Pumpaktion an der Eisrohrhöhle (7325/12) [von
Thilo Müller]
Das Jahresheft 1991 der Arge Grabenstetten
Seite 51-55 / 4 Abb. / Grabenstetten 1992
Verlauf der Aktion
Vom 2.-6. Oktober 1991 fand an der 7325/12 Eisrohrhöhle
bei Weißenstein die 2.Pumpaktion statt. Zum ersten
Mal war der Bröller am 24./25.9.1983 gemeinschaftlich
von der Arge Höhle und Karst Grabenstetten und der
Höhlen-Interessengemeinschaft Ostalb erfolgreich ausgepumpt
worden und konnte bis zum 5. Siphon begangen und dokumentiert
werden (JANTSCHKE 1990). Auch bei der 2. Pumpaktion arbeiteten
diese beiden Gruppen wieder erfolgreich zusammen, wobei
noch weitere Gäste von anderen Gruppen mit von der
Partie waren (Speläo-Club Andon, Arge Höhle Metzingen).
Die Höhle ist bereits in JANTSCHKE 1990 erschöpfend
beschrieben, weshalb hier nur der Verlauf der Aktion und
die Ergebnisse dargestellt werden.
Nachdem am Mittwoch lediglich Außenarbeiten gemacht
wurden (Zelte aufstellen usw.), wurde ab Donnerstag morgen
das Material in die Höhle eingebaut. Um 12 Uhr war
der 1. Siphon nach nur zwei Minuten Pumpzeit ganz offen,
er hatte bereits vor Beginn der Aktion etwa 20-30cm Luft;
dies dürfte eine Auswirkung der recht langen Trockenphase
in den Wochen davor sein.
Aufgrund der Engräumigkeit der Höhle und dem
relativ geringen Volumen der Siphone hatten wir uns bereits
im Vorfeld dazu entschlossen, nur kleinere Pumpen der Größe
T6 zu verwenden; sie sind gut transportabel und besitzen
mit ca. 8 l/s Pumpleistung genug Reserven für die zu
erwartende Schüttung.
Nach dem recht mühsamen Transport des Materials zum
2. Siphon konnte ab 14 Uhr mit dem Pumpen begonnen werden,
was hier jedoch bedeutend länger dauerte, da auch der
3. und 4. Siphon am 2. dranhängen und sich, zumindest
teilweise, gemeinsam mit dem 2. Siphon leeren. Deshalb war
der 2. Siphon erst um 15 Uhr bis auf eine Pfütze leer.
Da der weitere Materialeinbau bis zum 4. Siphon einige Zeit
in Anspruch nehmen würde, war von vorneherein geplant,
eine Pumpe im 2. Siphon stehen zu lassen, damit dieser nicht
zuläuft und der Mannschaft dahinter den Rückweg
abschneidet. Ohne zwischendurch zu pumpen wäre der
2. Siphon in etwa 40-50 min. wieder unpassierbar gewesen.
Gegen 18.45 Uhr konnte erstmals im 3. Siphon gepumpt werden,
der nach wenigen Minuten offen war. Es gelang jedoch erst
am Freitag, den 4.10., ab etwa 13 Uhr, den 4. Siphon zu
pumpen, da die Materialfülle in der engen Höhle
doch einige "Verwirrspiele" bewirkte. Vor allem
das Telephonkabel und die Stromkabel entwickelten eine unheilvolle
Affinität zueinander. Auch die Tatsache, daß
der 3. Siphon wenige Minuten nach dem Pumpen wieder einen
kritischen Wasserstand erreicht hatte, erforderte genaue
und zeitraubende Planung, um möglichst schnell alles
nötige Material im 4. Siphon zu haben, damit in den
3. nichts mehr nachlief.
Um 15 Uhr schließlich gelang es Robert Winkler, durch
die bereits offenen Siphone Nr. 5 und 6 bis zum Beginn des
7. Siphons vorzustoßen, wobei etwa 20m Neuland begangen
wurden. Da der 7. Siphon nur wenige cm Luft hatte und Robert
alleine unterwegs war, brach er die Erkundung hier ab. Grund
seines Alleinganges war, daß der Selektionsschluf
doch für die meisten ein ernstes Hindernis darstellte,
obwohl diese Engstelle noch aufgemeißelt wurde. Erst
später gelang es noch weiteren Höhlenforschern,
diese Engstelle zu knacken. Um 18 Uhr konnte Thilo Müller
das derzeitige Ende der Höhle erreichen, den 8. Siphon
(Geburtstagssiphon, da Thilo heute Geburtstag hatte). Insgesamt
sind damit etwa 30m Neuland entdeckt worden. Auch hier war
der Grund seines Alleinganges, daß die anderen Mitglieder
seiner Gruppe nicht durch den Selektionsschluf passten.
Am selben Abend und in der Nacht zum Samstag wurde der
neue Teil vermessen.
Am nächsten Morgen wurde noch eine Phototour in den
neuen Teil unternommen und dann langsam mit dem Ausbau begonnen.
Ohne größere Probleme waren um 16 Uhr Material
und Mannschaft wieder wohlbehalten vor der Höhle versammelt.
Schlußendlich wurde am Sonntag in einem nahen Tal
das Material geputzt und nach Grabenstetten transportiert.
Eine Woche später wurde der vordere Teil nochmals
durch Mitglieder der Höhlen-InGO vermessen, da Unstimmigkeiten
während der Pumpaktion über den richtungsmäßigen
Verlauf der Höhle aufgetreten waren.
Materialbedarf der Aktion
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Dazu nur einige Anhaltspunkte, was diese Pumpaktion
an spezifischem Material benötigte: neben diversen
Zelten sind vor allem außen ein 8 KVA-Notstromaggregat
sowie die Telephonanlage (nicht BW, sondern auch in
Wasserhöhlen sehr gut funktionierender Eigenbau)
zu nennen. Zur Stromversorgung war noch ein spezialgesicherter
Schaltkasten vorhanden.
In der Höhle kamen insgesamt bis zu 3 Telephonstellen
mit der erforderlichen Menge Kabel (ca. 300m), 2 Tauchpumpen
(Fa. Mast, T6) mit C-Abgangsstücken, diverse
Kupplungs- und Reduzierstücke, ca. 250m B-Schlauch
und ca. 300m Drehstromkabel (5x42 , Vollgummikabel)
mit den jeweiligen Verbindungsstücken zum Einsatz.
Daneben noch etliche Kleinteile, deren Fehlen meistens
unangenehm auffällt und bisher noch jede Pumpaktion
ins Stocken brachte.
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Bild 1: Manfred Schwaiger (links) und Alexander
Maier am Eingang der Eisrohrhöhle; links Reste
eines "abgestürzten" Baumes, der
den Zugang etwas erschwerte; Aufnahme: Thilo Müller
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Ergebnis, Dank
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Bild 2: Michael Hottinger im ausgepumpten
1. Siphon; Aufnahme: Thilo Müller
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Die neue Gesamtlänge der Höhle beträgt
nun 144m. Neben dem Neulandzuwachs gab es leider auch
20m Abzug von der Gesamtlänge, da die nachträgliche
Vermessung bis zum 2. Siphon die alte Vermessung (HAG
Schwäbisch Gmünd, 1973) von 63m auf 43m
korrigieren mußte. Außerdem war die Richtung
um 90° verdreht (vgl. Plan in JANTSCHKE 1990 und
hier), weshalb die Meßdaten von 1983 zuerst
an die Daten der HAG Schwäbisch Gmünd angepaßt
wurden. Diesmal stellte sich jedoch heraus, daß
der Dreher schon 1973 passierte, weshalb, zur Sicherheit,
dieser vordere Teil neu vermessen wurde. Dennoch zeigte
sich, daß bis auf diese beiden Fehler der Plan
der HAG Schwäbisch Gmünd eine gute Genauigkeit
aufwies.
Die Höhle verläuft somit in 240° (Schwäbisches
Lineament) und nähert sich dem Forellenloch etwas
an. Ob ein gemeinsames Einzugsgebiet vorliegt?
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Der Charakter der neuentdeckten Gänge unterscheidet
sich kaum von dem der bisher bekannten Höhle. Lediglich
der Übergang vom 6. zum 7. Siphon und der nachfolgenden
Auftauchglocke vor dem 8. Siphon (Kluftgang > Schichtfugengang
> Kluftkammer) ist für die Eisrohrhöhle
neu; bisher war meist eine Gangrichtung ohne Änderung
der Kluft vorherrschend. Auch in den neuen Teilen bleibt
ansonsten der Schichtfugencharakter der Höhle erhalten,
auch wenn fast immer eine Leitkluft an der Decke erkennbar
ist.
Eine weitere Pumpaktion in der Eisrohrhöhle dürfte
den dann doch recht immensen Aufwand kaum rechtfertigen.
Der 8. Siphon läuft nicht leer, sondern müßte
direkt gepumpt werden, weshalb alles, was diesmal nur bis
zum 4. Siphon transportiert wurde, dann nochmal 40m weiter
geschleppt werden müßte. Auch das Risiko, nach
dem 8. gleich den 9., 10. und 11. Siphon anzutreffen, ist
aufgrund der bisherigen "Siphondichte" (8 Siphone
auf 144m, davon 4 allein auf die letzten 30m) recht hoch.
Alles Gründe, von weiteren Pumpaktionen hier Abstand
zu nehmen.
Auch Tauchern dürfte es nur unter großen Anstrengungen
gelingen, hier Neues zu finden. Vor allem die Auftauchstellen
des 2. und 5. Siphons sind durch Versturz eng und schwer
zu finden, zudem gibt es über Wasser weitere Engstellen
(Selektionsschluf). Allerdings ist hier einer der wenigen
Siphone der Alb, die offen sind. Der Geburtstagssiphon hatte
unter Wasser kein Hindernis.
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Vor allem den sehr freundlichen Einwohnern von Weißenstein
möchten wir für die Unterstützung danken.
So war es kein Problem, die notwendigen Genehmigungen
zu bekommen. Auch das täglich nötige Brauchwasser
wurde uns von freundlichen Weißensteinern in
Kanistern gebracht. Lichtstrom stellte uns die Betreibergesellschaft
des dortigen Skiliftes zur Verfügung. In etlichen
Gesprächen mit Besuchern konnten wir Erklärungen
und Informationen geben, die auf ein ungewöhnlich
großes Interesse stießen.
Insgesamt waren die äußeren Bedingungen
optimal, weshalb der Wunsch nach einer weiteren Pumpaktion
recht schnell aufkam, jedoch aus oben genannten Gründen
zumindest vorläufig nicht weiter verfolgt wird.
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Bild 3: Florian Gruner im Eingangsbereich;
Aufnahme: Herbert Jantschke
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Literatur
JANTSCHKE, Herbert (1990): Die Eisrohrhöhle bei Weißenstein.
Beiträge zur Höhlen- und Karstkunde in Südwestdeutschland,
34: S. 42-46. Stuttgart
