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Bericht der Höhlenfreizeit vom Schwäbischen Albverein 1996 [von Florian Renz]

Das Jahresheft 1996, Seite 71-73

 

"Mindestens 5 m tief, umgeben von natürlichem Gestein und befahrbar."

Inzwischen wissen wir, daß diese Bedingungen die Höhle zur Höhle machen. Wir, das waren 16 Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren. Und so trafen wir uns wie abgemacht am Nachmittag 16.5.96 im CVJM-Heim in Münsingen. Obwohl die Höhlenfreizeit dieses Jahr zum fünften Mal ausgerichtet wurde, waren es nur ganz wenige, die schon einmal in den Genuß solcher "Ferien" gekommen sind.

Nachdem das erste "Beschnuppern", sowohl zwischen uns Teilnehmern, als auch gegenüber den Leitern beendet war und jeder einen Platz in einem der drei Zimmer gefunden hatte, stand das erste leckere Abendessen an. Zwar hielt sich die Begeisterung über die auf dem Tisch stehende Speise noch in Grenzen, doch damit bewies das Küchenteam sein taktisches Vermögen und konnte sich so Tag für Tag mächtig steigern und am Ende der Woche wahre Köstlichkeiten auftischen. Gegen Abend sorgte Eva, unsere jüngste Leiterin, mit einem Spiel für die Ausweitung der Namenskenntnisse. Denn von nun an wurden manche nur noch "Nuß", "Schweinshaxe" oder "Nutellabrot" genannt. Das gesamte Leiterteam stand auch schon pünktlich um 23.00 Uhr vor unseren Schlafzimmertüren, wie (fast) jeden Abend, und verstand es prächtig, uns in den Schlaf zu wiegen und uns damit auf den nächsten Tag, nämlich den ersten Höhlentag vorzubereiten.
Es war Samstag. Robert, "Chef" und Organisationstalent zugleich, erklärte: "Drei Höhlen sind im Angebot: Die Gustav-Jakobs-Höhle, die Bärentalhöhle und das Bauerloch. Jeder hat die Möglichkeit jede Höhle zu Gesicht zu bekommen. Wenn nicht heute, dann übermorgen oder in vier Tage."

Schon sechs Stunden später tauschten wir untereinander Erfahrungen aus. Die Einsteiger waren hin und weg von dem Ambiente der Gustav-Jakobs-Höhle. Andere erzählten begeistert von einem "Korkenzieher" und einem Superschluf in der Bärentalhöhle. Die Bauerlochtruppe letztlich kam fast völlig durchnäßt zurück und war außer sich vor lauter Wasser. Alle waren hellauf begeistert vom ersten Höhlentag und auch Robert zeigte sich sichtlich zufrieden: "Das ist schon super, wie die sich gegenseitig helfen", erklärte er einer Jungjournalistin einer Reutlinger Tageszeitung. Nein, die hatte sich nicht verirrt, sondern war mit einer Gehilfin direkt nach Münsingen hochgefahren, nur um sich Informationen von uns zu holen. Wir hörten und staunten! Nicht zuletzt deshalb, weil sie zum einen sogar ein Lichtbild von drei Jung-Höfos machte und ihr zum anderen nicht entging, daß Robert sich im Gespräch gerne die letzten Schlammspuren aus den Ohren reibt. Genau diese Tatsache hielt sie zur Freude aller in ihrem Zeitungsartikel fest.

Gleich am nächsten Tag war die große Wanderung angesagt. Wir hatten es wohl irgendwie geschafft, die Leiter gnädig zu stimmen. Denn zum Erstaunen aller blieb es bei einer kleinen Wanderung um den Hohenneuffen. Keiner von uns konnte zudem ein Schmunzeln verbergen, als die Natur in der Person von Vater Baum das Klettern auf seinen Ästen hart bestrafte und ein Höfo den Gesetzen der Schwerkraft zufolge sich unaufhörlich dem Boden näherte und einen direkten Kontakt mit diesem nicht mehr verhindern konnte. Nach dem ausführlichen Besichtigen der Burgruine blieb sogar noch Zeit, sich eine Höhle in der Nähe zu Gemüte zu führen, die Barnberghöhle. Nur das Wetter zog uns beim anschließenden Grillen einen Strich durch die Rechnung, doch während die einen, unbeirrt vom Regen, das Stockbrot oder die Wurst über dem Feuer drehten, wetteten und feilschten die anderen um Coca-Cola Flaschen. Bis heute bleiben mir die Hintergründe dieser gewerblichen Taten ein Rätsel, aber auf jeden Fall freute sich unser Getränkeladenchef Alex über die anscheinend gut laufenden Geschäfte.

Am Morgen hieß es wieder: "In welche Höhle wollt Ihr?" Nachdem auch diesmal schnell abgeklärt war, wer in welche Höhle darf, lief ein Tag ab, der dem des Samstages im Gesamtbild gleicht. Für den Einzelnen aber nicht. Denn heute war ja schon das nächste "Dreckloch" an der Reihe. Am selbigen Abend begann ein fünfköpfiger, lebensmutiger Personenkreis, der "sowohl im Dienste der Wissenschaft, als auch im Namen der Menschlichkeit als UNO-Sonderbotschafter" unterwegs war, sich mit der für die Höhlen angewandten Seiltechnik vertraut zu machen. Denn Robert hatte es versprochen: "Die, die jetzt schon mehrmals dabei waren, die dürfen in den Roßgallschacht!" Aber bis es soweit kommen sollte, war erstmal üben angesagt.

Das Stadtspiel in Bad Urach war auf den nächsten Tag angesetzt worden. Zwar störte uns das Wetter etwas beim "Herzchenzählen", "Brunnensuchen" oder beim Dichten einer Geschichte, in der wir der Jury, also dem Küchenteam, erklären mußten, wie der . . . . . entstanden ist, aber trotzdem stellte das Quiz eine angenehme Abwechslung zu unseren gewohnten "Höhlenfreizeitaktivitäten" dar, und nach der Siegerehrung hatten alle Teilnehmer ein Büchlein in der Hand, als Preis sozusagen. Auch heute, wie in den vergangenen Tagen, sollte uns die Leitung wieder mit einem Vortrag bzw. einem Film zum Thema "Höhle" beglücken. Bestimmt hat der eine oder andere etwas Wissen mitgenommen von einem dieser Vorträge. Dafür möchte ich mich auf diesem Wege, stellvertretend für alle, bei Manfred Schäffler von der Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz für sein Engangement, der extra für uns den Weg nach Münsingen zurückgelegt hat, noch einmal bedanken.

Am selben Tag stand noch die "Generalprobe" auf dem Plan. Jeder Griff mußte sitzen für den Roßgallschacht. Aber dank Dirk und Alex "lernten wir spielend".

Der Tag schien gekommen: Nach einem typischen "Höhlenfreizeitfrühstück", das sehr lecker war und bei dem ich sogar von Eva gelernt habe, wie ich am besten Äpfel schneide fürs fast allseits beliebte Bananen- und Apfelmüsli, gab uns das Leiterteam bekannt, daß alle Höfos, die nicht zur Gruppe des Roßgallschachtes gehörten, heute die Falkensteiner Höhle befahren werden; bis zum ersten Siphon, wohlgemerkt! Laut Erzählungen und Fotos mußten einige bei dieser Exkursion wohl die Erfahrung machen, wie unangenehm das 9° C kalte Höhlenwasser der Elsach sein kann, vor allem dann, wenn der Pegel innerhalb der Hose so weit steigt, daß es wirklich als "saukalt" empfunden wird. Aber es waren alle tapfer und im nachhinein konnten alle darüber lachen.

Wir, die andere Gruppe, wir konnten auch lachen. Während wir unsere letzten "Trockenübungen" vor Ort durchführten und uns langsam Richtung Roßgallschacht bewegten, bepackt mit Seilen, Steigklemmen und ähnlichem, führte einer von uns Tagebuch, in welchem die Gedanken enthalten sind, die einem durch den Kopf gehen, bevor man das erste Mal 35 Meter in die Tiefe abseilt: "Ich verfasse diese Zeilen für den Fall des Falles, daß ich falle . . ." oder "Meine geistige Verfassung könnte etwas besser sein, aber . . .". Unsere tatsächlich vorhandene Nervosität wußten wir auf diese makabre Art und Weise auf jeden Fall zu überspielen. Als wir schließlich am Boden des Schachtes angekommen waren, war jeder auf seine Weise glücklich. Immerhin tummelte sich dort auch ein Feuersalamander, und so hatten die Hobbybiologen auch ihre Belohnung, wobei mir dennoch die gesponserten Gummibären etwas wichtiger waren. Da es uns allmählich doch ein bißchen kalt wurde (O-Ton des Tagebuchs: "Dirk und ich singen Leaving On A Jetplane im gewohnten Sopran-Baß Duett, um der Kälte zu weichen . . ."), und dadurch ein Höfo regelrecht tiefblaue Lippen bekommen hatte, waren wir uns doch einig, die Höhle auf schnellstem Wege wieder zu verlassen. Das Tageslicht sehend waren wir froh, denn wir hatten es geschafft; und so schwer war es ja gar nicht!

Nach diesem für beide Gruppen anstrengenden Tage legten wir uns nicht, wie man meinen könnte, auf die faule Haut. Nein, lieber Leser, wir waren nämlich die Teilnehmer der Höhlenfreizeit, und deshalb waren wir halt auch nicht so, wie man meinen könnte. Vornehmlich das Küchenteam, bestehend aus Gabi, Nicole, Übi, Norman und ihre FreundInnen gaben das Motto des kommenden Discoabends aus: "Flower-Power"! Sie hatten den Partyraum ganz toll mit Strohblumen und ähnlichem ausgestattet und waren dementsprechend im "Strohblumenlook" aufgetreten. Die meisten Höfos waren schlichtweg begeistert von den gespielten Oldies und von echten 70er Schlagern. Um 24 Uhr wurde es dann auch ziemlich schnell in den Zimmern ruhig und wir hatten uns unseren Schlaf nach all den Höhlen-, Tanz- und sonstigen Erlebnissen auch ganz gut verdient.

"Wie schnell es doch geht. Morgen ist schon der letzte Tag!", sagten einige. Es stimmte, aber noch war nicht aller Tage Abend. Heute war nämlich bestimmt für jeden noch einmal was dabei: für diejenigen, die der Höhlen überdrüssig waren, wurde Schwimmen im Bad Uracher Aquadrom angeboten; der Renner der vergangenen Jahre. Desweiteren bestand die Möglichkeit, die Laichinger Tiefenhöhle zu besuchen, eine der bekanntesten Schauhöhlen der Schwäbischen Alb. Unsere "Leitis", wie sie ab und zu liebevoll genannt wurden, dachten auch an die, die vom eigentlichen Höhlenbefahren immer noch nicht genug hatten. Das Ziel lautete: Große Schreckenhöhle. Kurz: Ein Loch, bestehend aus einem langen Schluf. Nachdem jeder seinen Wunsch geäußert hatte, ging´s los. Also waren wir alle unterwegs, und weil wir ja unsere Leiter immer mitgenommen haben, hätte man meinen sollen, das CVJM-Heim wäre leer gestanden. Falsch! Mit Gabi bereitete Robert einen ganzen Tag lang seine legendären Pfannkuchen vor, die uns allen, egal ob mit Apfelmus oder Nutella, hervorragend mundeten. Danke!

Am Abend entdeckte mindestens eine Hand voll Höfos ihre romantische Ader, und zwar am Lagerfeuer. Einige Lieder brachten uns wohl zum Lachen, andere sogar zum Schwitzen. Ja, das waren unsere sportlichen Lieder. Bis um halb eins waren am letzten Abend dann alle versorgt. Aus Angst, wir würden die letzte Nacht zum Tag machen, hatten sich unsere "Leitis" etwas besonderes ausgedacht: "Wir warten eine Stunde bis sie ruhig sind, und dann wecken wir sie für eine Nachtwanderung!" Zum Glück wurden wir verschont, unsere Taktiker schafften es nicht, sich wachzuhalten! Und nicht nur die Leiter schliefen, wir auch, denn es war für alle eine anstrengende Woche. . . .Ganz Münsingen schlief . . .Ganz Münsingen? Nein! Zwei von den Teilnehmern hörten nicht auf, den fallenden Augenklappen unaufhörlich Widerstand zu leisten . . . .zum Leidwesen einiger anderer. Aus Verdruß kamen die zwei Schelme auf die Idee, ihren Zimmerkollegen mit Kuli und Edding liebliche Tatoos, Bärte, Brust- und Beinhaare auf ihre Körper zu pinseln. Am nächsten Morgen gab es dann das böse Erwachen: Aber zum Glück wußten wir ja alle, wie man mit dem Humor umzugehen hat.

Der nächste Morgen war gleichzeitig auch der letzte Morgen. Die Koffer waren flink gepackt und nach dem Frühstück zeigte uns Robert Fotos, wie sich einige von uns im Bauerloch und in der Falkensteiner Höhle angestellt haben. Die Bilder waren wahrlich zum Lachen. Anschließend war dann der große Hausputz dran. Dieser war recht schnell beendet, wobei es falsch wäre, daraus zu schließen, wir hätten uns nur halbherzig ans Werk gemacht: Es war wirklich sauber. Ganz zum Schluß wurden dann noch einige lustige Gruppenfotos von uns gemacht, fürs Familienalbum (von Robse?) sozusagen.

Gegen Nachmittag waren die Eltern auch schon da, um ihre Sprößlinge abzuholen. Die anderen wurden von den Leitern ein Stück in die Heimat mitgenommen.

Wir sind uns alle einig: In Münsingen haben wir tolle Tage erlebt. Das haben wir unserem hervorragenden Leiterteam rund um Robert zu verdanken. Ihr wart spitze! Noch einmal vielen Dank an Euch!

Ich bin mir fast sicher, daß wir uns alle beim Nachtreffen wiedersehen und die erlebnisreichen Tage der Höhlenfreizeit des Schwäbischen Albvereins fortsetzen werden. Und wehe, einer erinnert sich nicht mehr an die drei Bedingungen, die die Höhle zur Höhle machen . . .


[Stand: 10/2003]


 
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