Dom (in denen sich auch die schöne Tropfsteinformation des Perfect Pair findet).

1995: Wieder soll es eine Woche unter Tage gehen. Aufgrund der neuen Gangstrecken im Spaziergang und der Entdeckung des Galaktischen Gangs wird das Biwak in den Spaziergang (Müllers Büro) verlegt. Die Teilnehmer sind in diesem Jahr: Frauke Gehrig, Florian Gruner, Andreas Jakob, Regina Kaiser, Thilo Müller, Dirk Riemann, Kai Schwekendiek, Thomas Weiblen und Robert Winkler.
Die neue vermessene Ganglänge liegt bei ca. 5,7 km. Neu hinzukommen: Ein kleiner Seitengang mit einer beachtlichen Sinterfahne (Elfenschleier), der Abstieg über den Riesenschacht Ygramuls Abgrund bis hin zum Grand Canyon, ein kleiner Seitengang (Die kleine Tierschau) mit einem bis heute nicht identifizierten Tierchen und der Standardmeander.

1996: Inzwischen haben wir uns wieder soweit in Bad Mitterndorf etabliert, daß wir ein internes O.K. für ein Außenbiwak bekommen haben. Thilo und ich sind auch inzwischen Mitglied im dortigen Höhlenverein.
Zum ersten Mal versuchen wir uns dieses Jahr an einer (fünftägigen) Vortour, bei der folgende Personen mitmachen: Michael Brucklacher, Uwe Dünkel, Thilo Müller, Gosia und Jens Römer, Kai Schwekendiek, Thomas Weiblen und Robert Winkler. Bei dieser Tour wird der Verbindungsgang zur Stellerweghöhle entdeckt (siehe Extrabericht von Gosia Römer).
Bei der Hauptforschungswoche im Sommer gibt es dieses Mal mehrere Gruppen. Ein Teil der Mannschaft schläft in der Loserhütte, ein Teil auf dem Loserparkplatz bei und in den Autos und ein paar Unentwegte, die wieder das Höhlenbiwak in Müllers Büro beziehen. Diese Konstellation bringt allerdings Abspracheschwierigkeiten mit sich, die Koordination ist gelinde gesagt etwas aufwendig.
Dennoch funktioniert die Selbstorganisation in den Einzelgruppen ganz gut. Die Verbindung von Stellerweghöhle und Schwabenschacht wird durch die Neuvermessung auch der bekannten Strecken in der Nachbarhöhle offiziell. Die praktisch neu ins Leben gerufene selbst konstituierte Außenmannschaft, deren Kern Michael Brucklacher und Richard Geserer bilden, bekommt immer mehr an Gewicht, da es zunehmend interessanter wird, auch Kenntnisse über weitere Eingänge an der Oberfläche zu haben.
Dabei waren: Markus Bölzle, Nils Bräunig, Michael Brucklacher, Richard Geserer, Florian Gruner, Andreas Jakob, Manfred Jakob, Regina Kaiser, Thilo Müller, Jens Römer, Kai Schwekendiek und Robert Winkler.
Die von uns vermessene Gesamtlänge von Schwabenschacht und Stellerweghöhle beträgt zusammen etwa 7,2 km (die Grenze zwischen Schwabenschacht und Stellerweghöhle wurde erst im folgenden Jahr festgesetzt). Hinzu kamen im Schwabenschacht der Rausch der Tiefe, eine Meanderstrecke im Schnapsgang, Dinner for two (4 2), eine kurze Strecke in den nassen Schächten (bei der aber der bis heute gültige tiefste Punkt der Höhle bei -311m erreicht wird). Außer der Verbindungsstrecke zur Stellerweghöhle kommt ein 80m Schacht in die Augsburger Halle hinzu, ein längerer Seitengang und die Strecke vom Nebeneingang der Stellerweghöhle (Kat. Nr. 142) zur Verbindungshalle.

1997: Immer mehr Leute werden von der Faszination des stetig wachsenden Großhöhlensystems angezogen. Wieder gibt es eine Vortour, die eine volle Woche andauert. Dabei sind dieses Mal: Michael Brucklacher, Richard Geserer, Regina Kaiser, Mark Morgan, Thilo Müller, Thomas Stolz, Paul Medhurst und Robert Winkler. Dabei werden einige Seitengänge zwischen dem 142er-Eingang der Stellerweghöhle und der Verbindungshalle, die Strecke von dort zum Megaloschlinger und die Big Chamber vermessen. Der Haupteingang in die Stellerweghöhle ist zwar gefunden worden, aber noch zu stark vereist, um ihn zu befahren.
Die Haupttour zieht sich diesmal über 3 Wochen hin. Die ersten Tage sind von Dauerregen geprägt (siehe Extrabericht). Aber dank allergrößter Motivation wird an allen Ecken und Enden der Stellerweghöhle mit Hochdruck weiter geforscht. Am Ende der Saison sind die Daten der Engländer fast komplett überarbeitet und jede Menge neuer Gänge und Fortsetzungen in Bearbeitung.
Mitgemacht haben: Stefan Allich, Carmen Zeller, Markus Bölzle, Nils Bräunig, Daniela ?, Michael Brucklacher, Robert Dzanic, Robert Eckardt, Richard Geserer, Florian Gruner, Jörg Haußmann, Andreas Jakob, Dominik Jauch, Regina Kaiser, Thilo Müller, Peter Otto, Kai Schwekendiek, Markus Scheuermann und Robert Winkler.
Die vermessene Länge des Gesamtsystems beläuft sich hiermit auf ca. 10,8 km. Ein gewaltiger Sprung in der bisherigen Forschungschronik.
Hinzu kommen Extrablatt, Din-Rampe, Edelmeander, Rondoschock, Black & White, Bonsaigang, Richie-Meander, Quickierampe, Bus-Rampe und Zustieg zum 100m Schacht.
Eine Nachtour im September von Robert Eckardt, Jörg Haußmann, Regina Kaiser und Thilo Müller bereichert die Stellerweghöhle um die Plattenrampe.

1998: Wieder gibt es eine einwöchige Vortour an Pfingsten statt. Immer noch gilt die Hauptforschungsarbeit der Erstellung eines Grobgerüstes unter Einbeziehung der von den Engländern erforschten Gänge (eine Arbeitsweise, die eigentlich nicht ganz unserem bisherigen Stil entspricht).
Diverse Tiefenvorstöße im sogenannten “100m-Schacht” bringen uns gedanklich langsam in die Nähe der Schnellzughöhle. Eine Verbindung ist zwar bereits bekannt, aber noch unvermessen. In den oberen Bereichen der Stellerweghöhle werden ein paar wenige Fragezeichen näher untersucht und mit reichhaltigem Neuland belohnt.
Dabei waren in dieser Woche: Markus Bölzle, Robert Eckardt, Gaspard Magarinos, Florian Gruner, Regina Kaiser, Mark Morgan, Thilo Müller, Jens Römer, Kai Schwekendiek, Robert Winkler und Katarzyna Zenker.
Neu hinzukamen die Verbindung von 100m-Schacht-Rampe (vielleicht fällt uns hier mal ein besserer Name ein) zur Quickie-Rampe, Alices Wunderland -blödes Eck- der Turm der Unsichtbaren Universität, weitere Teile der Plattenrampe, der 100m-Schacht selber und Wet’n Wild.
Vor der Haupttour findet noch ein verlängertes Forschungswochenende statt, an dem Robert Eckardt, Jörg Haußmann, Regina Kaiser, Mark Morgan, Thilo Müller und Kai Schwekendiek sich zum ersten Mal konsequent an die Schnellzughöhle wagen und auf Anhieb die ersten 400m bis zum Beginn der “Einlaßschächte” vermessen.
Die Haupttour selbst steht ganz im Zeichen weiterer Oberflächenuntersuchungen. Vom Absuchen des Geländes nach weiteren Eingängen von unserem bewährten Team Richie und Michael bis hin zu geologischen Untersuchungen von Uwe und Peter. Unterirdisches Hauptziel ist die Verbindung der Tony’s Second Höhle mit der Stellerweghöhle, die aber aufgrund der Entdeckung von Neuland im oberen Bereich dieser Höhle noch nicht gelingt.
Bei der Haupttour waren folgende sympathische Leute dabei: Markus Bölzle, Michael Brucklacher, Uwe Dünkel, Jens Freigang, Richard Geserer, Jörg Haußmann, Andreas Schober, Peter Wezel, Matthias Wilke und Robert Winkler.
In diesem August tagt der österreichische Verband im benachbarten Hallstatt. Zwei der angebotenen Höhlenführungen führen auch in das Schwabenschacht-Stellerweghöhlensystem. Die Führungen werden übernommen von Nils Bräunig, Robert Eckardt, Regina Kaiser, Thilo Müller und Kai Schwekendiek.
Zusammen mit Mark Morgan und Rebecca Lawson, jedoch ohne Robert Eckardt, findet sich die gleiche Gruppe zwei Wochen später noch einmal im Toten Gebirge ein, um in der Schnellzughöhle weiter zu vermessen. Dabei werden in den Einlaßschächten 100m an Tiefe gewonnen, so daß eine Befahrung des Hauptsystems der Schnellzughöhle im nächsten Jahr in mehr als greifbare Nähe rückt.
Die Gesamtlänge des zusammenhängenden Systems (Schwabenschacht - Stellerweghöhle) beträgt somit zum Ende der 1998er Forschung ca. 12 km. Darüber hinaus sind etwa 500m in der Schnellzughöhle und 400m in der Tony’s Second Höhle vermessen, die zwar ebenfalls zum System gehören, deren Verbindung aber durch unsere Vermessung noch nicht offiziell bestätigt wurde.
Die Forschung im Toten Gebirge schreitet also rasant voran. Neben der reinen Vermessungstätigkeit wird weiterhin an der Oberfläche nach anzuschließenden Höhlen Ausschau gehalten. Weitere Schwerpunkte sind die Erschließung der tektonischen und stratigraphischen Verhältnisse, ein Sinterdatierungsprogramm, sowie die Beobachtung der wenigen Kleinstlebewesen, die durch die frühe Trennung der alpinen Teilmassive oft schon eine eigenständige Weiterentwicklung hinter sich haben.
Aufgrund der immer weiter ausufernden Forschungsarbeit ist daher auch jeder Interessierte herzlich willkommen. Darüber hinaus aber auch die Interessierten, die selber weder sportliche noch wissenschaftliche Ambitionen haben, sondern einfach nur normal sind.


[Stand: 10/2003]


 
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