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25 Jahre Arge Grabenstetten - ein Rückblick [von Thilo Müller & Michael Rahnefeld]
Das Jahresheft 1997/98 der Arge Grabenstetten
Seite 7-15 / Grabenstetten 1998
... wie alles begann:
Als im Sommer 1972 vier Esslinger Gymnasiasten in einem Garten ein Fundament aushoben, ahnte wohl keiner von ihnen, daß damit auch ein Grundstein zu einem der größeren deutschen Höhlenvereine gelegt werden sollte. Als Ausgleich für die Plagerei mit Hacke und Spaten beschlossen die vier Burschen - darunter die heutigen Mitglieder Welf Bassler und Michael Rahnefeld - eine Fahrt auf die Schwäbische Alb, verbunden mit einer Höhlentour. Als Ziel stand ohne Diskussion die "Falkensteiner" fest, die schon damals unter Höhlentouristen, Wanderern und Höhlenforschern eine ganz besondere Anziehungskraft ausübte.
Rohrstiefel, Turnschuhe, Trainingshosen, mehrere Lagen Baumwollpullover und ein Bauhelm auf dem Kopf, dies war der Ausrüstungsbestand der begeisterten jugendlichen Höhlengänger. Fackeln und Taschenleuchten ergänzten die höchst unzweckmäßige Ausstattung, und jedem erfahrenen Höhlenforscher hätte es die Zornesröte ins Gesicht getrieben, hätte er diese Frevler gesehen. Das Glück der Unerfahrenen und eine nicht ganz unbedachte Vorgehensweise ließen diese ersten Höhlenbefahrung für die Jugendlichen zum Erfolg werden. Verführt von Abenteuerlust, sportlichem Ehrgeiz und einem sanften Hauch von Faszination, schlossen sich dieser ersten Höhlenfahrt weitere an. Die Schülergruppe wuchs, und schon bald nannte man sich stolz "Höhlenforschungsgemeinschaft Esslingen".
Gemeinsame Interessen
Doch nicht allein jene Esslinger Schüler tummelten sich in diesem Sommer 1972 vor und in der Falkensteiner Höhle. Neben den vielen Wanderern, Abenteurern und Höhlentouristen, die auch schon damals das Szenario rund um die "Falkensteiner" bildeten, mußte dem damaligen Beobachter eine Personengruppe ganz besonders auffallen. Mit einer nicht zu übersehenden Beständigkeit waren ihre Zelte bald Wochenende für Wochenende auf dem Falkensteiner Platz zu finden. Obgleich sie aus den unterschiedlichsten Richtungen und Gegenden kamen, vorherige Kontakte untereinander weitgehend nicht bestanden, so verband sie jetzt zumindest in der Freizeit der Spaß und das Interesse an "der Höhle".
Als Zentralfigur dieses lockeren Kreises, der wenig später zum tragenden Ast des jungen Vereins werden sollte, fungierte Siegfried Hönig, der maßgebend am Aufbau der Arbeitsgemeinschaft beteiligt war. Wochenlang stand das Zelt dieses Höhlenenthusiasten auf dem Falkensteiner Platz - hier lebte er, von hier aus fuhr er nach Stuttgart zur Arbeit, selbst Post konnte an den "Höhlen-Siggi" gesandt werden, die Anschrift der Falkensteiner Höhle reichte aus.
Gründung des Vereines
Rund acht bis zehn Leute hatten sich damals um Siegfried Hönig geschart. Als Mitglieder der "ersten Stunde" sind davon heute noch im Verein vertreten: Walter Albrecht, Werner Raff, Hans Eisenschmid, Annemarie und Uli Löw sowie Susanne Grünhage (geb. Löw). Erweitert wurde dieser Kreis durch das regelmäßige Hinzustoßen der jungen Esslinger. Der lockere Interessenverband stabilisierte sich mehr und mehr durch weiteren Personenzuwachs, einem ausgeprägten Gemeinschafts- und Kameradschaftssinn sowie durch ein überdurchschnittliches Engagement jedes einzelnen für die Sache.
Als schöne und unvergeßliche Momente bleiben den damals Beteiligten sicherlich die langen Abende am Lagerfeuer auf dem Falkensteiner Platz in Erinnerung. Ausgedehnte Höhlenbefahrungen - vornehmlich auf der mittleren Schwäbischen Alb - sorgten für einen gleichmäßigen Auf- und Ausbau der speläologischen Kenntnisse und Erfahrungen. Die gegenseitige Hilfestellung bei der Beschaffung und Anfertigung zweckmäßiger Ausrüstungsgegenstände schweißte die Gemeinschaft noch enger aneinander. So konnte es nicht ausbleiben, daß bereits im Sommer 1973 erste Gedanken einer Vereinsgründung gehegt wurden. Zunehmende Auflösungserscheinungen der Esslinger Höhlenforschungsgemeinschaft ließen eine feste Bindung der verbliebenen Mitglieder in der neugewachsenen Gruppe ohne schlechtes Gewissen zu.
Nach mehrwöchigen Vorausplanungen und Vorbereitungen konnten dann im Herbst 1973 Nägel mit Köpfen gemacht werden. Auf einer Versammlung im Schützenhaus Grabenstetten - dem damaligen Treffpunkt der jungen Höhlenforschergruppe - wurde im November 1973 die "Arbeitsgemeinschaft Höhle und Karst Grabenstetten" proklamiert. Als Vorstandsschaft setzten die damals rund 20 Mitglieder ein:
1. Vorsitzender: Siegfried Hönig
2. Vorsitzender: Siegbert Hirsch
Geschäftsführer: Michael Rahnefeld
Kassierer: Walter Albrecht
Individualisten
Mit dieser offiziellen Vereinsgründung wurde bereits die zweite Entwicklungsphase der Arbeitsgemeinschaft Höhle und Karst Grabenstetten eingeläutet. Für die damaligen Mitglieder war es ungewohnt, als feste Organisation aufzutreten, und so mußten zunächst auch auf diesem Gebiet Erfahrungen gesammelt werden. Wichtigste Aufgabe der damals fungierenden Vorstandschaft war neben dem Aufbau einer Vereinsstruktur ein ständiges Integrationsbemühen. Wer jemals länger mit Höhlenforschern zu tun hatte, weiß um ihr Individualistentum, auch heute noch vielfacher Grund von Vereinszerwürfnissen und Auflösungen.
Bewährungsprobe
Ein Sommerlager zwischen Beuron und Fridingen im Donautal (Juli/August 1974), an dem ein Großteil der Vereinsmitglieder teilgenommen hatte, sollte einer der Höhepunkte im jungen Vereinsleben werden. Durch die Entdeckung der Meßstettener Kristallhöhle bei Straßenbauarbeiten auf dem dortigen Truppenübungsplatz wurde die Arge Grabenstetten in zweifacher Hinsicht gefordert. Einmal mußte unter den kritischen Augen der Bundeswehrverwaltung "saubere" Höhlenforscherarbeit geleistet werden, zum anderen stand man als Verein zum ersten Male im Rampenlicht vor einer relativ großen Öffentlichkeit. Während die Aufgaben nach außen hin mit Bravour geleistet wurden, hatten sich in der Vorstandsspitze unvermeidbare Reibungen ergeben, so daß auf der ersten Jahreshauptversammlung der Vorsitz bei der Arge Grabenstetten wechselte (1. Vorsitzender Siegbert Hirsch, 2. Vorsitzender Uli Löw).
Große Ziele
Mit 24 Mitgliedern, einem Kassenabschluß von 300 Mark und umbesetzter Führungsspitze ging der Verein in das neue Geschäftsjahr. Eine Umgestaltung der inneren Organisation war der Wille der Mitglieder, dem bereits zu Beginn des Jahres 1975 nachgekommen werden sollte. Konkret hieß das: Neben einer genauen Aufgabendefinition für die Vorstandschaft die Verlegung der Jahreshauptversammlung ins Frühjahr, die Schaffung eines Materiallagers in Grabenstetten, die Planung eines Archivs für Fotos und Fachliteratur sowie die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten für Vereinszusammenkünfte. Forciert wurden zudem die Bemühungen um eine Vereinssatzung, wobei seitens der Vorstandschaft bereits eine Eintragung der Arge Grabenstetten als e.V. ins Visier genommen wurde. Erklärtes Ziel für den auch 1975 im Amt bestätigten Siegbert Hirsch sollte diese Eintragung in das Vereinsregister werden. Diese Vorstellungen scheiterten jedoch am Widerstand der Mitglieder, die eine Eintragung zu diesem Zeitpunkt noch für übereilt erachteten.
Selbstbewußtsein
Bemerkenswert erscheint in diesem Zusammenhang das stark entwickelte Selbstbewußtsein der damaligen Mitglieder. Das Wissen um die Möglichkeiten des Mitgestaltens der Vereinsgeschicke machte die Aufgabe der Verantwortlichen an der Spitze nicht immer ganz einfach. Um so erfreulicher war jedoch, mit welcher Konsequenz auch unpopuläre, aber mehrheitlich getragene Entscheidungen von den einzelnen Mitgliedern und der Gemeinschaft durchgestanden wurden. So bewirkte beispielsweise bereits im Frühjahr 1975 der mehrheitliche Vereinswille auf der Jahreshauptversammlung die Nominierung von Siegfried Hönig zum zweiten Vorsitzenden, kaum daß er ein halbes Jahr zuvor sein Amt als erster Vorsitzender geräumt hatte.
Reges Vereinsleben
Durch die Einführung einer zweijährigen Amtsperiode begann für das neue Führungsgespann eine "gesicherte Regentschaft". Neben der Forschungs- und Befahrungstätigkeit engagierten sich die Mitglieder zu diesem Zeitpunkt besonders bei der Renovierung und dem Aufbau des von der Gemeinde Grabenstetten überlassenen alten Schulsaales. Viel Zeit, Geld und Arbeit wurde investiert, um das neue Vereinsheim einigermaßen nutzbar zu gestalten. Ein reges Vereinsleben, geprägt von vielfältiger Zielstrebigkeit, Geselligkeit, gemeinschaftlicher Aktivitäten und Erlebnissen entwickelte sich in diesen Jahren zwischen 1975 und 1977. Das "Internationale Jahr des Höhlenschutzes" hatte neben zahlreichen Einzelaktionen der Arge Grabenstetten auch den Aufbau eines Höhlendienstes am Falkensteiner Platz bewirkt. Damit konnte der Verein endlich auch einer gewissen Verantwortung gegenüber der Falkensteiner Höhle und der Gemeinde Grabenstetten gerecht werden. Um so größer war die Enttäuschung, als Ende 1976 der Schulsaal aufgegeben werden mußte. Die Arge Grabenstetten saß - im wahrsten Sinne des Wortes - wieder auf die Straße. Bemühungen, kurzfristig neue Räumlichkeiten zu finden, stießen auf wenig Erfolg. In den Reihen der Mitglieder machte sich eine breite Resignation bemerkbar, die letztlich auch den Rückzug der beiden Vorsitzenden nachhaltig mit beeinflußte.
Eingetragener Verein
Mit der Neuwahl von Karl-Hermann Zimmermann zum Vorsitzenden und Gerd Zander zum zweiten Vorsitzenden im Rahmen der Jahreshauptversammlung 1977 begann für die Arge Grabenstetten eine neue Ära. Das überdurchschnittliche Engagement und Motivationsvermögen der neuen Vereinsführung brachte einen rapiden Umschwung in das Vereinsleben. Mehr als je zuvor rückte der Verein durch allerlei Aktivitäten in das Licht der Öffentlichkeit. Die innere Organisation des Vereines wurde gestrafft, zur Entlastung der Vorstandschaft wurde ein Ausschuß gebildet. Vorangetrieben wurde erneut eine Eintragung in das Vereinsregister, die schließlich auf einer außerordentlichen Jahreshauptversammlung am 9. Juli 1977 zur Entscheidung anstand. Mit einer einstimmigen Entscheidung zugunsten eines "eingetragenen Vereins" konnte dieses Kapitel nach mehr als zweieinhalbjähriger Diskussion über die Bühne gebracht werden. Ab dem 28. Juli 1978 kann sich die seit Herbst 1973 als "loser und nicht rechtsfähiger Zusammenschluß von höhlenkundlich interessierten Personen" bestehende Vereinigung "Arbeitsgemeinschaft Höhle und Karst Grabenstetten e.V." nennen. Trotzdem wird diese offizielle Gründung nie den Stellenwert erreichen, den die "Urgründung" der Arge Grabenstetten im Bewußtsein ihrer Altmitglieder hinterlassen hat.
Höhepunkte
Die Aufwärtsentwicklung unter Karl-Hermann Zimmermann und Gerd Zander hielt durchweg an. Bereits 1977 konnte mit der Anmietung des Hauses Nr. 23 in der Uracher Straße ein neues Vereinsheim gefunden werden. Das Verständnis und die Umgänglichkeit der vermietenden Familie Gollmer war dabei einer der glücklichsten Umstände. Trotzdem beanspruchten die Renovierungsarbeiten am Haus wiederum viel Zeit, Geld und Engagement der einzelnen Mitglieder. Doch das Vereinsleben wird auch weiterhin noch von anderen Ereignissen bestimmt. Die intensive Grabungsarbeit am Eisele-Versturz in der Falkensteiner Höhle wird zum Jahreswechsel 77/78 mit einem Durchbruch und 600 Meter "Neuland" von Erfolg gekrönt. Die Dreharbeiten zu einem Film der ZDF-Serie "Höhlen - Welt ohne Sonne" von Prof. Dr. E. W. Bauer, stellen die aktiven Mitglieder vor neue Aufgaben. Weitere öffentlichkeitsträchtige Aktionen und Veranstaltungen sorgen für weitere Publizität der Arge. Die Nachteile dieser raschen und für viele Mitglieder ungewohnten Öffnung nach außen hin schlagen sich in einer rapide ansteigenden Mitgliederzahl nieder. Mit 84 Mitgliedern ist im Geschäftsjahr 1979 ein neuer Höchststand erreicht. Die Gefahr der Unübersichtlichkeit und zunehmenden Anonymität im Gefüge dieses Vereins nimmt zu und läßt ein Ende der bis dahin durchaus erfolgreichen Vereinspolitik absehen.
Neue Wege
Ein erneuter Wechsel im Vorstand erfolgt dann auch im Frühjahr 1980. Während Karl-Hermann Zimmermann vom Amt des Vorsitzenden zurücktritt und durch Ulrich Winter ersetzt wird, erfolgt erstmals auch in der Geschäftsstelle ein Wechsel. Michael Rahnefeld kandidiert nicht mehr und wird von Frohwalt Roesler abgelöst. Mit der Nominierung von Andreas Kunberger zum zweiten Vorsitzenden, der damit ab März 1981 die Nachfolge des nicht mehr kandidierenden Gerd Zander antritt, ist die Vereinsführung fast vollständig ausgetauscht. Mit neuen Gedanken und Ideen geht es in die achtziger Jahre. Die Forschungsprogramme werden intensiviert, neue Kräfte engagieren sich im Vereinsgeschehen. Während sich das Vereinsleben in neuer Form wieder stabilisiert, Erfolge in allen Aktivitätsbereichen aufzuweisen sind, hat die Arge Grabenstetten erstmals auch traurige Ereignisse zu ertragen. Auf einer privaten Bergtour kommt im Jahre 1981 das Hamburger Mitglied Detlef Benz ums Leben. Im Februar 1982 wird der Verein von der Todesnachricht Karl-Hermann Zimmermanns erschüttert.
Generationswechsel
Mit dem Rücktritt von Ulrich Winter und der Wahl von Markus Boldt 1986 beginnt ein Wechsel in der Besetzung der Vereinsämter von langjährigen, oft Gründungsmitgliedern hin zu Mitgliedern der zweiten Generation. Bereits ein Jahr davor war der Kassierer "Woody" Albrecht, der seit der Vereinsgründung die Kasse führte, von Susanne Grünhage abgelöst worden. Neue Gedanken und Schwerpunkte werden durch den Vorstand eingebracht, die nicht immer von allen getragen werden, jedoch zu viel Bewegung und neuen Zielsetzungen im Vereinsleben führen. Mit Engagement wird die technische Ausrüstung, speziell die Pumpausrüstung, erweitert und etliche Jahre finden jährlich Pumpaktionen auf der gesamten Schwäbischen Alb statt, so im Elsachbröller, der Eisrohrhöhle, dem Hausener Bröller und dem Teufelsklingenbröller. Der Verlust des Vereinsheims trifft den Verein in einer höchst aktiven Phase, was dazu führt, daß die Vereinsfinanzen gezielt aufgebessert werden und mit viel zeitlichem Aufwand ein neues Heim gesucht wird. Das erneute Ausrichten des Falkensteiner Platzfestes erweist sich jedoch als nicht dauerhaft durchführbar, zu groß sind die Beeinträchtigungen für Höhle und umgebende Natur. Mit Thilo Müller wird 1988 ein fast noch Neumitglied zum Geschäftsführer gewählt, neue Ideen wie Jahresheft, Vereinsausfahrten und die Arge-Pullis werden umgesetzt. Zur Verbesserung der Mitgliederinformation wird die Arge Mitglied in verschiedenen Organisationen, so den nationalen Höhlenverbänden in Großbritannien und den USA, der Gesellschaft für Urgeschichte in Blaubeuren, der Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz in Tübingen und der Arge Geotopschutz.
Ausbildung
Ab 1986 wird mit der Ausbildung des jugendlichen Nachwuchses sowohl im Verein wie auch auf nationaler wie internationaler Ebene ein neuer Schwerpunkt in der Vereinsarbeit begründet, der bis heute andauert. Anfangs zu 100 Prozent getragen durch die Initiative von Petra und Markus Boldt, später auch durch die Mitarbeit zahlreicher Vereinsmitglieder, werden im zweijährigen Rhythmus Ausbildungslager für junge Höhlenforscher (JuHöFoLa) ausgerichtet, die bei durchschnittlich 50 Teilnehmern zwei Wochen dauern und in den Sommerferien stattfinden. Verschiedene Spezialkurse wie Befahrungstechnik, Höhlenvermessung, Geologie oder Biologie werden, neben allgemeinen Vorträgen, angeboten. Die Teilnehmer stammen hauptsächlich aus Deutschland und dem benachbarten Ausland, speziell aus den östlichen Nachbarländern. Anfangs noch im Wechsel mit der FHKF in Nürnberg, den Begründern dieser Ausbildungslager, wird diese Veranstaltung in Deutschland seit 1992 nur noch von der Arge angeboten. Weiterhin werden Wochenendseminare zu ausgewählten Themen der Höhlenforschung organisiert, die sich eher an den interessierten Kenner als an den Anfänger richten.
Forschungsgebiete
Nachdem seit Gründung des Vereins der eindeutige Schwerpunkt der Arbeiten im Bereich um Grabenstetten lag, dehnt sich das Arbeitsgebiet mit dem Auffinden neuer Teile in der Bärentalhöhle 1986 weiter nach Süden hin aus. Die Suche nach einem Zugang zur Blauhöhle führt 1989 dazu, daß die Grabung im Sontheimer Schacht, gemeinsam mit dem Höhlenverein Sontheim, aufgenommen wird, die bis zum heutigen Tage andauert.
Heimatlose Zeit und neues Zuhause
Von 1989 bis 1994 vagabundiert der Verein ohne festes Vereinsheim. Anfangs im Gasthaus "Hirsch" in Grabenstetten, finden die Treffen ab 1991 zunächst im Römersteinhaus bei Donnstetten statt, wo die Naturfreunde Stuttgart-Botnang freundliche Aufnahme gewähren. Das ermöglicht regelmäßige Treffen, allerdings ist das Vereinsmaterial in viele Richtungen zerstreut. Nach intensiver Suche gelingt es 1994, das alte Arbeiterhaus am Marmorsteinbruch Böttingen bei Münsingen anzumieten und entsprechend der Vereinsbedürfnisse umzubauen. Mit viel Engagement und Einsatz der Mitglieder und unter kräftiger Inanspruchnahme der Vereinsfinanzen wird vier Jahre lang hart gearbeitet. Seit Sommer 1998 ist das Heim fertiggestellt und stellt ein neues Zuhause für die Zukunft dar.
Neue Ziele in den Alpen
Nach einer kurzen Forschungszeit auf der Reiteralm in den Berchtesgadener Alpen Mitte und Ende der 70er Jahre wird es zunächst ruhig im Bereich der alpinen Forschung im Verein. Erst seit Beginn der 90er Jahre wird die schon länger laufende Arbeit einiger Freunde um das Mitglied Klaus Gebhard im Toten Gebirge von den nachwachsenden Jungforschern mit Begeisterung geteilt und in den Folgejahren kontinuierlich fortgeführt. So kann 1996 der Schwabenschacht mit der Stellerweghöhle verbunden werden. Mit Stand Ende 1997 sind hier immerhin 10.756 Meter von der Arge bearbeitet, und Neuland ist noch endlos zu finden.
Aber auch in den Allgäuer Alpen, auf dem Gottesackerplatt, wird seit 1994 geforscht, hier in Zusammenarbeit mit der Speleogruppe Letmathe. Mehrere mittelgroße Höhlen können hier bearbeitet werden.
Verbandstagung 1996 in Blaubeuren
Nach reiflichen Überlegungen und Anfragen von Verbandseite entschließt sich der Vorstand, für die Ausrichtung der Verbandstag 1996 zu kandidieren. Auf der Verbandstagung 1994 in Nordhausen geht der Zuschlag an die Arge und die Arbeit beginnt. Ein kleines Team aus fünf bis sechs Mitgliedern trägt die Vorbereitungen. Das Ziel ist, eine für alle schöne und erfolgreiche Tagung zu organisieren und mit einer "schwarzen Null" abzuschließen. Aus mehreren Angeboten wird Blaubeuren ausgewählt, da dort das ganze Umfeld und die Infrastruktur am besten geeignet sind. Von zahlreichen anderen Höhlenforschern der mittleren Alb wird Unterstützung, speziell für die Exkursionen, angeboten, die dankend angenommen wird. Das Jahresheft wird zum Tagungsband umgemodelt, und das erfolgreich erreichte Ziel, alle Referate und Exkursionen im Voraus in schriftlicher Form zu erhalten, führt dazu, daß dieser Tagungsband mit über 250 Seiten die bisher umfangreichste Publikation des Vereins wird. Zur Tagung werden etwa 300 Teilnehmer erwartet, deshalb herrscht Staunen und Freude darüber, daß sich fast 400 anmelden und am Ende der Tagung fast 500 Höhlenforscher in Blaubeuren waren. Damit hat die Arge die größte bisher stattgefundene deutsche Höhlenforschertagung ausgerichtet. Das erfordert während der Tagung den Einsatz aller aktiven Mitglieder, und sie sind da! Über 50 Mitglieder und zahlreiche Freunde des Vereins helfen mit, diese Veranstaltung zu einem schönen Erfolg werden zu lassen.
Ungebrochenes Engagement
Mit weit über 120 Mitgliedern zählt die Arbeitsgemeinschaft Höhle und Karst Grabenstetten auch heute noch zu den größeren Höhlenvereinen Deutschlands. Enge Verbindungen zu anderen Höhlenvereinen, zu Freunden im In- und Ausland sowie ein ungebrochenes Engagement der aktiven Mitglieder auf dem gesamten Gebiet der Höhlenkunde ließen diesen nicht mehr ganz unbekannten Verein zu einem wichtigen Bestandteil der heutigen Höhlenforschung werden. Für die Bevölkerung der Gemeinde Grabenstetten, und hier vor allem der Jugend, sah und sieht sich dieser Verein als gesellschaftlich-kulturelle Bereicherung, dessen Aufgabe es auch sein muß, Heimat und Natur den hier lebenden Menschen näher zu bringen.
Daten und Fakten
1973
14. November 1973: Gründung des Vereins
1974
Frühjahr 1974: Teilnahme an der 1. Esslinger Hobbyausstellung
Sommer 1974: Großes Zeltlager im Donautal bei Beuron
Herbst 1974: Höhlenfest an der Falkensteiner Höhle
1975
Frühjahr 1975: Aktionen zum internationalen Jahr des Höhlenschutzes, Druck und Herausgabe von Plakaten, Höhlenputzaktionen, Einführung eines Höhlendienstes an der Falkensteiner Höhle, Höhlenfahrt ins Sauerland
Herbst 1975: 1. Pumpaktion im Elsachbröller, gemeinsam mit der Arge Berg und den Höhlenfreunden Lichtenstein, Lichtbildervorträge
1976
Sommer 1976: Höhlenforscherlager der Arge Grabenstetten bei Bad Reichenhall
Herbst 1976: Teilnahme an Speläo-Südwest in Oberndorf; 2. Pumpaktion im Elsachbröller in gleicher Besetzung wie im Jahr 1975
1977
Frühjahr 1977: Herausgabe einer Höhlenbroschüre über die Falkensteiner Höhle
Herbst 1977: 1. Gästeabend in Grabenstetten
Jahreswechsel 1977/78: Eiseleversturz bezwungen
1978
Frühjahr 1978: Filmarbeiten für die ZDF-Serie "Höhlen - Welt ohne Sonne"; Die Arge Grabenstetten wird ein "eingetragener Verein"
Sommer 1978: Herausgabe der zweiten erweiterten Auflage der Besucherbroschüre über die Falkensteiner Höhle, Durchführung der 1. Falkensteiner Tage
Herbst 1978: 2. Gästeabend in Grabenstetten, Teilnahme an Speläo-Südwest in Pirmasens, Bau einer riesigen Styroporhöhle und höhlenkundliche Ausstellung bei den Stuttgarter Buchwochen
1979
Verbandstagung in Ennepetal
Katastersitzung in Westerheim
Herbst 1979: Höhlenrettungstreffen bei der Nebelhöhle; 3. Gästeabend in Grabenstetten
1980
Teilnahme am Tektonischen Seminar I und Speläomineralogischen Seminar in Laichingen
Verbandstagung in Oberkochen
Kandelfest in Grabenstetten
Herbst 1980: Vereinspokalschießen in Grabenstetten; Höhlenrettungstreffen in Hengen; Höhlenschutztreffen in Sontheim; Teilnahme Speläo-Südwest in Mahlstetten; 4. Gästeabend in Grabenstetten
1981
Vorträge, Geologische Exkursion um Grabenstetten
Tektonisches Seminar II in Laichingen
5. Gästeabend in Grabenstetten und Vereinspokalschießen
Eine weitere Elsachbröller-Pumpaktion fiel ins "Hochwasser"
1982
Durchführung eines Erste-Hilfe-Kurses im Verein
3. Elsachbröller-Pumpaktion gemeinsam mit verschiedenen Vereinen und Personen
Einrichten eines Vereinsarchivs
Herbst 1982: Höhlenrettungstreffen in Grabenstetten; Austragung von Speläo-Südwest in Grabenstetten bei der Fliegergruppe; Teilnahme am Symposium über Verkarstung in Südwestdeutschland.
1983
Zehn Jahre Arge Grabenstetten e. V.
Grabungen am Flutloch des Elsachbröllers
1984
20. 6.: Durchbruch im Flutloch des Elsachbröllers, nach mühevoller Grabungsarbeit kann auch der Urfalkensteiner Gang ohne Tauchgerät bzw. Pumpaktion erreicht werden
November 84: Entdeckung des Schneckenlochbröllers, Bearbeitung in den nachfolgenden Jahre
1986
Ostern: Erstes Ausbildungslager für Junge Höhlenforscher in Schelklingen (JuHöFoLa)
Im November werden neue Teile in der Bärentalhöhle entdeckt.
1987
29. 3.: Seminar "Katasterwesen" mit Klaus Gebhard
4. / 5. 4.: Vermessungsseminar mit Rainer Witzig und Helmut ´Mimi´ Wagner
25. / 26. 4.: Seminar Höhlenentstehung mit Herbert Griesinger
Mai 87: Mehrtägiges Schachtseminar mit anschließender Frankreich-Fahrt
13.-21.6.: Elsachbröller Pumpaktion im Obergang
23.-25. 10.: Teufelsklingenbröller Pumpaktion
1988
27. / 28. 2.: Technikseminar 1, Pumptechnik
26. / 27. 3.: Fotoseminar 2 mit Franzjörg Krieg
Mai 88: Kündigung des Mietvertrages unseres Vereinsheimes, Auszug ein Jahr später
7. 5.: Technikseminar 2, Pumptechnik praktischer Teil
25. 6.: Sonnwendfeier, Heidegraben
29. 7.-14. 8.: 2. JuHöFoLa, Schelklingen
24. 9.-2. 10.: Pumpaktion Elsachbröller
13. 12.: Fotoseminar 3, mit Franzjörg Krieg
19. / 20. 11.: Erste Hilfe Kurs mit Rüdiger Fischer
Mitgliedschaft in der GfU, Blaubeuren (Gründungsmitglied)
Mehrere Tauchtouren von M. Meyberg, B. Rinne, A. Beyer und U. Schekulin in den Elsachbröller, Junge Spalte, Klammgang (mit unserer Unterstützung)
Grabungen am Schwedenmahdschacht werden für ein paar Jahre wieder aufgenommen
1989
Januar 89: Beginn der Grabungen am Sontheimer Schacht
Das erste Jahresheft des Vereins wird veröffentlicht
Sommer 89: Grabung Spitalbrunnen Schelklingen
16. / 17. 9.: Platzfest Falkensteiner Höhle
21. 10.: Kurzpumpaktion Schmiechquelle
11. 11.: Fotografentreffen, mit Hans Sibbert
18. / 19. 11.: Symposium Grabenstetter Großhöhle
8. / 9. 12.: Pumpaktion Büchelbrunner Bröller
1990
Umfangreiche Versuche für eine Pumpaktion am Steinbühlbröller, erfolglos
Teilnahme an der Gründung des Landesverbandes Baden-Württemberg
Sicherung des Zugangs der Terebratelhöhle
Mai: Grabungswoche Sontheimer Schacht
16. / 17. 6.: Technikseminar mit M. Kwasnewsky
3. - 19. 8.: 3. JuHöFoLa, erstmals auf dem Zeltplatz in Justingen
Zum Gästeabend werden vom Verein erstmals "Vereinshemden" an die Mitglieder verkauft
1991
29. 3. - 1. 4.: Erste Vereinsausfahrt franz. Jura, dabei Unfall von Matthias Leyk und größere Rettungsaktion
9. - 12. 4.: Elektromagnetische Untersuchungen mit dem Niedersächsischen Landesamt für Bodenkunde im Bereich Elsachbröller und Sontheimer Schacht
25. 5. - 2. 6.: Pumpaktion Elsachbröller
2. - 6. 10.: Pumpaktion Eisrohrhöhle
19. - 20. 10.: 9. Höhlenkundliches Seminar "Dem Wasser auf der Spur"
1992
Platzfest nicht mehr durchgeführt
Provisorisches Vereinsheim Römersteinhaus, Donnstetten
Seminar "Knochen bestimmen" mit Thomas Rathgeber in Sontheim
2. April: Kameradenrettung zusammen mit Bergwacht Lenningen
Erstes Albvereinscamp in Münsingen, von Robert Winkler organisiert
Zweite Vereinsausfahrt in den französischen Jura
Teilnahme Festumzug 100 Jahre Laichinger Tiefenhöhle
Seminar Kameradenrettung 24. / 25. 4. mit A. Maier
24. 7. - 9. 8.: 4. JuHöFoLa in Justingen
21. - 29. 8.: Forschungslager im Toten Gebirge, erstmals mit Teilnehmern der jetzigen Forschergeneration (Robert Winkler, Thilo Müller)
Teilnahme an der Vermessungsaktion Todsburger Schacht
Expedition in den Vercors, Gouffre Berger
Seminar Höhlenforschung, Tourismus und Schutz, Herbert Griesinger zusammen mit Landratsamt Esslingen
Geplante Pumpaktion am Lochbrunnen wird wegen bakteriologischer Belastungen des Wassers abgesagt
1993
Mitgliedschaft in der NSS (USA) und der BCRA (England)
Beginn der Detailvermessung Falkensteiner Höhle
Dolinenputzaktion bei Genkingen
Vermessungsseminar 16. / 17. 1. mit Christian Fischer und Thilo Müller
Computerseminar 13. / 14. 2. mit Thilo Müller
Forschungswoche Römersteinhaus 7. - 15. 8.
Vereinsausfahrt nach Slowenien
Bioseminar 12. / 13. 6. mit Christian Fischer
12. höhlenkundliches Seminar "Leben unter Tage" mit Dieter Weber
1994
Mitgliedschaft in der Arge Geotopschutz
Vereinsausfahrt in die Slowakei
Neues Vereinsheim in Münsingen-Böttingen angemietet, Beginn der Umbauarbeiten
Beginn unserer Forschungen auf dem Gottesackerplatt
29. 7 - 14. 8.: 5. JuHöFoLa in Justingen
Forschungswoche in Böttingen, 14. - 21. 8.
1995
Mitgliederzahl erreicht erstmals die Grenze von 100
Prozeß Friedrich Bänisch wegen Dias
Hochwassereinschluß in der Falkensteiner Höhle
Pumpaktion Hausener Bröller 12. - 20. 8.
Schwabenschacht auf knapp 6000 Meter vermessen, erstmals Riesenhöhle bearbeitet
Vereinsausfahrt nach Belgien, 13. - 20. 4.
1996
Ausrichtung der deutschen Verbandstagung in Blaubeuren mit 500 Teilnehmern, 24. - 27. 5.
Beginn der Neuvermessung der Brunnensteinhöhle
Einrichten einer Vereinshomepage im Internet
Herausgabe einer neuen Besucherinformation für die Falkensteiner Höhle
Vereinsausfahrt in die Sächsische Schweiz 4. - 8. 4.
26. 7. - 11. 8: 6. JuHöFoLa in Justingen
Zusammenschluß von Schwabenschacht und Stellerweghöhle im Toten Gebirge
Forschungswoche am Sontheimer Schacht 16. - 24. 8.
1997
Unterstützung zweier Diplomarbeiten Blautopf Falki, Wasseranalysen über 1 Jahr
Beginn der Tauch- und Vermessungsaktion Falki ab 4. Siphon, gemeinsam mit der HfG Kirchheim
Forschungswoche an der Brunnensteinhöhle 23. - 31. 8.
Vereinsausfahrt nach Ungarn
Erosionsverbauung an der Falkensteiner Höhle
Fledermaustor am Bauerloch
15. höhlenkundliches Seminar "Dem Höhlenmenschen auf der Spur"
16. höhlenkundliches Seminar "Theodolitvermessung"
Beantragung und Bewilligung von Forschungsförderungsgeldern für Sinterdatierungen auf dem GAP
Entdeckung und Bearbeitung der Mahlberghöhle in Grabenstetten
1998
Jubiläumsfeier im Rahmen der HV, 25 Jahre Arge Grabenstetten am 7. 3.
Vereinsausfahrt in den Harz 9. - 14. 4.
31. 7. - 16. 8.: 7. JuHöFoLa, erstmals bei Schelklingen-Schmiechen
Amtsperioden der Vorstandschaft (von - bis)
1. Vorsitzender
| Siegfried Hönig |
1973 |
1974 |
| Siegbert Hirsch |
1974 |
1977 |
| Karl-H. Zimmermann |
1977 |
1980 |
| Ulrich Winter |
1980 |
1986 |
| Markus Boldt |
1986 |
1990 |
| Klaus Gebhardt |
1990 |
1992 |
| Herbert Griesinger |
1992 |
1994 |
| Christoph Gruner |
1994 |
jetzt |
2. Vorsitzender, -e
| Siegbert Hirsch |
1973 |
1974 |
| Ulrich Löw |
1974 |
1975 |
| Siegfried Hönig |
1975 |
1977 |
| Gerd Zander |
1977 |
1981 |
| Andreas Kunberger |
1981 |
1987 |
| Herbert Griesinger |
1987 |
1992 |
| Petra Boldt |
1992 |
jetzt |
Geschäftsführer, -in
| Michael Rahnefeld |
1973 |
1980 |
| Frohwalt Roesler |
1980 |
1984 |
| Christine Kwasnewski |
1984 |
1986 |
| Werner Grünhage |
1986 |
1988 |
| Thilo Müller |
1988 |
1998 |
| Matthias Lopez-Correa |
1998 |
jetzt |
Kassierer, -in
| Dr. Walter Albrecht |
1973 |
1985 |
| Susanne Grünhage |
1985 |
1993 |
| Wolfgang Steudle |
1993 |
1996 |
| Andreas Kunberger |
1996 |
jetzt |
Noch heute im Verein verbliebene Mitglieder der "ersten Stunde"
Walter Albrecht
Welf Bassler
Hans Eisenschmid
Susanne Grünhage geb. Löw
Annemarie Löw
Ulrich Löw
Werner Raff
Michael Rahnefeld
Rainer Witzig |