|
|
Sardinien - ein vereinsübergreifendes Unternehmen [von
Robert Winkler]
 |
Nachdem wir normalerweise die Pfingstferien dazu
nutzen, die ersten warmen Tage im Jahr zwischen Neuschnee und
Höhleneis im Toten Gebirge zu verbringen, haben wir uns
dieses Mal für die entgegengesetzte Variante entschieden.
Entgegengesetzt bedeutet, dass wir die dieses Jahr extrem heißen
Junitage gegen noch heißere auf Sardinien getauscht haben.
Wo es gerade um "wir" geht. Die Gruppe bestand aus
Saskia Bartmann, Chris Fischer, Jutta Sebald, Andreas Jakob,
Tobias Tränkle, Florian Renz, Max Wisshak und mir. Und
damit waren insgesamt folgende Höhlenvereine vertreten:
HFGOK - Arge Albstadt - Arge Speleo Nürnberg - Arge Grabenstetten
- Höhlen- und Heimatverein Laichingen und der Höhlenverein
Sontheim. |
Vor Ort haben wir auch Winnie, Brigitte und Peter Otto mit ihren
4 Töchtern angetroffen.
In der zweiten Woche kam noch eine große Ladung der Chiemgauer
Höhlenbären, so dass die süddeutsche Höhlenszene
wirklich bestens vertreten war.
Auf die Idee für diese Tour bin ich nicht selber gekommen.
Günther Blancke (ein deutscher Rentner und Hobbyhöhlenforscher,
der sich dort mit seiner Frau Veronika zur Ruhe gesetzt hat) hat
sich in einem Aufruf an den deutschen Höhlenforscherverband
gewandt. Wie sich bald herausgestellt hat, hat er auch schon die
HFGOK bei der Erforschung der sardischen Unterwasserhöhlen
unterstützt. Also wollte ich der Sache nachgehen und habe eine
kleine Gruppe zusammengestellt. Da niemand von uns vor Ort war,
war das natürlich ein großes Experiment, für das
nur eine kleine Gruppe in Frage kommt. Herbert Jantschke hat freundlicherweise
das Vortreffen ausgerichtet und uns mit den Katasterinformationen
und Kartenmaterial versorgt. Günther Blancke hat eine Forschungsgenehmigung
besorgt und uns Ferienwohnungen vermittelt. Der Katasterführer
der sardischen Höhlenforscher war informiert. Hinter der "Utopia",
der von der HFGOK auf einer Länge von über 4km erforschten
Tauchhöhle wartet ein Horizontalsystem mit Blautopfausdehnungen.
Ein vergleichbares zusammenhängendes System ist weiter nördlich
auch bereits bekannt.
Die Vorraussetzungen waren also ideal.
Es gab nur ein Problem: Neue Höhlen. Sie
wollten sich einfach nicht finden lassen. Auch wenn in dieser
Gegend bester Kalk mit den tollsten Karren ansteht, zum Teil
sogar mit einer Schichtgrenze zum Grundgestein, so konnten wir
nur klitzekleinste Löcher finden.
Eigentlich wollten wir ja mit den Hirten vor Ort gemeinsam losziehen,
was sich aber als unmöglich erwies ohne die Landessprache
zu beherrschen. In diesem Punkt konnte auch Günther nicht
weiterhelfen.
So haben wir viele Suchtouren ins Gelände unternommen,
einmal in hydrographisch exponierter Lage, dann entlang von
Schichtgrenzen und schließlich noch gezielt an Störungslinien.
Der letzte Ansatz hat immerhin ein paar kleinere Höhlen
erbracht - keine echten Neuentdeckungen, da sie mit Sicherheit
schon bei den Hirten bekannt sind, aber immerhin noch nicht
dokumentierte Objekte. |
|
Zwischen diesen erfolglosen Open-Air-Sauna-Veranstaltungen haben
wir uns mit normalem Touriprogramm bei Laune gehalten, also Strand,
Meer, Sonne satt und obendrauf paßte auch immer noch ein Latte
Macchiato.
 |
Auch ein Fischessen und ein Hirtenessen gehören auf
Sardinien dazu. Diese zwei denkwürdigen Abende hat Günther
für alle deutschen Besucher gemeinsam organisiert. Dadurch
wurden sie einerseits zu eventverdächtigen Großveranstaltungen,
allerdings mußte man zuweilen sehr geschickte Plätze
haben, um die guten Stücke abzubekommen.
Und dann gab es eben doch noch ein paar Höhlen, allerdings
waren diese schon länger bekannt. Besondere Highlights
waren der Besuch der Grotta del Fico, die gerade zur Schauhöhle
ausgebaut wird (Anfahrt mit geliehenem Boot und anschließend
Aufenthalt in einer Lagune mit Privatsphäre) und die
Tour in die Su Palu mit einem Halbsiphonschluf und vielen
Tropfsteinen, Excentriques und Makkaronis.
Fazit: Eine tolle Insel, die ich im nächsten Jahr gerne
wieder besuchen würde. Ohne Ortskundige (Hirten, einheimische
Höfos) braucht man aber nicht ernsthaft nach Höhlen
zu suchen.
Die zwei Wochen waren jedenfalls superklasse und legen es
nahe, noch öfter vereinsübergreifend einen Höhlenurlaub
zu planen.
|
[Stand: 10/2003]
|
|