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Falkensteiner Höhle
(Text aus: Besucherinfo Falkensteiner Höhle,
Grabenstetten, 1996, S. 14-15) |
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| Die Falkensteiner Höhle ist eine aktive Wasserhöhle,
das heißt sie wird in ihrer vollen Länge das ganze
Jahr hindurch von der Elsach durchflossen. Bei starken Regenfällen
oder Schneeschmelze kann das Wasser innerhalb der Höhle
so stark ansteigen, daß der Bach aus dem Eingang austritt,
über die Felsbänke in schäumenden Kaskaden hinunterstürzt
und dabei manchmal auch den zur Höhle führenden Weg
teilweise zerstört und wegschwemmt. Bei derart starkem
Hochwasser kann auch der niedrige Eingangsteil auf über
20 Meter Länge vollständig unter Wasser stehen, und
eine Begehung der Höhle ist unter diesen Umständen
nur sehr erfahrenen Höhlentauchern möglich. Bei normaler
Wetterlage ist jedoch ein Besuch der Höhle bis auf etwa
150 Meter Länge gefahrlos und, zieht man Gummistiefel an,
sogar trockenen Fußes möglich. Prinzipiell sollten
bei einer Befahrung immer zwei getrennte gute Beleuchtungssysteme
(zwei lichtstarke Taschenlampen) pro Person mitgeführt
werden. Ohne Licht ist ein Entkommen aus der Höhle, selbst
nur 100 Meter vom Eingang entfernt, nicht möglich! Fackeln
oder Petroleumlampen als Beleuchtung sind aus Gründen des
Höhlenschutzes verboten: Ihr Qualm erschwert die Atmung,
zerstört das empfindliche Biotop der Höhle, verrußt
das Gestein, und ihr schwaches Licht eignet sich allenfalls
als Beleuchtung einer romantischen Gartenfete und nicht einer
Höhle. |
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Nach dem niedrigen Eingangsteil, in welchem manchmal noch einige
Pfützen Zeugnis vom letzten Hochwasser ablegen, vergrößert
sich der Gang wieder, und man findet rechter Hand das zweite Schluckloch,
wo der Bach bei erhöhtem Wasserstand verschwindet und teilweise
am Hang und im Quelltopf wieder austritt. Nach einer lehmigen Passage
trifft man auf das erste Schluckloch, das im Gegensatz zum ersten
immer aktiv ist. Bei Hochwasser ist die Aufnahmefähigkeit der
beiden Schlucklöcher zu gering und die Elsach tritt dann aus
dem Höhleneingang wieder zu Tage. Über glitschige Steine
führt der Gang bald zum "Regentörle", einer
Stelle, bei der auch bei größter Trockenheit etliche
Wasserfäden von der Decke plätschern. Bis hierher ist
eine Begehung der Höhle für den normalen Touristen ohne
größere Probleme möglich.
Das weitere Vordringen wird durch teilweise brusttiefes Wasser
erschwert und zwingt zu Kälteschutzmaßnahmen (Taucheranzug).
Man könnte zwar versuchen, die tiefsten Stellen zu überklettern,
aber ein plötzliches Ausrutschen an den glitschigen Wänden
mit nachfolgendem Sturz in das nur sieben Grad warme Wasser könnte
bei schwächer konstituierten Personen zu einem Kreislaufkollaps
führen! Auch von der Verwendung von Luftmatratzen ist abzuraten:
Das Gestein ist scharfkantig, und eine zerrissene Matratze wird
meist achtlos liegen gelassen und muß später von verantwortungsbewußten
Höhlenforschern wieder mühsam ans Tageslicht geschleppt
werden.
Bei längeren Begehungen ist also ein Taucheranzug erforderlich,
die Lichtversorgung muß wasserdicht sein sowie über einen
langen Zeitraum funktionieren. Außerdem ist Ersatzbeleuchtung
mitzuführen! Dermaßen ausgerüstet kann man bei normalem
Wasserstand circa 480 Meter in die Höhle eindringen. Dann stößt
man auf den ersten Siphon.
Der Gang ist durchweg großräumig, kluftartig, von alten,
teilweise übersinterten Verstürzen durchsetzt, ohne nennenswerte
Seitenteile und auf ganzer Strecke von der Elsach durchflossen.
Die in der älteren Literatur manchmal erwähnten Seen existieren
nicht wirklich: Damit sind nur die etwas tieferen Stellen im klammartigen
Bachbett gemeint, und es ist vollkommen unsinnig, mit irgendwelchen
Booten die Höhle befahren zu wollen.
Ein Siphon ist ein Gangteil einer wasserdurchflossenen Höhle,
in dem die Höhlendecke unter der Wasseroberfläche verschwindet.
Der erste Siphon der Falkensteiner Höhle ist heute nur noch
bei erhöhtem Wasserstand ganz geschlossen, und es bleibt normalerweise
ein Luftspalt von etwa fünf bis zehn Zentimetern zum Atmen.
Zu Platzangst und Panik neigenden Personen ist das Passieren dieser
Stelle abzuraten und eine Begehung über den ersten Siphon hinaus
ist nur sehr erfahrenen Höhlenforschern möglich! Die Ausrüstung
muß entsprechend ergänzt werden, man sollte eventuell
Verpflegung mitführen, Verbandszeug für mögliche
Notfälle haben, und die Beleuchtung ist für einen längeren
Aufenthalt auszulegen!
Großräumig setzt sich der Gang hinter dem ersten Siphon
fort, und nach wenigen Metern steht man vor einem mächtigen
Versturz, welcher den Boden der "Reutlinger Halle" bildet.
Hier muß man einige Meter nach oben klettern, die Halle durchqueren
und dann wieder zum Bachbett absteigen. In den sechziger Jahren
erleichterten Eisenleitern den Auf- und Abstieg, jedoch setzte der
Rost im Laufe der Jahre den Leitern so stark zu, daß sie ein
Sicherheitsrisiko darstellten und von Vereinsmitgliedern abgebaut
wurden.
Hinter der "Reutlinger Halle" beginnt einer der schönsten
Höhlenteile, die "Wasserfallstrecke". Durchweg großräumig
zieht der Gang weiter in den Berg. Vorbei an Sinterkaskaden und
über kleine Wasserfallstufen erreicht man nach etwa einem halben
Kilometer erneut eine Versturzzone, deren Blöcke von einer
schmierseifen-ähnlichen, glitschigen und teilweise meterdicken
Lehmschicht überzogen sind (daher der Name: "Lehmwände")
und das Vorankommen erschweren. Kurz vor den "Lehmwänden"
trifft man auf das "Krokodil", ein von der Decke gestürzter
meter-langer Tropfstein und Wahrzeichen am Ende der "Wasserfallstrecke".
Leider wurde das "Krokodil" vor wenigen Jahren von dümmlichen
Höhlenbegehern mutwillig in zwei Teile zerbrochen!
Am Ende der durchweg trockenen Lehmstrecke gelangt man in eine
größere Versturzhalle, an deren Rand ein sehr enger Durchschlupf
("Fuchsbau") wieder zum Bachbett hinunterführt. Hier
ist man etwa 1200 Meter vom Eingang entfernt, und der folgende Gang
weist jetzt ein kastenförmiges Profil auf: Kurze trockene Teile
wechseln ab mit Strecken, in denen man im knie- oder hüfttiefen
Wasser waten muß.
Kurz nach Beginn dieses Höhlenteils ist das "Waschbrett"
zu passieren, eine breite, aber niedrige Spalte nur wenige Zentimeter
über dem Bachniveau. Bei erhöhtem Wasserstand staut sich
hier ein mehrere Meter langer Siphon. Nach knapp einem weiteren
Kilometer folgt eine weitere Versturzzone, und wenn man sich zwischen
den Blöcken hindurchgezwängt hat, stößt man
schließlich auf die "Bänischhalle" mit dem
zweiten oder "Großen Siphon".
Dieser ist ein echter Siphon, das heißt es gibt keine Luftspalte
zum Atemholen. Direkt hinter dem zweiten Siphon folgt ein dritter
("Schiefer Siphon") und in der anschließenden Strecke
existiert je nach Wasserstand zwischen Höhlendecke und Wasseroberfläche
nur ein Luftspalt von wenigen Zentimetern. Sinnigerweise nennt sich
dieser Teil "Letzte Ölung"! Der Gang wird dann wieder
größer und vorbei an Tropfsteinsäulen, Sinterkaskaden
und schneeweißen Stalagtiten erreicht man nach weiteren 600
Metern den "Eiseleversturz", einen relativ jungen Deckenbruch,
der den Gang vollständig blockierte und bis Silvester 1977
das Höhlenende gebildet hat, 2750 Meter vom Eingang entfernt.
Die nach dem Eiseleversturz beginnende "Riffstrecke"
ist der schönste Teil der Höhle. Weder ein weiterer Versturz
noch sonst ein größeres Hindernis erschweren das Fortkommen
bis zur "Hohen Kluft", an deren Fuße die Höhle
in einen weiteren und langen Siphon ("Tiefer Siphon")
abtaucht. Dieser neue Höhlenteil unterscheidet sich wesentlich
von den schon länger bekannten: Die Gesteinsformation ist Schwammkalk,
ein massiges, ungegliedertes und teilweise sehr scharfkantiges Gesteinspaket,
gänzlich anders geartet als die eingangsnahen Bereiche, in
denen geschichtete Bankkalke dominieren. Besonders bemerkenswert
ist eine leichte Blaufärbung mancher Tropfsteine, möglicherweise
hervorgerufen durch einen geringen Kupferanteil im Gestein.
Die Falkensteiner Höhle zieht in einer relativ einfachen räumlichen
Strukur durch den Berg: Ein großräumiger und meist klamm-
oder kastenförmiger, selten elliptischen Querschnitt aufweisender
Gang ohne nennenswerte Seitenteile oder gar Nebenlabyrinthe. Die
wenigen Seitengänge erreichen nicht einmal eine Länge
von hundert Metern, sind im Vergleich zum Hauptgang sehr eng und
führen kaum Wasser, so daß sie niemals über einen
längeren Zeitraum eine große Rolle als Wasserzubringer
gespielt haben. Die Hauptwasserzufuhr erfolgt aus dem "Tiefen
Siphon". Außerdem besitzt die Höhle keine höherliegenden
Etagen, jedenfalls sind bis heute trotz intensiver Suche keine solchen
entdeckt worden. Der Hauptgang verläuft bis zur "Reutlinger
Halle" ziemlich genau nach Norden, schlägt dann eine östliche
Richtung ein und biegt beim "Fuchsbau" wieder in nördliche
Richtung ab. Im Bereich der "Bänischhalle" unterquert
die Höhle Grabenstetten, und unter dem Grabenstettener Sportplatz
dürfte sich wohl der "Eiseleversturz" befinden. Die
Überdeckung, das heißt die vertikale Strecke von der
Höhlendecke bis zur Erdoberfläche, beträgt am Eingang
circa 100 Meter. Da die Höhle ein recht geringes Gefälle
hat (etwa 50 Meter zwischen "Eiseleversturz" und Eingang,
das heißt eine mittlere Steigung von 1,8 Prozent) und die
Erdoberfläche über der Höhle keine nennenswerten
Erhebungen oder Einsenkungen aufweist, dürfte die Überdeckung
am Versturz etwa 50 Meter betragen.
[Stand: 10/2003]
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